Die Fleischproduktion ist einer der größten Klimatreiber unserer Zeit – das ist seit Jahren bekannt. Doch wie sehr das Steak auf unserem Teller das Klima tatsächlich belastet, hängt erstaunlich stark davon ab, wo es produziert und wo es gegessen wird. Eine neue Studie der University of Minnesota zeigt nun erstmals im Detail, wie unterschiedlich die CO2-Bilanz des amerikanischen Fleischkonsums ausfallen kann – von Stadt zu Stadt, von Bundesstaat zu Bundesstaat.

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Die Ergebnisse, die im Fachmagazin „Nature Climate Change“ veröffentlicht wurden, offenbaren ein bislang unterschätztes Ausmaß der Emissionen: Der jährliche Fleischkonsum in den Städten der USA verursacht rund 329 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalente. Das entspricht etwa der Hälfte der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen im Jahr 2024 (649 Millionen Tonnen laut dem Umweltbundesamt) – und übertrifft sogar den jährlichen CO2-Ausstoß von Großbritannien (305 Millionen Tonnen) oder Italien (313 Millionen Tonnen).

CO2-Bilanz der Fleischproduktion: Ein nationales Netzwerk aus Emissionen

Um diese Zahl zu ermitteln, haben die Forschenden um Benjamin Goldstein von der University of Michigan und Rylie Pelton von der University of Minnesota acht Jahre lang die US-Fleischwirtschaft kartiert. Sie verfolgten Lieferketten über Tausende Kilometer hinweg – vom Maisfeld im Mittleren Westen über Mastbetriebe bis zu den Kühlhäusern in den Städten. „Es gibt keinen einheitlichen Emissionswert für das Fleisch, das wir konsumieren“, sagt Pelton in einer Mitteilung zur Studie. Der Grund: Jede Region, jede Lieferkette, jedes Tier hinterlässt einen anderen CO2-Fußabdruck.

Laut den Forschenden konsumieren US-Städte zusammen jedes Jahr mehr als elf Millionen Tonnen Fleisch – davon 4,6 Millionen Tonnen Geflügel, 3,7 Millionen Tonnen Rind und 2,7 Millionen Tonnen Schwein. In den drei größten Metropolen, New York City, Los Angeles und Chicago, beläuft sich der Verbrauch auf 3,2 Millionen Tonnen. Die meisten dieser Produkte stammen aus ländlichen Regionen, die Hunderte bis Tausende Kilometer entfernt liegen – und in klassischen CO2-Bilanzen oft gar nicht auftauchen.

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Klimafolgen des Fleischkonsums: Der „CO2-Hufabdruck“ Amerikas

Für ihre Berechnungen entwickelten die Wissenschaftler ein hochauflösendes Modell, das jede US-Stadt mit den jeweiligen ländlichen Regionen verknüpft, aus denen ihr Fleisch stammt. Diese Methode ermöglichte es, den CO2-Fußabdruck des Fleischkonsums für mehr als 3000 US-Städte und Landkreise zu bestimmen.

Das Team spricht vom „CO2-Hufabdruck“ – ein bewusst gewähltes Wortspiel, das verdeutlichen soll, wie eng Viehhaltung und Klima miteinander verbunden sind. Der Begriff fasst sämtliche Emissionen zusammen, die entlang der Lieferkette entstehen: also durch Futteranbau, Tierhaltung, Verarbeitung und Transport. Im Durchschnitt liegt dieser Hufabdruck bei etwas über 1000 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Kopf und Jahr. Doch die Unterschiede sind erheblich: Während Bewohner der Stadt Houghton (Michigan) im Schnitt rund 500 Kilogramm verursachen, sind es in Richmond (Missouri) 1731 Kilogramm.

US-Karte mit Pro-Kopf-Hufabdruck
Die Karte zeigt, wie unterschiedlich die Klimabilanz des Fleischkonsums in den USA ausfällt – je nach Herkunft, Lieferkette und Region.© Gounaridis, D. et al. / Springer Nature | Gounaridis, D. et al. / Springer Nature

Laut der Studie hängt der Unterschied nicht primär von der Menge des konsumierten Fleischs ab, sondern von der Struktur der Lieferketten: von der Art der Futtermittel, der Herkunft des Viehs, der Energieversorgung der Betriebe – und den oft enormen Transportwegen zwischen Erzeugung und Konsum.

Fleischproduktion in den USA: Tausende Kilometer bis zum Teller

Die Forscher zeigen anschaulich, wie komplex diese Netzwerke sind. Los Angeles etwa bezieht sein Rindfleisch aus zehn Landkreisen, die wiederum auf Vieh aus 469 weiteren Countys angewiesen sind. Diese Tiere wiederum werden mit Getreide aus 828 Landkreisen gefüttert Jede dieser Stationen erzeugt eigene Emissionen – durch Düngemittel, Landnutzung, Energieverbrauch oder Transport. 

Rindfleisch, so heißt es in der Studie, sei die „emissionsintensivste Komponente“ des amerikanischen Fleischkonsums, nicht nur wegen der Methanausgasung der Tiere, sondern auch wegen der langen Ketten zwischen Futteranbau, Mast und Verarbeitung. Im Schnitt macht Rindfleisch rund 73 Prozent des gesamten CO2-Hufabdrucks aus. Schweinefleisch dagegen stammt überwiegend aus Iowa, Illinois, Minnesota und Missouri, wo sich die Produktion auf wenige, hochindustrielle Regionen konzentriert. Es trägt mit etwa 16 Prozent deutlich weniger zum Hufabdruck bei. Hühnerfleisch verursacht mit rund 11 Prozent die geringste Klimabelastung.

Doch auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. In einigen Städten ist Huhn klimaschädlicher als Schwein – etwa in Monte Vista, Colorado –, während andernorts Schwein schwerer wiegt als Rind, zum Beispiel in Calexico, Kalifornien. Solche Ausreißer entstehen, wenn besonders emissionsarmes Rindfleisch – etwa von ausgemusterten Milchkühen – auf Regionen trifft, in denen Schweinehaltung mit hohem Energieeinsatz oder offenen Güllelagerstätten betrieben wird, heißt es in der Studie.

Fleischkonsum und Klima: Wie sich Emissionen halbieren ließen

Die Studie ist nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern auch eine Handlungsanleitung. Mit den erhobenen Daten simulierten die Forschenden auch verschiedene Szenarien, um zu berechnen, wie sich Emissionen in der Fleischproduktion reduzieren ließen. Demnach könnte die Hälfte der CO2-Emissionen eingespart werden, wenn drei Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt würden:

  • Lebensmittelverschwendung halbieren,
  • die Hälfte des Rindfleischs durch Hühnerfleisch ersetzen,
  • ein fleischfreier Tag pro Woche in der gesamten Bevölkerung.

Diese Maßnahmen greifen, wie die Autoren betonen, auf unterschiedlichen Ebenen: Konsumverhalten, Ernährungspolitik und strukturelle Veränderungen in der Produktion. Doch die Verantwortung liege nicht allein bei den Verbrauchern. „Durch die Identifizierung von Emissions-Hotspots in den Fleischversorgungsketten liefert unsere Forschung den Städten das Wissen, um gezielte Lösungen umzusetzen“, schreiben Goldstein und Pelton in der Veröffentlichung.

Städte könnten etwa regionale Lieferketten fördern, um Transportwege zu verkürzen, oder über ihre öffentlichen Kantinen und Beschaffungsrichtlinien klimafreundlichere Ernährungsweisen fördern. Auch strengere Auflagen für Tierhaltung und Futtermittelproduktion in den Hochburgen der Fleischindustrie könnten langfristig Emissionen verringern.