Für die Erstellung des Versorgungsatlas führte das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (KI) eine Studie durch, in der das Auftreten chronischer Erkrankungen insbesondere bei Menschen ab einem Alter von 50 Jahren untersucht wurde. In dieser Altersgruppe zeigt sich häufig eine Multimorbidität, also das gleichzeitige Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen. Die Auswertung der Daten weist Sachsen-Anhalt als das am stärksten betroffene Bundesland aus. Ferner sind auch weitere ostdeutsche Bundesländer in erheblichem Maße betroffen.

Fünf Krankheiten gleichzeitig: Sachsen-Anhalt mit der Spitzenposition

Grundlage der Studie, über die die Apotheken Umschau berichtet, bildeten die Abrechnungsdaten gesetzlich Versicherter aus den Jahren 2015 bis 2024. Für die Analyse konzentrierten sich die Forschenden auf neunzehn häufig auftretende Gruppen chronischer Erkrankungen. Dazu zählten unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, Herzschwäche, Osteoporose, Depressionen, Angststörungen, Hörbeeinträchtigungen sowie starkes Übergewicht. Auf Basis dieser Daten wurde ermittelt, wie viele Menschen gleichzeitig an zwei, drei oder noch mehr chronischen Erkrankungen leiden.

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Die Auswertung weist Sachsen-Anhalt als das am stärksten betroffene Bundesland aus. Der Studie zufolge leiden dort 74 Prozent der Menschen ab 50 Jahren gleichzeitig an mindestens zwei Erkrankungen, während 31 Prozent sogar von fünf Erkrankungen zugleich betroffen sind. Im Bundesdurchschnitt liegen die entsprechenden Werte bei 65 Prozent für mindestens zwei Erkrankungen und bei 23 Prozent für fünf gleichzeitig bestehende Erkrankungen. Ebenso zeigte die Untersuchung, dass auch die Werte in Sachsen, Thüringen und Brandenburg über dem bundesweiten Durchschnitt liegen.

Was sind die Ursachen für die zahlreichen Erkrankungen?

Für die hohe Zahl chronischer Erkrankungen werden unterschiedliche Ursachen diskutiert. Sebastian Klüsener vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung verweist in der Apotheken Umschau insbesondere auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche nach dem Ende der DDR. Viele Menschen verloren infolge des politischen Wandels ihre Arbeitsplätze und waren über längere Zeit von Arbeitslosigkeit betroffen. Diese Entwicklungen wirkten sich nach Einschätzung des Forschers negativ auf die gesundheitliche Situation in den ostdeutschen Bundesländern aus. Vorwiegend stressassoziierte Erkrankungen treten dort vergleichsweise häufig auf.

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Überdies spielt die demografische Struktur der Bevölkerung eine wesentliche Rolle. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, gleichzeitig an mehreren Erkrankungen zu leiden, deutlich an. Vor diesem Hintergrund ist von Bedeutung, dass Sachsen-Anhalt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die älteste Bevölkerung Deutschlands aufweist.

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Auch die Bevölkerungsentwicklung beeinflusst die gesundheitliche Situation erheblich. Vor allem jüngere und gesündere Menschen verlassen Regionen mit eingeschränkter Infrastruktur und begrenzten beruflichen Perspektiven, während ältere Menschen häufiger in ihren Heimatorten verbleiben. Sachsen-Anhalt war in den vergangenen Jahren besonders stark von Abwanderung betroffen, wobei insbesondere jüngere Bevölkerungsgruppen andere Regionen als Lebens- und Arbeitsort gewählt haben.

Diese Entwicklungen wirken sich zugleich auf die medizinische Versorgung aus. Eine sinkende Zahl an Arztpraxen erschwert eine flächendeckende gesundheitliche Betreuung der Bevölkerung. Lange Anfahrtswege führen zudem dazu, dass Erkrankungen oftmals erst spät diagnostiziert und behandelt werden. Dadurch erhöht sich das Risiko, dass gesundheitliche Beschwerden chronisch verlaufen und sich langfristig verfestigen.

Besserung in Sicht: Landarztquote und Telemedizin

Als mögliche Ansätze zur Verbesserung der Situation gelten unter anderem die Landarztquote sowie der Ausbau telemedizinischer Angebote. Insbesondere in ländlichen Regionen könnten diese Maßnahmen zu einer besseren und wohnortnäheren medizinischen Versorgung beitragen.