Kann ein Computer Gedanken lesen? US-Forscher haben einen bemerkenswerten Schritt in der Neurotechnologie vorgestellt: Mithilfe von Hirn-Implantaten und Künstlicher Intelligenz gelang es erstmals, Teile eines inneren Monologs von Patientinnen und Patienten zu entschlüsseln. Doch das „Gedankenlesen“ funktioniert nur eingeschränkt und nur, wenn zuvor ein spezielles Passwort gedacht wird.

Wenn das Gehirn „Chitty Chitty Bang Bang“ sagt

Das Team um die Elektroingenieurin Erin Kunz von der Stanford University berichtet in der Fachzeitschrift Cell, dass Versuchspersonen mit einer schweren Lähmung innerlich gedachte Sätze in Text übersetzt bekamen. Voraussetzung war, dass sie zuvor an die Passphrase „Chitty Chitty Bang Bang“ dachten, erst dann begann das System mit der Entschlüsselung. So wollten die Forscher verhindern, dass private Gedanken unbeabsichtigt nach außen dringen.

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Die Grundlage bildet eine Hirn-Computer-Schnittstelle (BCI). Elektroden im Motorkortex – jener Hirnregion, die auch für Sprechbewegungen zuständig ist – zeichnen elektrische Signale auf. Eine KI übersetzt diese Muster in Wörter. Ziel ist es, Menschen, die nach Schlaganfällen oder durch Krankheiten wie ALS nicht mehr sprechen können, neue Kommunikationswege zu eröffnen.

Fortschritt mit Fehlern

Bislang mussten Probanden in ähnlichen Studien oft versuchen, Sprechbewegungen zumindest anzudeuten. Das ist jedoch anstrengend und ermüdend.

Die Ergebnisse sind allerdings noch nicht fehlerfrei. Mal erkannte das System aus „Ich denke, es hat den besten Geschmack“ den Satz „Ich glaube, es hat den besten Spieler“. Andere Male entstand aus „Jene Person drängt dich“ ein sinnloses „Während rot du“. Je nach Test lag die Trefferquote zwischen 50 und 74 Prozent.

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Zwischen Hoffnung und Skepsis

Fachleute außerhalb des Projekts zeigen sich beeindruckt. Die Neuroingenieurin Sarah Wandelt von den Feinstein Institutes for Medical Research sprach in dem Wissenschaftsportal Nature von einem „technisch beeindruckenden und bedeutenden Schritt“. Zugleich betonen Expertinnen und Experten, dass die Technik noch weit davon entfernt ist, frei gedachte Inhalte umfassend mitzulesen. Evelina Fedorenko, Kognitionsforscherin am MIT, weist laut der New York Times darauf hin, dass viele spontane Gedanken gar nicht in wohlgeformten Sätzen ablaufen.

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Die Studie rückt damit auch eine ethische Frage in den Fokus: Wie lässt sich sicherstellen, dass Neuroprothesen nicht mehr Informationen preisgeben, als ihre Nutzerinnen und Nutzer wollen? Das eingebaute Passwort sei ein erster Schutzmechanismus, betonen die Forscher.