Rechtsextremismus

Wie eine kleine Gemeinde NPD-Mann Jagsch wieder los wurde

Altenstadt.  Weil es keinen Gegenkandidaten gab, wurde im Wetteraukreis NPD-Mann Stefan Jagsch Ortsvorsteher. Nach einem Eklat ist damit Schluss.

Stefan Jagsch (NPD), Ortsvorsteher von Altenstadt-Waldsiedlung, steht vor dem Gemeinschaftshaus im Ortsteil, in dem er gewählt und wieder abgewählt wurde.

Stefan Jagsch (NPD), Ortsvorsteher von Altenstadt-Waldsiedlung, steht vor dem Gemeinschaftshaus im Ortsteil, in dem er gewählt und wieder abgewählt wurde.

Foto: Andreas Arnold / dpa

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Er war nur wenige Wochen im Amt: Stefan Jagsch, stellvertretender Landesvorsitzender der hessischen NPD, ist seinen Posten als Ortsvorsteher der kleinen Wetterau-Gemeinde Altenstadt-Waldsiedlung wieder los.

Nach einem Eklat um seine Person wählte ihn der Ortsbeirat während einer turbulenten Sitzung wieder ab. Dabei gab es nur eine Gegenstimme – und die kam von ihm selbst.

Tatjana Cyrulnikov, (22, CDU) löst NPD-Mann Stefan Jagsch ab

Künftig hat der Ortsbeirat ein frisches Gesicht an der Spitze: Er wählte – ebenfalls mit großer Mehrheit – die junge CDU-Politikerin Tatjana Cyrulnikov zur Vorsteherin.

„Für mich ist es jetzt wichtig, mit jedem im Ortsbeirat eine gute Zusammenarbeit zu haben, egal ob ich die politische Meinung vertrete oder nicht“, sagte die 22 Jahre alte duale Studentin, die seit Anfang letzten Jahres Kreisvorsitzende der Jungen Union Wetterau ist. Die Bürger der Waldsiedlung stünden für sie jetzt im Mittelpunkt, erklärte sie nach der Wahl.

Der Bürgermeister von Altenstadt (Wetteraukreis), Norbert Syguda, zeigte sich erleichtert über den Ausgang des Votums. Er hoffe nun auf ruhigeres Fahrwasser und auf mehr Sensibilität im Umgang mit der NPD, sagte der SPD-Politiker.

Jagsch, stellvertretender Landesvorsitzender der rechtsextremen NPD, war Anfang September von den damals anwesenden Vertretern des Ortsbeirats von CDU, SPD und FDP gewählt worden.

Jagsch hatte keinen Gegenkandidaten

Ihre Entscheidung hatten sie unter anderem damit begründet, dass es keinen anderen Kandidaten gegeben habe und dass die Parteizugehörigkeit keine Rolle gespielt habe.

Nach der öffentlichen Empörung stellten die Mitglieder des Ortsbeirats einen Abwahl-Antrag.

Verfolgen sonst kaum eine Handvoll Zuschauer die Sitzungen des Gremiums, das für einen Ortsteil spricht und eine beratende Funktion hat, kamen diesmal mehr als Hundert Zuschauer und Journalisten.

Zum Beginn der Sitzung wurde nach einem entsprechenden Antrag die Tagesordnung geändert und die Ab- und Neuwahl vorgezogen.

Bürgermeister Syguda in Erklärungsnot

Als bekannt wurde, dass über Jagschs Abberufung nicht in geheimer Wahl, sondern per Beschluss und daher mit Handzeichen abgestimmt werden sollte, protestierten die Unterstützer des NPD-Manns lautstark mit heftigen Zwischenrufen. Bürgermeister Syguda versuchte zu erklären und verwies auf die Hessische Gemeindeordnung, die dieses Vorgehen „klar“ regle.

Jagsch, der als Ortsvorsteher die Sitzung anfangs leitete, beharrte zunächst auf einer geheimen Wahl – am Ende aber wurde doch per Handzeichen abgestimmt. Für die Abberufung votierten sieben Beiratsmitglieder, Jagsch stimmte dagegen. Nach den Abstimmungen ging die Debatte weiter, inklusive persönlichem Angriff auf die neu gewählte Ortsvorsteherin.

Nun will Jagsch gegen seine Abwahl klagen

Eine Frau empörte sich über die Kehrtwende des Ortsbeirates im Umgang mit Jagsch. Sie sprach von „Wahlmanipulation“ und DDR-Verhältnissen. Es habe ein politisches Umdenken gegeben, konterte Cyrulnikov. In einer Demokratie könnten Fehler passieren. „Demokratie erlaubt aber auch, dass man Fehler korrigiert“, sagte sie unter Applaus.

Der Eklat um das Ortsvorsteher-Amt von Altenstadt-Waldsiedlung wird nun aller Voraussicht nach die Gerichte beschäftigen: Jagsch will gegen seine Abwahl klagen. (dpa/bik)

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