Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiterhin nicht unter Kontrolle. Nach Angaben von WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus gibt es inzwischen fast 750 Verdachtsfälle und 177 mutmaßliche Todesfälle. Bestätigt seien bislang 82 Erkrankungen und sieben Todesfälle.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Umso dringlicher wird die Frage, ob ein Impfstoff helfen kann, den Ausbruch einzudämmen. In Oxford arbeiten Forscherinnen und Forscher an einem Kandidaten gegen jene seltene Ebola-Variante, die derzeit in Zentralafrika Sorge auslöst. Nach Angaben der „BBC“ nutzen sie dafür eine Technologie, die bereits während der Corona-Pandemie zum Einsatz kam. Wenn die nächsten Schritte gelingen, könnten erste Dosen schon in zwei bis drei Monaten für klinische Studien bereitstehen.

Lesen Sie auch

Seltene Ebola-Variante Bundibugyo: Warum der Ausbruch so gefährlich ist

Ebola ist nicht ein einzelnes Virus, sondern eine Gruppe verwandter Viren. Sechs Arten sind bekannt, doch nur einige davon verursachen größere Ausbrüche beim Menschen. Die berüchtigtste ist die Zaire-Variante. Gegen sie gibt es bereits einen wirksamen Impfstoff.

Der aktuelle Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda geht jedoch auf eine andere Variante zurück: Bundibugyo. Für sie existiert bislang kein nachgewiesen wirksames Vakzin. Der Erreger ist seltener, weniger erforscht und deshalb medizinisch schwerer zu fassen. Größere Ausbrüche verursachte Bundibugyo bisher nur zweimal: 2007 in Uganda und 2012 in der Demokratischen Republik Kongo. Danach verschwand die Variante für mehr als ein Jahrzehnt weitgehend aus dem Blick der Öffentlichkeit. Nun ist sie zurück – und macht deutlich, wie groß die Lücke beim Schutz gegen Bundibugyo weiterhin ist.

Auch interessant

Ebola-Impfstoff aus Oxford: Was die ChAdOx1-Technologie leisten soll

In Oxford arbeiten Forscher derzeit daran, diese Lücke zu schließen. Nach Angaben der „BBC“ greifen sie dafür auf eine Technologie zurück, die während der Corona-Pandemie weltweit bekannt wurde. Der Impfstoffkandidat basiert auf der ChAdOx1-Plattform, die bereits beim Covid-Impfstoff der Universität Oxford zum Einsatz kam. Damals wurde sie genutzt, um dem Immunsystem Merkmale des Coronavirus zu zeigen. Nun soll sie es auf Bundibugyo vorbereiten.

Im Zentrum steht ein abgeschwächtes Erkältungsvirus, das normalerweise Schimpansen infiziert. Für den Impfstoff wurde es so verändert, dass es Menschen nicht krank macht. Es dient als eine Art Kurier: Es bringt genetische Informationen der Bundibugyo-Variante in menschliche Zellen. Dort soll der Körper lernen, den Erreger zu erkennen, ohne selbst an Ebola zu erkranken. Sollte es später zu einer echten Infektion kommen, wäre das Immunsystem im besten Fall nicht mehr unvorbereitet.

Lesen Sie auch

WHO warnt: Noch fehlen wichtige Daten zur Wirksamkeit

Noch aber ist vieles Konjunktiv. Die WHO erklärte Anfang der Woche, es gebe bislang keine Tierdaten, die die Wirksamkeit dieses speziellen Impfstoffs belegten. Ein Sprecher sagte, es sei möglich, dass in zwei bis drei Monaten erste Dosen für klinische Studien verfügbar sein könnten. Zugleich gebe es aber „große Unsicherheiten“. Ob der Kandidat tatsächlich als vielversprechender Forschungsimpfstoff gegen Bundibugyo gelten kann, hängt nun von den laufenden Tierversuchen ab. Erst wenn diese Ergebnisse belastbar sind, können klinische Studien am Menschen beginnen.

Professorin Teresa Lambe von der Oxford Vaccine Group sagte der „BBC“, Geschwindigkeit sei nun entscheidend. Sobald Oxford geeignetes Ausgangsmaterial liefern könne, könne rasch und in großem Maßstab produziert werden. Nach BBC-Angaben soll das Serum Institute of India die Herstellung übernehmen, sobald die nötigen Voraussetzungen erfüllt sind. Das Institut gehört zu den größten Impfstoffproduzenten der Welt.

Selbst wenn der Oxford-Kandidat die nächsten Hürden nimmt, wäre er allerdings kein Impfstoff für eine Kampagne nach dem Muster der Corona-Jahre. Ebola-Impfstoffe werden anders eingesetzt: nicht flächendeckend, sondern gezielt dort, wo das Risiko am größten ist. Gesundheitsbehörden setzen dabei meist auf die sogenannte Ringimpfung. Dabei werden jene Menschen geimpft, die einem bestätigten Fall besonders nahegekommen sind: enge Kontaktpersonen, Angehörige sowie Ärztinnen, Pfleger und anderes Gesundheitspersonal. Die Idee dahinter: Um die infizierte Person herum wird ein Schutzring gezogen. Damit soll verhindert werden, dass sich das Virus weiter durch Familien, Kliniken oder Dörfer bewegt.

Auch interessant

Ebola-Ausbruch in Kongo und Uganda: WHO stuft Risiko hoch

Der Bedarf an einem wirksamen Impfstoff wächst mit jedem neuen Fall. Die WHO hat das Risiko des Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo inzwischen von „hoch“ auf „sehr hoch“ heraufgestuft. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sprach von einem „äußerst ernsten und schwierigen Ausbruch“. Es könne, sagte er, erst schlimmer werden, bevor es besser werde.

Gerade deshalb richtet sich der Blick auf Oxford. Das Team hatte bereits zuvor an Impfstoffen gegen die Sudan-Art des Ebola-Virus und gegen das Marburg-Virus gearbeitet. Diese Erfahrung könnte nun helfen. Ein weiterer experimenteller Impfstoff gegen Bundibugyo befindet sich ebenfalls in Entwicklung, wäre den Angaben zufolge aber frühestens in sechs bis neun Monaten testbereit – deutlich später als der Kandidat aus Oxford.