Ein Medikament gegen Bluthochdruck könnte sich überraschend als Waffe gegen resistente Krankenhauskeime erweisen. Das zeigt eine neue Studie von Forschern des Houston Methodist Research Institute im US-Bundesstaat Texas. Im Mittelpunkt steht der Wirkstoff Candesartan cilexetil – ein Mittel, das bislang vor allem zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzschwäche eingesetzt wird.

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Die Wissenschaftler untersuchten, ob der Wirkstoff auch gegen sogenannte MRSA-Bakterien helfen kann. MRSA steht für „Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus“. Diese Keime gelten als besonders problematisch, weil sie gegen viele Antibiotika unempfindlich geworden sind. Sie können schwere Haut-, Lungen- oder Blutinfektionen auslösen und gehören weltweit zu den größten Herausforderungen in der Medizin.

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Angriff auf die Schutzhülle der Bakterien

In Laborversuchen und Tiermodellen zeigte das Medikament eine bemerkenswerte Wirkung: Es griff die Zellmembran der Bakterien an – also die äußere Hülle, die für Stabilität und lebenswichtige Funktionen sorgt. Den Forschern zufolge heftet sich der Wirkstoff an Bestandteile der Membran, dringt in sie ein und beschädigt sie so stark, dass die Zellen schließlich absterben.

Mikroskopische Aufnahmen zeigten dabei regelrechte Löcher in der Bakterienhülle. Durch diese Öffnungen traten Zellbestandteile aus. Gleichzeitig veränderte der Wirkstoff wichtige Stoffwechselprozesse der Keime und beeinflusste Gene, die mit Zellwand und Membran zusammenhängen.

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Hoffnung im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen

Resistente Bakterien wie MRSA stellen weltweit ein wachsendes Gesundheitsproblem dar. Schätzungen zufolge waren antibiotikaresistente Erreger im Jahr 2019 direkt für mehr als 1,27 Millionen Todesfälle verantwortlich. Gleichzeitig kommen nur wenige neue Antibiotika auf den Markt.

Der Infektiologe Eleftherios Mylonakis, leitender Autor der Studie, sieht darin ein strukturelles Problem: Neue Antibiotika seien wirtschaftlich oft wenig attraktiv für Pharmaunternehmen. Zudem würden besonders wirksame Mittel aus Sorge vor neuen Resistenzen möglichst sparsam eingesetzt.

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Gerade deshalb gilt Candesartan cilexetil als interessant. Der Wirkstoff ist bereits zugelassen, vergleichsweise günstig und seit Jahren im klinischen Einsatz. Sollte sich die Wirkung gegen MRSA auch in Studien am Menschen bestätigen, könnte das die Entwicklung beschleunigen.

Kombination mit Antibiotika besonders wirksam

Die Forscher beobachteten außerdem, dass der Wirkstoff bestehende Antibiotika verstärken kann. In Kombination mit dem Antibiotikum Gentamicin erzielten sie bereits bei niedrigeren Dosierungen stärkere Effekte als mit den einzelnen Medikamenten allein.

Darüber hinaus zeigte sich, dass das Mittel auch gegen sogenannte persistente MRSA-Bakterien wirken könnte. Diese Keime können im Körper zeitweise in eine Art Ruhezustand wechseln und später erneut Infektionen verursachen.

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In Mausmodellen verringerte Candesartan cilexetil die Menge der Bakterien deutlich. Die Forscher arbeiten nun daran, chemisch ähnliche Verbindungen weiterzuentwickeln, die noch wirksamer sein und möglicherweise weniger Nebenwirkungen verursachen könnten.

Suche nach neuen Wirkstoffen begann mit Würmern

Die Entdeckung geht auf frühere Untersuchungen zurück, bei denen die Forscher mehr als 80.000 Substanzen testeten. Dafür nutzten sie ein spezielles Modell mit Fadenwürmern der Art Caenorhabditis elegans, die mit MRSA infiziert wurden. Ziel war es, Stoffe zu finden, die den Organismen helfen, die Infektion zu überleben.

Nur wenige Kandidaten erwiesen sich dabei als vielversprechend – darunter auch Candesartan cilexetil. Die Wissenschaftler hoffen nun, gemeinsam mit Pharma- oder Biotech-Unternehmen klinische Studien auf den Weg zu bringen.