Wenn Robin König (27) sich für eine Pflanze begeistert, dann richtig: „Ein geiles Brett!“, kommentiert er eine der Baumarten in seinem dicht bewachsenen Naturgarten. Als Robinga Schnögelrögel ist der Berliner in den sozialen Medien für seine Garten-Videos bekannt. Darin dreht sich alles um Biodiversität, Pflanzen, Insekten und wie wir mit ihnen umgehen. Seine saloppe Art kommt an: Allein auf Instagram folgen ihm mehr als eine halbe Million Menschen.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Wenn der „Plantfluencer“ (Pflanzen-Influencer) über Pflanzen spricht, strotzt er vor Begeisterung. Sein Naturgarten im Berliner Osten sieht wild aus. Doch: Fast alles, was hier wächst, hat er gezielt angepflanzt. Und er weiß genau, wieso. Für unsere Redaktion präsentiert Robinga Schnögelrögel seine „Top 5“ der Pflanzen, die in seinen Augen jeden Garten bereichern.
Auch interessant
Platz 5: Der Gewöhnliche Hornklee
Der Gewöhnliche Hornklee, Fachbezeichnung „Lotus corniculatus“, ist nicht groß. Auf eine Höhe zwischen 5 und 30 Zentimetern kann er anwachsen. Dabei täuscht der Name, denn: „Nichts daran ist gewöhnlich“, betont Robin. „Die Pflanze ist besonders beliebt bei Bläulingen und ihren Raupen.“ Bläulinge, das ist eine Familie kleiner Schmetterlinge, deren Vertreter oft himmelblaue Flügel haben. Weitere Fans des kleinen Gewächses: Wildbienen – und davon ganze 80 Arten, sagt der Hobby-Gärtner enthusiastisch. „In jedem Garten, auf jedem Balkon: Das ist eigentlich Pflichtprogramm.“ Übrigens: Mit Trockenheit und Feuchtigkeit kommt der Hornklee gut aus, und sogar trittfest ist er, sagt der Plantfluencer.

Platz 4: Der Gewöhnliche Blutweiderich
Der Gewöhnliche Blutweiderich, „Lythrum salicaria“, ziehe Schmetterlinge wie magisch in seinen Bann, erklärt König. Dafür sorgt eine üppige Menge zuckerreicher Nektar. Unter den 15 nachgewiesenen Arten ist auch ein Nachtfalter, den er besonders gerne mag: der sogenannte Mittlere Weinschwärmer. Eine Art, die sofort am außergewöhnlichen Aussehen zu erkennen ist: „Viele werden den vielleicht eklig finden. Der ist pink behaart.“ Auch bläuliche und beige Farbtöne trägt der Schmetterling in seinem Haarkleid. „Wunderbar“, urteilt der Insektenfreund.
Die feuchtigkeitsliebende Pflanze steht gerne an Teichrändern und auf Schwemmland. König hat ihn in einem künstlich angelegten Feuchtbiotop gepflanzt. In seinem Garten kombiniert er verschiedene Biotope: „Ich habe hier Feuchtwiese, Gräser, Wiese, Buschland. Man versucht immer, so viele Biotypen wie möglich aneinanderzupappen, wie ein Mosaik.“

Platz 3: Das Echte Labkraut
„Das ist eine Must-have-Schmetterlingspflanze“, sagt der Influencer vor einem gelben Meer aus kleinen Blüten. „Galium Verum“, das Echte Labkraut, hat es ihm angetan: „Es sieht nicht nur geil aus, es riecht auch noch unfassbar.“ An Honig und Zuckerwatte muss er dabei denken. Und Insekten mögen das Labkraut offenbar genauso gerne: Wildbienen und Schwebfliegen bedienen sich hier bisweilen. Und auch ausgewachsene Falter naschen am Nektar. Letztere legen darauf auch Eier ab – und das können viele werden.
„Etwa 75 verschiedene Arten“, sagt Robinga Schnögelrögel. 25 davon sind sogar auf die Pflanze spezialisiert. So ist das Echte Labkraut fast schon ein Garant dafür, langfristig Schmetterlinge im Garten beobachten zu können. Ziemlich hitzeresistent sei es auch, fügt der Pflanzenfan hinzu. „Das Ding ist einfach der Hammer.“

Platz 2: Der Gewöhnliche Natternkopf
Der Gewöhnliche Natternkopf, „Echium vulgare“, soll seinen Namen bekommen haben, weil die Blüten von der Seite etwas dem Kopf einer Schlange ähneln. Die Pflanze mit den lila-blauen Blüten ist dabei ein ziemlicher Alleskönner. „Das ist eine wichtige Raupenfutterpflanze. Aber noch viel wichtiger als Nektar- und Pollenlieferant für verschiedenste Wildbienen. Einige sind darauf spezialisiert.“
Auch Käfer fressen gerne an den Wurzeln sowie an den Blüten, fügt er hinzu. Und, ganz wichtig im Sommer: „Der ist trockenheitsresistent bis zum Gehtnichtmehr.“ Die Pfahlwurzeln, die sich im zweiten Lebensjahr der Pflanzen entwickeln, dringen bis zu zwei Meter tief in den Boden vor. So kommt der Natternkopf auch noch an Wasser, wenn obere Erdschichten längst staubtrocken sind. „Und wunderschön ist er auch!“

Platz 1: Die Sal-Weide
Eigentlich hätte diese Liste auch anders aussehen können, verrät Robinga Schnögelrögel. „Die fünf biodiversesten und bioaktivsten Pflanzen sind allesamt Bäume.“ Allerdings würden sich wohl nur wenige Hobbygärtner fünf verschiedene Bäume in den Garten stellen. Aber wenn man für einen Platz habe, dann idealerweise für die Sal-Weide, „Salix caprea“. Das Bäumchen sei nicht nur trockenheitsresistent, sondern auch eine „Raupenfutterpflanze vom Oberfeinsten“. Die Tierchen sind auf Robins Sal-Weiden oft zu sehen: „So richtig fleischige, dicke Dinger“, stellt der „Plantfluencer“ fest. Gärtner, die ihrem Anblick nicht so viel abgewinnen können, sollten nicht vergessen: Aus den Raupen werden eines Tages Schmetterlinge.
Wie Artenvielfalt den Garten bereichert
Die Artenvielfalt geht durch den Klimawandel weltweit zurück. Ein kleiner Teil davon kann bereits im eigenen Garten dazu beitragen, diesen Prozess aufzuhalten. Und dabei können Hobbygärtner auch einige positive Effekte genießen. Ein entsprechend gestalteter Garten zieht etwa Wildbienen und Schmetterlinge an, die durch Bestäubung dafür sorgen, dass Pflanzen noch besser aufblühen. Andere angezogene Tiere wirken als natürliche Schädlingsbekämpfer, die zum Beispiel Blattläuse fressen. Auch die Bodenqualität wird durch Biodiversität positiv beeinflusst. Außerdem ist ein Garten, der die Artenvielfalt fördert, in der Regel hitzeresistenter.
Natürlich ist die Sal-Weide nicht unkaputtbar: Es kann vorkommen, dass sich sogenannte Weidenbohrer, die im Holzinneren leben, durch den Stamm fressen und das Bäumchen abstirbt. „Aber da habe ich keine Angst vor“, sagt der Pflanzenkenner überraschend. Denn auch Totholz fördere die Artenvielfalt. „Was überraschend ist für Laien: Totholz ist ganz oft mehr wert als Lebendholz.“ So könne ein toter Stamm für viele Käfer ein wahres Festmahl werden.






