„Typ 1 klingt für mich wie eine Produktnummer.“ So Stephan Seiler, Journalist und Host des FUNKE-Podcasts „Candy Diaries“.
Ein Satz, der hängen bleibt. Denn tatsächlich: Eine Zahl erklärt wenig. Sie erzählt nichts über Autoimmunprozesse, nichts über tägliche Entscheidungen, nichts über die mentale Dauerbelastung. Und doch steht sie für eine lebenslange Diagnose.

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Die Bezeichnung „Diabetes mellitus“ stammt aus der Antike. „Diabetes“ bedeutet so viel wie „hindurchfließen“, „mellitus“ heißt „honigsüß“. Von Autoimmunreaktionen wusste man damals nichts. Auch spätere Begriffe wie „Juveniler Diabetes“ oder „insulinpflichtiger Diabetes“ verschwanden wieder. Übrig blieb: Typ 1.

Diabetes Typ 1: Nein, es hat nichts mit zu viel Zucker zu tun

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Doch genau diese Nummer führt bis heute zu Missverständnissen. Viele Menschen verbinden mit „Diabetes“ vor allem Typ 2 – oft begleitet von Vorurteilen. Wer Typ 1 hat, muss deshalb immer wieder erklären: Nein, es kommt nicht von zu viel Zucker. Nein, weniger Süßigkeiten lösen das Problem nicht. Ja, es ist eine Autoimmunerkrankung. – so Host Stephan Seiler im Podcast. Und diese Erklärarbeit kostet Kraft.

Betroffen von Diabetes Typ 1: Die Erkrankung ist ein Dauerjob

Kraft, die im Alltag ohnehin knapp ist. Studien zeigen, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes täglich rund 200 zusätzliche Entscheidungen treffen: Essen oder warten? Korrigieren oder nicht? Sport jetzt – oder lieber später? Jede Mahlzeit, jede Bewegung, jeder Infekt verlangt Aufmerksamkeit. Das ist kein „Zahlencode“, das ist ein Dauerjob.

Deshalb wächst in der Community der Wunsch nach einem präziseren Namen. Einer, der verständlich macht, worum es wirklich geht. Dazu sprechen Stephan und seine Co-Host Laura Karasek mit Betroffenen und holen sich ihre Meinungen ein. Zu hören sind die Antworten im Podcast „Candy Diaries“:

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#13 Typ-1-Diabetes braucht einen neuen Namen
Candy Diaries – Der Diabetes-Podcast
 

Vorschläge gibt es viele:

  • „Insulin-Unterfunktion“ – sachlich und klar.
  • „Glukoseintoleranz“ – beschreibend, wenn auch für manche zu harmlos klingend.
  • „API – Autoimmune Pancreas Insufficiency“ – modern, medizinisch korrekt, mit klarer Betonung der Autoimmunursache.
  • „Känguru-Zucker“ für das ständige Auf und Ab.
  • „Endokritis“ oder „Panky Manky“.

Die kreativeren Vorschläge am Ende zeigen vor allem eines: die Sehnsucht, nicht länger nur eine Nummer zu sein.

Blutzucker-Messung
Blutzucker-Messung© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn | Klaus-Dietmar Gabbert

Kritikerinnen und Kritiker einer Umbenennung argumentieren mit Solidarität. Schließlich teilen Menschen mit Typ 1 und Typ 2 viele Herausforderungen – politisch, gesellschaftlich, gesundheitlich. Doch Präzision und Zusammenhalt schließen sich nicht aus. Niemand würde unterschiedliche Autoimmunerkrankungen allein aus Solidarität unter einem Namen führen. Differenzierung bedeutet nicht Abgrenzung – sie schafft Verständnis.

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Ein neuer Name würde nicht heilen. Er würde keine Blutzuckerwerte verbessern. Aber er könnte helfen, Missverständnisse zu reduzieren. Er könnte Gespräche verkürzen. Und er könnte sichtbar machen, dass es sich um eine eigenständige Autoimmunerkrankung handelt – mit eigenen Bedürfnissen, Risiken und Anforderungen.

Sprache formt Wahrnehmung. Wahrnehmung beeinflusst Politik, Versorgung und gesellschaftliche Haltung. Vielleicht ist es also keine Kleinigkeit, wie wir etwas nennen. Vielleicht beginnt Sichtbarkeit genau dort.

Die Frage jedoch bleibt: Reicht eine Zahl – oder verdient Typ-1-Diabetes einen Namen, der mehr erklärt als „1“?