Im Wettlauf der KI-Entwickler setzt Google auf eigene Stärken wie die führende Web-Suchmaschine. So will der Internet-Riese Nutzer noch stärker über die Suche in seine Dienste mit Künstlicher Intelligenz reinholen. Viele der leistungsstärkeren neuen Fähigkeiten der Google-KI Gemini kommen hinter eine Bezahlschranke und sind zunächst hauptsächlich in den USA verfügbar.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Google-Suche sei nun durch und durch eine KI-Suche, verkündete die zuständige Managerin Liz Reid auf der Entwicklerkonferenz Google I/O. Neben Zusammenfassungen soll die Suchmaschine künftig zum Beispiel bei komplexen Themen auch Erklärgrafiken generieren oder einen Fitness-Plan erstellen können. Idealerweise finde sie für jede Anfrage das passende individuelle Format, sagte Google-Manager Robby Stein. 

Damit positioniert sich Google offensiv für die nächste digitale Entwicklungsstufe. Gleichzeitig wächst jedoch die Skepsis bei Webseitenbetreibern, deren eigene Inhalte, Dienste und Angebote durch die immer mächtigeren KI-Funktionen zunehmend in den Hintergrund geraten könnten.

Die Google-Suche wird deutlich smarter für das KI-Zeitalter

Die Suche, deren Grundprinzip sich in den vergangenen Jahren kaum verändert hat, erhält bei Google eine umfassende Neuerung. Die Suchmaske, die zunächst in der App und später auch im Browser eingeführt wird, zeigt sich deutlich flexibler und passt sich dynamisch an die Länge der Eingabe an. Neben klassischen Texteingaben können künftig auch Bilder, Dateien oder Videos eingebunden werden. Wie der Internetkonzern auf der Entwicklerkonferenz Google I/O erklärte, soll die Suche zudem durch KI gestützte Vorschläge erweitert werden, die weit über die bisherigen Funktionen von Google-Suggest hinausreichen.

244005_1482_244005_cover.jpg
Von SEO zu GEO: So rettest du deine Sichtbarkeit in der KI-Suche
KI Köpfe
 

Auch im kommerziellen Bereich baut Google die Suchfunktionen deutlich aus. Bei der Suche nach Hotels oder Campingplätzen erscheinen zusätzliche Filteroptionen, wie sie bislang vor allem auf Buchungsplattformen zu finden waren. Nutzer können Suchanfragen künftig mit einem Klick um Kriterien wie „am Meer“, „jetzt geöffnet“ oder „Top Bewertungen“ ergänzen und so schneller passende Ergebnisse finden.

Wohnungssuche und Einkaufen mit KI-Agent: Gemini Spark

Auch bei Google Gemini kündigt der Konzern weitreichende Verbesserungen an. Vor allem durch Gemini Spark soll der Alltag der Nutzer deutlich komfortabler werden. Der KI-Agent kann Aufgaben eigenständig im Hintergrund erledigen und aufwendige Recherchen zeitsparend übernehmen. So lässt sich Spark etwa für die Wohnungssuche einsetzen: Werden Ort und gewünschte Kriterien hinterlegt, informiert das System automatisch, sobald ein passendes Angebot online erscheint.

Fast revolutionär wirkt zudem der angekündigte „intelligente“ digitale Einkaufskorb. Dieser funktioniert über verschiedene Händler und Dienste hinweg und richtet sich konsequent nach den Wünschen des Nutzers. Die KI sucht dauerhaft nach den günstigsten Angeboten und reagiert sogar auf ausverkaufte Produkte, indem der Warenkorb automatisch ergänzt wird, sobald die Artikel wieder verfügbar sind. Darüber hinaus prüft das System bei Technikprodukten wie Computerkomponenten auch die Kompatibilität einzelner Teile und soll so Fehlkäufe verhindern.

Wer den Einkauf vollständig automatisieren möchte, kann die KI sogar eigenständig Bestellungen ausführen und bezahlen lassen. Dafür müssen lediglich Produkt, Marke, Größe und ein gewünschter Preisrahmen vorgegeben werden.

Videos werden mit Gemini Omni noch realistischer

Mit Gemini Omni präsentiert Google einen KI-Generator, der die Erstellung digitaler Inhalte verändern könnte. Künftig lassen sich Videos mithilfe künstlicher Intelligenz verfremden und neue Szenen erschaffen. Dabei berücksichtigt das System physikalische Gesetzmäßigkeiten wie Schwerkraft oder Fluiddynamik, um Bewegungen und Abläufe realistischer wirken zu lassen. Als Grundlage für neue Inhalte können Texte, Bilder, Videos oder Audioaufnahmen dienen. Darüber hinaus erlaubt Gemini Omni auch die nachträgliche Bearbeitung eigener Aufnahmen. Nutzer können Perspektiven in Videos verändern oder störende Elemente gezielt entfernen.

Die Brillen haben Kameras und Lautsprecher für die Kommunikation mit Googles KI-Software Gemini.
Die Brillen haben Kameras und Lautsprecher für die Kommunikation mit Googles KI-Software Gemini.© dpa | Andrej Sokolow

Gleichzeitig will Google verhindern, dass künstlich erzeugte Inhalte unbemerkt als echt wahrgenommen werden. Deshalb sollen mit Gemini Omni bearbeitete Videos künftig eindeutig gekennzeichnet werden. Jedes KI generierte Video erhält das unsichtbare digitale Wasserzeichen SynthID, mit dem Google Dienste manipulierte oder vollständig künstlich erstellte Inhalte erkennen können.

Webseitenbetreiber und Shops geraten unter Druck

So gewinnbringend die neuen KI-Funktionen für Nutzer auch sein mögen, wächst zugleich die Kritik an Googles zunehmender Integration künstlicher Intelligenz. Vor allem Webseitenbetreiber und Online-Shops verlieren immer stärker die Kontrolle über das Einkaufserlebnis und die Verbreitung ihrer Inhalte. Bereits die Einführung der AI Overviews in den Suchergebnissen hat vielerorts zu einem deutlichen Rückgang der Klickzahlen geführt.

Mit automatisierten Einkaufsprozessen im Hintergrund könnte sich diese Entwicklung weiter verschärfen. Entscheidungen werden zunehmend direkt von KI-Systemen getroffen, während Händler und Webseiten kaum noch nachvollziehen können, wie Nutzer zu Produkten oder Informationen gelangen. Gleichzeitig wird es für Shops technisch immer schwieriger, diese Prozesse sinnvoll für das eigene Geschäft zu nutzen.