„Wir testen nun alle Energydrinks“, sagt eine Influencerin lächelnd in die Kamera. Enthusiastisch öffnet sie vier Dosen nacheinander, probiert einen Drink nach dem anderen. „Dieser ist wirklich gut“, sagt sie über einen, der nach Aprikose schmecken soll. Ähnliche Videos gibt es zuhauf auf Tiktok oder Instagram, sie haben teils tausende von Klicks. Verwunderlich ist das nicht, denn seit Jahren boomt das Geschäft mit den Energydrinks. Inzwischen haben auch Internetgrößen wie Montana Black ihre eigenen Sorten auf den Markt geworfen. Eine Zielgruppe dabei sind Jugendliche und junge Erwachsene, für die Energydrinks teilweise schon fast zu Trend-Drinks werden. Doch wie wirkt sich ein regelmäßiger Konsum eigentlich langfristig auf die Gesundheit aus?

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Das haben nun erstmals Wissenschaftler vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und der Charité Universitätsmedizin Berlin untersucht. Die Studie wurde kürzlich unter dem Namen EDKAR-Studie (Energy Drinks und KARdiologisches Risiko) veröffentlicht. Das Ergebnis ist überraschend.

Fast jeder vierte Jugendliche greift mehrmals im Monat zu Energydrinks

Aber von vorne: Die Show der Energydrinks in den sozialen Medien ist kein Zufall. Gerade dort erreicht man junge Menschen ziemlich gut. Und laut einer Statistik der Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen aus dem Jahr 2024 greift fast jeder vierte Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren mehrmals im Monat zu den süßen Wachmachern, zwei Prozent sogar täglich. Allerdings ist das nicht ganz unbedenklich.

Der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge gilt eine tägliche Aufnahme von drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht bei Kindern und Jugendlichen noch gesundheitlich unbedenklich. Allerdings ist dieser Wert schnell überschritten. „Jugendliche mit einem Körpergewicht von 50, Kilogramm würden diesen Wert beim Verzehr von zwei handelsüblichen Energydrinks (80 mg Koffein je 250 Milliliter-Dose) bereits überschreiten“, schreiben die Forscher der EDKAR-Studie. 

5000 Schüler nehmen an Studie teil

„Es ist seit langem bekannt, dass Energydrinks aufgrund ihres hohen Koffeingehalts eine akute Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem haben und bei hohem Konsum beispielsweise Herzrasen oder eine Erhöhung des Blutdrucks auslösen können“, sagt Cornelia Weikert, Leiterin des Humanstudienzentrums Gesundheitlicher Verbraucherschutz am BfR. „Mit unserer Studie wollten wir herausfinden, ob diese negativen Effekte der Energydrinks die Herzgesundheit der Jugendlichen auch nachhaltig beeinträchtigen.“

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Dafür haben die Forscher in den vergangenen Monaten über 5.000 Berliner Schüler und Schülerinnen zwischen 15 und 18 Jahren befragt. Es ging dabei um ihr allgemeines Konsumverhalten von Energydrinks, aber auch um unterschiedliche Lebensstilfaktoren. So mussten die Schüler etwa angeben, ob sie rauchen oder Alkohol trinken. Jene Schüler, die in der Woche mehr als vier Energydrinks zu sich genommen haben und damit den Grenzwert überschritten, wurden zu einer kardiologischen Untersuchung eingeladen.

Nach Angaben der Wissenschaftler wurden Daten von 97 Jugendlichen mit „chronisch hohem Konsum“ mit den Daten einer Kontrollgruppe verglichen. Die Gruppe bestand aus 160 Jugendlichen, die im vergangenen Jahr nicht mehr als 30 Milligramm Koffein pro Woche zu sich genommen haben. Insbesondere Daten der Herzleistung wurden abgeglichen, also Herzrate und Herzrhythmus etwa.

Jugendliche mit hohem Konsum haben häufiger riskanten Lebensstil

Das zentrale Ergebnis: Bei Jugendlichen, die über mindestens ein Jahr hinweg regelmäßig eine hohe Menge an Energydrinks konsumiert haben, zeigen sich keine bleibenden Schäden am Herzen. Blutdruck, Herzrate, sowie Herzstruktur und -funktion unterscheiden sich nicht von Jugendlichen, die keinerlei Energydrinks oder nur wenig tranken. „Das Herzkreislaufsystem ist anpassungsfähig genug, negative Auswirkungen der Energydrinks aufzufangen“, sagt Weikert.  

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Allerdings zeigt die Studie auch, dass Jugendliche mit hohem Energydrink-Konsum häufiger einen riskanten Lebensstil führen. Die Wissenschaftler schreiben etwa: „Jugendliche, die große Mengen an Energydrinks trinken, rauchen im Vergleich zur Kontrollgruppe häufiger Tabak und Marihuana, trinken mehr Alkohol und schlafen weniger – sie zeigen damit vermehrt Verhaltensweisen, die die Herzgesundheit auf lange Sicht gefährden könnten.“  

Ob und wie sich ein längerfristiger hoher Konsum gegebenenfalls in späteren Jahren auf die Gesundheit auswirken könnte, ist allerdings noch unklar. Potenziell gefährdet sind nach Ansicht der Forschenden vor allem Menschen mit Vorerkrankungen oder mit zusätzlichen Risikofaktoren.