Kennen Sie das auch, dass manche Leute bei ADHS die Augen verdrehen? „Hat ja wohl mittlerweile jeder“, wird dann gerne nachgeschoben. Nun: Jeder hat es nicht, aber es werden immer mehr. Laut einer Untersuchung erhalten heute deutlich mehr Erwachsene in Deutschland eine Erstdiagnose für Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) als noch vor zehn Jahren. Die Zahl pro 10.000 gesetzliche Krankenversicherte ist von 2015 bis 2024 um 199 Prozent gestiegen – von rund 8,6 auf 25,7, wie eine Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zeigt.

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199 Prozent! Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die meinen, dass die Diagnosen viel zu schnell gestellt würden. So ist es eben: Psychische Störungen werden gern bagatellisiert, obwohl sie mit hohem Leidensdruck einhergehen.
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Das Gute ist, Betroffene gehen zum Beispiel in Selbsthilfegruppen offen mit der psychischen Störung um. Meist sind sie froh, endlich eine Diagnose zu haben. Zu wissen, dass es nicht ihre Unzulänglichkeit ist, die sie oft im Alltag scheitern lässt. Ja, dass es zu mehr Diagnosen kommt, hat mit Sensibilisierung zu tun, aber das ist kein Grund, darüber zu lästern.

Im Gegenteil: Die Krankheit ist sichtbarer geworden, endlich raus aus der Tabuzone. Lange wurde ADHS im Erwachsenenalter unterschätzt. Das ändert sich und lenkt den Blick darauf, dass es sich gut therapieren lässt.
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Allerdings gibt es ein Manko: Denn auch, wenn Medikamente zur Verfügung stehen, fehlen vielfach Therapeuten und Therapieplätze. Und da weiß man ja, wie schwer es ist, einen Termin zu bekommen. Bis dahin kann es vielleicht schon helfen, wenn psychische Störungen auf mehr Verständnis stoßen.








