Die Lungenkrebs-Früherkennung ist da: Seit April können sich aktive und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher im Alter zwischen 50 und 75 Jahren alle zwölf Monate mittels Niedrigdosis-Computertomographie (NDCT) untersuchen lassen. Ziel der neuen Kassenleistung ist es, bei diesen besonders gefährdeten Personen Lungenkrebs früh zu erkennen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Lungenkrebs-Screening: Wer darf sich untersuchen lassen?
Am Screening teilnehmen können starke Raucher oder Ex-Raucher zwischen 50 und 75 Jahren. Sie müssen über eine Dauer von mindestens 25 Jahren stark geraucht haben und mindestens 15 sogenannte Packungsjahre aufweisen. Das Rauchen von 20 Zigaretten pro Tag über ein Jahr lang entspricht einem Packungsjahr. Im elften Jahr nach dem Rauchstopp erlischt der Anspruch. Expertinnen und Experten rechnen damit, dass in Deutschland aktuell etwa zwei Millionen Männer und Frauen anspruchsberechtigt sind.
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Wie läuft die Untersuchung ab?
Menschen kommen für eine NDCT sprichwörtlich in eine große Röhre. Das Gerät macht die entsprechenden Schichtaufnahmen der Lunge. Auf denen sind Tumore oder verdächtige Gewebeverdichtungen in der Regel gut zu erkennen. „Die Untersuchung dauert nur Minuten und ist nicht sehr aufwendig. Es wird dabei auch kein Kontrastmittel gegeben“, sagt Christian Taube, Direktor der Klinik für Pneumologie der Universitätsmedizin Essen-Ruhrlandklinik und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.
Lungenkrebs-Früherkennung: Screening kann Leben retten
Warum sollten Raucher oder Ex-Raucherinnen am Screening teilnehmen?
Jährlich erkranken in Deutschland laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung 57.000 Menschen an Lungenkrebs. 45.000 sterben. Rauchen gilt als Hauptrisikofaktor. Im frühen Stadium verursacht Lungenkrebs meist keine Beschwerden. Daher wird er oft erst spät diagnostiziert.

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„Lungenkrebs ist eine sehr häufig vorkommende, aggressive Tumorart. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen ist Lungenkrebs jene bösartige Erkrankung, an der sie am häufigsten versterben“, sagt Taube. Aktuell werde Lungenkrebs aber meist erst in weit fortgeschrittenen Stadien entdeckt. „Er ist dann meist nicht mehr heilbar“, so Taube. Eine Analyse des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat gezeigt: Für aktive und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher überwiegt der Nutzen des Screenings den möglichen Schaden.

Welche Nebenwirkungen/Risiken gibt es?
„Bei den Untersuchungen gibt es eine Strahlenbelastung. Und eine häufige Strahlenbelastung birgt auch ein gewisses Risiko für die Entwicklung von bösartigen Erkrankungen“, sagt Christian Taube. Die Modellrechnungen aber sagten aus: Weniger als drei von 1000 Frauen und etwa einer von 1000 Männern entwickeln aufgrund der Strahlenbelastung des Screenings eine bösartige Erkrankung. Dem stünden aber fünf von 1000 Frauen und sechs von 1000 Männern gegenüber, die durch das Screening vor dem Tod durch Lungenkrebs bewahrt werden könnten, so Taube. „Die Vorteile des Screenings stechen die möglichen Nachteile aus.“
Neben der Strahlenbelastung gibt es dem Experten zufolge einen weiteren Negativ-Effekt: „Dass man nach dem Screening Befunde hat, die sich für den Menschen als nicht schlimm erwiesen, die bei ihnen aber Unruhe und Anspannung ausgelöst haben. Und deswegen ist es auch wichtig, dass dieses Programm von geschulten Händen durchgeführt wird.“
Lungenkrebs-Früherkennung: Hausärzte können zum Screening weiterleiten
Wie komme ich an einen Termin?
Versicherte können sich an Internisten- oder Allgemeinmediziner wenden, die sich an der Lungenkrebs-Früherkennung beteiligen. Ärztin oder Arzt klärt den Anspruch ab, informiert und überweist dann an eine radiologische Praxis. „Am besten ist es zum jetzigen Zeitpunkt, erst mal mit seinem Hausarzt oder behandelnden Arzt zu sprechen“, sagt Christian Taube. Vielleicht habe sich dieser schon selbst für das Screening qualifiziert und könne die weiteren Schritte in die Wege leiten. „Oder er hat ein Netzwerk mit Kolleginnen und Kollegen, an die er sie weiterleiten kann“, so Taube weiter.
Endlich Schluss mit Rauchen
Kann ich mir jetzt einen Termin holen?
„Bis das neue Screening überall genutzt werden kann, ist noch etwas Geduld erforderlich“, erklärt Bernhard van Treeck, Vorsitzender des Unterausschusses Methodenbewertung beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Der G-BA ist das höchste Entscheidungsorgan der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland.
Grund für die Verzögerung: Die Genehmigungs- und Fortbildungsprogramme seien noch nicht abgeschlossen. Denn nicht nur die überweisenden Mediziner benötigen eine besondere Ausbildung und Zulassung, dies gilt auch für Radiologinnen und Radiologen.„Noch sind wir in dem Prozess, wo diese Zertifizierungen und Weiterbildungen erfolgen“, erklärt Christian Taube. In naher Zukunft sollen dann „hoffentlich viele niedergelassene Kolleginnen und Kollegen“ die Patienten in das Screening einschleusen.
Nur spezialisierte Radiologen dürfen Lungenkrebs-NDCT-Screenings machen
Wer macht die NDCT?
Die Früherkennung dürfen nur Fachärzte und Fachärztinnen für Radiologie durchführen, die eine Spezial-Fortbildung zur Lungenkrebsfrüherkennung absolviert und im Jahr vor dem Screening mindestens 200 CTs der Lunge durchgeführt haben. Im ersten Jahr müssen sie dann mindestens 100, im zweiten mindestens 200 Lungenkrebsfrüherkennungen mittels NDCT durchführen und die Aufnahmen mit Software-Unterstützung auswerten.
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Wie geht es danach weiter?
Kommt die Radiologin oder der Radiologe (Erstbefunder) zu dem Ergebnis, dass der Befund unauffällig ist, besteht ein erneuter Anspruch auf eine Niedrigdosis-CT zur Lungenkrebs-Früherkennung nach zwölf Monaten. Ist der Befund kontroll- oder abklärungsbedürftig, muss ein weiterer Radiologe, der an einem auf Lungenkrebs spezialisierten Zentrum tätig ist, die Aufnahmen ebenfalls beurteilen (Zweitbefunder). Erst- und Zweitbefunder müssen dann gemeinsam das weitere Vorgehen abklären.
Gibt es eine Auffälligkeit, die höchstwahrscheinlich gutartig ist, geben Erst- und Zweitbefunder eine gemeinsame Empfehlung für den Zeitpunkt der nächsten Untersuchung zur Lungenkrebs-Früherkennung. Wird bei der gemeinsamen Beurteilung eine Auffälligkeit gefunden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Lungenkrebs hinweist, werden sofort weitere Schritte eingeleitet. Die Behandlung soll dann an einem auf Lungenkrebs spezialisierten Zentrum erfolgen.











