• Eine halbgare Bratwurst kann die Weihnachtsstimmung schnell trüben
  • Ein Lebensmittelchemiker klärt auf, worauf auf Weihnachtsmärkten zu achten ist
  • Denn bei der Hygiene kommt es auf ein besonderes Detail an

Was kann schöner sein als ein Bummel auf dem Weihnachtsmarkt? Es duftet nach Bratwurst und Glühwein. Doch dort, wo sich die Massen drängen und sich Leckereien gönnen, können auch reichlich Keime lauern, die zu Infektionen wie Magen-Darm-Beschwerden führen können. Um das zu vermeiden, ist Hygiene so wichtig, sagt Andreas Träger, Lebensmittelchemiker der Stadt Düsseldorf. Hier erklärt der Experte, worauf die Weihnachtsmarktbesucher achten sollten.

Schon beim Gedanken an eine Bratwurst läuft vielen das Wasser im Mund zusammen. Aber dann kommt manchmal doch ein komisches Gefühl auf, wenn die Bratwurst labberig schmeckt. Und schon plagen einen die Gedanken, ob sich da nicht die Keime tummeln?

Andreas Träger: Ganz wichtig ist das eigene Gefühl. Wenn einem irgendetwas komisch vorkommt, sollte man sofort nachfragen. Denn wichtig ist, dass die Wurst durchgegart ist. Wenn man also glaubt, das fühlt sich falsch an, dann sollte man darum bitten, dass die Wurst nochmal nachgebraten wird. Das sollte bei 65 Grad geschehen, am besten bei 80 Grad, da sind dann alle Keime getötet

Essen auf dem Weihnachtsmarkt: Darauf sollten Besucher achten

Und wie es ist bei der beliebten Champignon-Pfanne?

Träger: Da gilt im Grunde dasselbe wie bei der Bratwurst. Es muss einmal durchgegart sein. Wer auch hier am Geschmack merkt, dass da etwas nicht stimmt, sollte sich an die Betreiber wenden, damit es dann noch mal durchgegart wird.

Man sieht ja auch vermehrt Sushi-Stände.

Träger: Ja, da es sich hier um rohe Produkte handelt, fehlt natürlich der Durchgarprozess. Grundsätzlich habe ich da aber keine Bedenken, weil es sich meist um professionelle Anbieter handelt. Ich würde nicht abraten, aber man sollte auch hier genau hingucken und die Herstellungsbedingungen kritisch betrachten.

Ein junger Mann gönnt sich auf dem Weihnachtsmarkt eine riesige Bratwurst im Brötchen.
Wenn die Bratwurst nicht richtig durch erscheint, sollte man kein Risiko eingehen. (Symbolbild)© iStock | domoyega

Das heißt, der eigene Blick oder der Geschmack kann ein Warnsignal sein?

Träger: Unbedingt. Das hat man fast schon ein bisschen verlernt, auf seine eigenen Warnsignale zu achten. Und wenn man spürt, dass da möglichweise am Stand nicht richtig reagiert wird, kann man auch uns informieren. Das wird auch getan.

Was kann man denn beim Glühwein falsch machen?

Träger: Man kann ihn zu sehr erhitzen. Das ist zwar nicht gefährlich, aber es fehlt ja dann der „wertgebende Bestandteil“, wie wir es nennen. Es schmeckt dann abweichend. Aber heutzutage wird der Glühwein ja nur noch selten in einem Topf erhitzt. Es haben sich diese Zapfanlagen mit Durchlauferhitzer durchgesetzt, damit kann die notwendige Temperatur eingehalten werden.

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Weihnachtsmarkt-Hygiene: Deshalb sind Einmalhandschuhe ein Warnzeichen

Wie sieht es beim Thema Geschirr aus, zum Beispiel bei den Tassen?

Träger: Das ist vor allem dann ein Problem, wenn die Tassen oder Becher von Hand gewaschen werden. Heutzutage allerdings haben sich Spülmaschinen durchgesetzt. Bei dem starken Trocknungsprozess zum Ende kommt es zu einer starken Erhitzung, damit können dann Keime wie Bakterien oder Viren abgetötet werden.

Es kommt also auf eine gründliche Reinigung an. Da kommen dann ja auch die Arbeitsplatten ins Spiel, wo sich ja Keime tummeln können.

Träger: Auf dem Weihnachtsmarkt wird ja wirklich extrem viel gehandelt. Da müssen die Arbeitsplatten immer wieder gründlich gereinigt werden. Aber das wird auch gemacht. Denn das Gute ist ja: Eine unsaubere Arbeitsfläche ist für die Kunden sichtbar. Zudem kommt hinzu, dass die meisten Lebensmittel bereits vorbereitet sind und das dann nicht erst auf den Arbeitsplatten geschieht.

Um eine bessere Hygiene zu gewährleisten, tragen ja Servicekräfte gerne Einmalhandschuhe.

Träger: Da ist unsere Meinung ganz klar: Keine Handschuhe tragen, sondern mit bloßen Händen arbeiten. Das hat einen ganz einfachen Grund. Wenn man etwas mit bloßen Händen angefasst hat, merkt man schnell, dass man sich mal schleunigst die Hände waschen sollte.

Dieser Gedanke fällt aber bei Handschuhen weg. Man arbeitet und arbeitet. Ohne Handschuhe hätte man sich die Hände längst gewaschen. Deshalb ist ein Waschbecken am Stand übrigens vorgeschrieben. Insgesamt gilt, dass man Lebensmittel nie direkt anfassen sollte, sondern nur mit Werkzeugen wie Zangen oder so etwas in der Art.

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Wie sieht es denn aus, wenn sich Leute ihr eigene Tasse oder Becher mitbringen?

Träger: Das ist rechtlich zulässig. Wichtig ist, dass die dann nicht den Stand berühren, aber die Tassen werden ja meist so hingereicht und nicht abgestellt.

Worauf achten Sie denn, wenn Sie auf den Weihnachtsmarkt gehen?

Träger: Ich gucke mir den Stand genau an, werfe mal einen genauen Blick in das Büdchen. Ist ein Handwaschbecken vorhanden? Gibt es eine Spülmaschine? Der eigene Blick ist, wie gesagt, außerordentlich wichtig.