Ritalin ist das am häufigsten verschriebene ADHS-Medikament für Kinder. Lange stand es unter Verdacht, das Risiko schwerer Psychosen zu erhöhen. Eine neue Studie schottischer und irischer Forscher widerlegt das nun. Demnach erhöht der Wirkstoff Methylphenidat nicht das Risiko, im Erwachsenenalter psychische Störungen zu entwickeln, sondern könnte sogar davor schützen. Die Studienergebnisse wurden im März in der Fachzeitschrift „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht.

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ADHS-Studie: Ritalin senkt Psychoserisiko bei früher Behandlung

Das Forscherteam der Universität Edinburgh und des University College Dublin analysierte Gesundheitsdaten von fast 700.000 in Finnland geborenen Personen, darunter etwa 4000 mit der Diagnose ADHS. Die Auswertung der Daten lieferte einen klaren Befund: Die Forscher fanden keine Hinweise darauf, dass die Behandlung mit Methylphenidat – dem Wirkstoff von Ritalin – das Risiko für eine Psychose erhöhte.

Young boy holds ADHD text written on sheet of paper
Eine Studie aus Schottland räumt mit einem hartnäckigen Vorwurf gegen Ritalin auf. © Getty Images | Professor25

Im Gegenteil: Die Forscher konnten sogar feststellen, dass das Medikament vor der späteren Entwicklung psychischer Störungen schützen könnte. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Behandlung mit Ritalin bereits in der Kindheit, vor dem 13. Lebensjahr, erfolge. Bei Betroffenen, die erst im Jugend- oder Erwachsenenalter mit der Behandlung begannen, war derselbe Nutzen nicht zu beobachten. Eine Erklärung für die potenzielle Wirkung liefert die Studie jedoch nicht.

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ADHS-Medikamente: Studie sieht kein erhöhtes Psychoserisiko

Hauptforscher Ian Kelleher, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universität Edinburgh, erklärte, eine zentrale Frage der Studie sei gewesen, ob ADHS-Medikamente das Psychoserisiko verursachten oder ob Korrelation schlicht nicht gleich Kausalität sei. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Medikamente selbst nicht die Ursache für dieses Risiko sind“, sagte er.

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Die Frage nach der Sicherheit von Stimulanzien in verschiedenen Lebensphasen sei dabei von besonderer Bedeutung, betonte auch Dr. Colm Holy, wissenschaftlicher Mitarbeiter am University College Dublin. Angesichts des rasanten Anstiegs der ADHS-Behandlungen bei Erwachsenen sei das Verständnis dieser Unterschiede dringend notwendig. „Wir können nicht davon ausgehen, dass die Wirkung von Stimulanzien in verschiedenen Lebensphasen gleich ist“, erklärte er.

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Weitere Forschung nötig

Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die Debatte über die langfristige Sicherheit von Stimulanzien – hat jedoch Grenzen. Die Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf Methylphenidat. Somit lassen sich Aussagen über andere Stimulanzien wie Amphetamine daraus nicht ableiten.

Auch für Erwachsene mit ADHS gelten die Ergebnisse nicht zwingend, betonten die Forscher. Weitere Studien seien nötig, um zu verstehen, wie sich diese Medikamente auf das Gehirn auswirken und welche Rolle die verschiedenen Entwicklungsstadien dabei spielen.