Eine Leserin fragt jüngst in einem Schreiben an die Redaktion provokativ, ob Abgeordnete faul seien, weil sie beim Blick in den Plenarsaal so oft gähnende Leere wahrnehme. Wir bitten Mandatsträger um Antworten. Heute erläutert Michael Hose (CDU), wie er die Arbeit im Bundestag erledigt.
Warum sind im Plenarsaal oft so viele Plätze frei?
Mein Sitzungstag in Berlin beginnt früh und endet oft sehr spät. Dazwischen reiht sich ein Termin an den nächsten: Ausschüsse, Arbeitsgruppen, Anhörungen, Fraktionssitzungen und Gespräche mit Sachverständigen, Verbänden und Besuchergruppen. 16-Stunden-Tage sind die Regel. Ich mache das sehr gern und empfinde meine Arbeit für die Bürger als großes Privileg.
Ich verstehe, dass leere Reihen irritieren. Der Bundestag ist jedoch ein Arbeitsparlament. Vieles findet außerhalb des Plenarsaals statt. Auch Arbeitsgruppen, Ausschüsse und Fachgespräche tagen teilweise parallel zum Plenum. Ein leerer Platz bedeutet also nicht, dass ein Abgeordneter nicht arbeitet.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Wir Abgeordnete spezialisieren uns auf unterschiedliche Fachgebiete. Ich bin Mitglied im Bildungsausschuss und im Kulturausschuss und leite die Corona-Enquete-Kommission. Im Plenum vertreten die zuständigen Fachpolitiker die Ergebnisse oft langer Beratungen. Deshalb wechselt die Besetzung im Plenum mit den Themen. Voll ist es bei Grundsatzdebatten und Abstimmungen.
Gute parlamentarische Arbeit ist für mich deshalb mehr als reine Anwesenheit im Plenarsaal.

Wann müssen Sie im Plenarsaal sein?
2026 hat der Bundestag 22 Sitzungswochen, in denen ich in Berlin arbeite. Im Plenum bin ich vor allem dann, wenn es um meine Themen Bildung, Familie, Senioren und Jugend, Kultur oder Corona-Aufarbeitung geht, und natürlich bei wichtigen Abstimmungen. Darüber hinaus verfolge ich die Debatten, so oft mein Terminkalender es zulässt.
In den übrigen Wochen bin ich im Wahlkreis unterwegs, spreche mit Bürgern, Kommunen und Verbänden, besuche Schulen, Betriebe und Vereine. Dort erfahre ich, wie Gesetze im Alltag wirken und wo wir nachbessern müssen.
Wie verhindern Sie, wichtige Entscheidungen zu verpassen?
Die Abstimmungszeiten stehen in der Tagesordnung. Kurz zuvor ertönt ein Klingelsignal, und mein Büro informiert mich über Änderungen. Entscheidend ist aber etwas anderes. Über ein Gesetz wird meist wochenlang beraten. Wer diese Arbeit ernsthaft mitmacht, wird von keiner Entscheidung überrascht.

Sollte Abgeordneten bei Abwesenheit das Geld gekürzt werden?
Das passiert bereits. Wer an einem Sitzungstag fehlt, bekommt 200 Euro abgezogen, unentschuldigt an einem Plenartag sind es 300 Euro. Für jede verpasste namentliche Abstimmung werden weitere 200 Euro einbehalten. Wer eine Sitzung grob stört, zahlt 2000 Euro, im Wiederholungsfall 4000 Euro. Das finde ich richtig.
Normalerweise wird im Job bezahlt, wer da ist und seine Aufgaben erfüllt. Sonst droht die Kündigung. Lässt sich das auf den Bundestag übertragen?
Ich verstehe den Vergleich gut. Unsere Chefs sind die Wählerinnen und Wähler. Das Grundgesetz sorgt dafür, dass weder der Bundestag noch eine Fraktionsspitze einen unbequemen Abgeordneten einfach vor die Tür setzen kann. Über „Kündigung“ entscheiden die Bürgerinnen und Bürger bei der nächsten Wahl. Das ist richtig und spornt mich an.

Sind faule Abgeordnete für die Probleme der Regierung verantwortlich?
Die allermeisten Abgeordneten arbeiten sehr engagiert, unabhängig von ihrer Fraktion. Wenn etwas zu langsam vorangeht, hat das andere Gründe. In einer Koalition muss man Kompromisse finden, Gesetze müssen sorgfältig beraten werden, die Länder reden mit, und nicht selten bremst die Bürokratie. Eines nehme ich mir aber zu Herzen. Wir müssen besser erklären, was wir tun und welches Ziel wir damit verfolgen.
Gibt es aktuell im Bundestag Initiativen, die die Arbeit verbessern und das, was getan wird, transparenter machen?
Wir haben die Regeln des Bundestags so umfassend erneuert wie seit mehr als 40 Jahren nicht mehr. Die Debatten sollen lebendiger werden, und wer pöbelt, zahlt. Plenardebatten und Anhörungen lassen sich live oder in der Mediathek verfolgen. Auf bundestag.de können Abstimmungen und Nebeneinkünfte der einzelnen Abgeordneten eingesehen werden.
Der Bundestag muss auch digitaler werden, etwa bei Abstimmungen. Bei der digitalen Anwesenheitserfassung haben wir einen ersten Schritt gemacht.

Am wichtigsten ist mir der direkte Austausch. Wir müssen nicht immer einer Meinung sein, sollten aber miteinander reden. Was bewegt Sie in Erfurt, Weimar und im Grammetal? Schreiben Sie mir oder kommen Sie in meinen Wahlkreisbüros vorbei, auch und gerade dann, wenn Sie anders denken als ich.




