Schmerzende, geschwollene Gelenke, Morgensteifigkeit, Müdigkeit wie bei einer Grippe: Rheumatoide Arthritis ist weit mehr als „nur“ Gelenkverschleiß. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem die Gelenke angreift und chronische Entzündungen auslöst. Weltweit sind mehr als 18 Millionen Menschen betroffen.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Unbehandelt kann die Erkrankung Gelenke dauerhaft schädigen. Doch selbst mit moderner Therapie bleibt sie für viele Betroffene mit erheblichen Einschränkungen im Alltag verbunden. Tätigkeiten wie Kochen, Anziehen oder die Betreuung von Kindern können in fortgeschrittenen Stadien zur Herausforderung werden.
Bislang begann die Behandlung meist erst dann, wenn die typischen Symptome bereits da waren. Neue Forschungsergebnisse legen jedoch nahe: Rheumatoide Arthritis kündigt sich Jahre vorher im Körper an – und könnte in Zukunft womöglich sogar aufgehalten werden, bevor sie richtig ausbricht.
Auch interessant
Die Krankheit zeigt sich im Blut, lange bevor Gelenke anschwellen
Heute stellen Ärztinnen und Ärzte die Diagnose überwiegend, wenn geschwollene Gelenke sichtbar sind. Bluttests können die Diagnose stützen. Besonders häufig finden sich zwei sogenannte Autoantikörper: der Rheumafaktor und Antikörper gegen zyklisch citrullinierte Peptide (anti-CCP). Bis zu 80 Prozent der Erkrankten weisen diese Marker auf.
Inzwischen ist jedoch gut belegt, dass es eine „präklinische Phase“ gibt. Sie beginnt drei bis fünf Jahre oder noch länger, bevor Gelenke sichtbar entzündet sind. In dieser Zeit lassen sich die Autoantikörper bereits im Blut nachweisen, obwohl Betroffene sich oft noch gesund fühlen und keine geschwollenen Gelenke haben.
Auch interessant
Neben diesen Blutmarkern können auch Symptome wie eine ungewöhnlich lange Morgensteifigkeit Hinweise darauf geben, dass sich eine rheumatoide Arthritis anbahnt.
Forscher arbeiten daran, diese frühe Phase ähnlich systematisch zu erfassen, wie heute das Herzinfarktrisiko über Cholesterinwerte eingeschätzt wird.
Erste Versuche, den Ausbruch zu verhindern
Weil sich Risikopersonen heute besser identifizieren lassen, testen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits, ob sich der Krankheitsausbruch verzögern oder sogar verhindern lässt.
In Studien wurden Menschen eingeschlossen, die anti-CCP-Antikörper im Blut hatten oder bei denen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie bereits eine nicht sichtbare Gelenkentzündung zeigten. Sie erhielten für begrenzte Zeit Medikamente, die auch bei bestehender rheumatoider Arthritis eingesetzt werden – etwa Methotrexat, Hydroxychloroquin oder Rituximab.
Die Idee dahinter: Das Immunsystem frühzeitig „neu einstellen“, bevor die Entzündung die Gelenke dauerhaft angreift. Zwar gibt es noch kein zugelassenes Medikament zur Vorbeugung, doch die bisherigen Studien machen Hoffnung, dass Dosierung und Dauer einer solchen Behandlung künftig gezielt eingesetzt werden könnten.
Auch interessant
Wo die Erkrankung möglicherweise beginnt
Um Prävention zu ermöglichen, müssen Forscher besser verstehen, was in der präklinischen Phase im Körper passiert. Dabei rückt eine neue Theorie in den Mittelpunkt: die sogenannte Schleimhaut-Ursprungs-Hypothese.
Sie besagt, dass die Autoimmunreaktion möglicherweise nicht in den Gelenken startet, sondern an Schleimhäuten – etwa im Zahnfleisch, in der Lunge oder im Darm. Erst später greift die Entzündung auf die Gelenke über.
Das könnte erklären, warum Parodontitis, bestimmte Lungenerkrankungen oder die Belastung durch Tabakrauch als Risikofaktoren für rheumatoide Arthritis gelten. Auch bestimmte Bakterien werden mit der Erkrankung in Verbindung gebracht.
Künftige Studien könnten daher gezielt an diesen Schleimhäuten ansetzen, um den Krankheitsprozess früh zu beeinflussen.
Vorhersage bleibt schwierig
Trotz der vielversprechenden Marker bleibt eine Herausforderung: Nicht jeder Mensch mit anti-CCP-Antikörpern entwickelt tatsächlich eine rheumatoide Arthritis.
Studien zeigen, dass etwa 20 bis 30 Prozent der Betroffenen mit diesen Antikörpern innerhalb von zwei bis fünf Jahren erkranken. Treffen mehrere Risikofaktoren zusammen, kann das Risiko jedoch auf über 50 Prozent innerhalb eines Jahres steigen.
Lesen Sie auch
Um diese Einschätzung zu verbessern, wurden in Großbritannien Punktesysteme entwickelt, die verschiedene Marker und Symptome kombinieren. In einer Studie mit 455 Personen mit muskuloskelettalen Beschwerden und positiven Antikörpertests entwickelte rund ein Drittel eine entzündliche Arthritis. Mithilfe eines umfassenden Scores ließ sich eine Hochrisikogruppe identifizieren, von der 40 Prozent innerhalb eines Jahres und 71 Prozent innerhalb von fünf Jahren erkrankten.
Solche Instrumente könnten künftig helfen, gezielt jene Menschen zu erkennen, die von präventiven Maßnahmen profitieren würden.










