Der Wunsch nach ewiger Jugend und einem unendlichen Leben begleitet die Menschheit seit Jahrhunderten. Doch selbst unter idealen Bedingungen stößt die menschliche Lebensdauer an natürliche Grenzen. Im Rahmen einer neuen Studie haben russische Forscher mithilfe einer Modellrechnung ermittelt, wie hoch die maximale Lebenserwartung des Menschen tatsächlich sein könnte.

Die theoretische Lebenserwartung liegt bei 1759 Jahren

Die Natur hält erstaunliche Rekordhalter bereit. Während der Grönlandhai dank einer besonderen Variante des Proteins p53 in den eisigen Gewässern des Nordatlantiks mehr als 400 Jahre alt werden kann, erreichen Glasschwämme sogar ein Alter von über 11.000 Jahren. Eine 2006 vor Island gefundene Muschel wurde anhand der Wachstumsringe ihrer Schale präzise auf 507 Jahre datiert. Im Vergleich dazu wirkt der menschliche Rekord bescheiden. Die Französin Jeanne Calment gilt mit 122 Jahren bis heute als ältester bestätigter Mensch der Geschichte. Doch selbst wenn sich alle biologischen Alterungsprozesse ausschalten ließen, hätte die menschliche Lebensdauer eine klare Grenze.

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Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie eines Forschungsteams um Dmitrii Kriukov vom Skolkovo Institute of Science and Technology in Moskau. Mithilfe eines mathematischen Modells simulierten die Wissenschaftler eine fiktive Welt, in der Menschen nicht altern, aber weiterhin alltäglichen Gefahren wie Unfällen, Infektionen oder anderen altersunabhängigen Risiken ausgesetzt sind.

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Das Ergebnis fällt überraschend aus. Unter diesen idealisierten Bedingungen errechnete das Modell eine theoretische maximale Lebenserwartung von 1759 Jahren. Demnach könnten viele Menschen weit länger als ein Jahrtausend leben, bevor sie einem Unfall, einer Infektion oder einem anderen zufälligen Ereignis zum Opfer fallen.

Die Leber spielt mit – Herz und Gehirn nicht

Im Mittelpunkt der Studie standen sogenannte somatische Mutationen. Dabei handelt es sich um Veränderungen der DNA, die nicht vererbt werden, sondern sich im Laufe des Lebens zufällig in einzelnen Körperzellen ansammeln. Diese Mutationen beeinträchtigen nach und nach die Funktion der Zellen und gelten als einer der entscheidenden Faktoren, die die menschliche Lebensdauer begrenzen.

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Die Wissenschaftler integrierten diese Mutationen schrittweise in ihr Modell, das zuvor eine theoretische Lebenserwartung von 1759 Jahren ergeben hatte. Grundlage waren Daten aus früheren Untersuchungen zu Nervenzellen, Herzmuskelzellen, Leberzellen und Zellen des Atemwegsepithels. So konnten sie berechnen, wie schnell Mutationen einzelne Zellen funktionsunfähig machen oder absterben lassen. Besonders anfällig erwiesen sich sogenannte postmitotische Zellen, die sich kaum noch erneuern. Dazu gehören unter anderem Nervenzellen im Gehirn und Herzmuskelzellen. Jede durch Mutationen verlorene Zelle verringerte die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Organs.

Die Folgen für die theoretische Lebensspanne waren deutlich. Allein der Verlust von Herzmuskelzellen reduzierte sie auf 208 Jahre, beim Gehirn auf 194 Jahre. Deutlich widerstandsfähiger zeigten sich dagegen die Leber und das Atemwegsepithel, deren Zellen sich kontinuierlich erneuern und dadurch theoretisch über Jahrtausende funktionsfähig bleiben könnten. Abschließend kombinierten die Forscher alle Organe zu einem Gesamtmodell des menschlichen Körpers.

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Daraus ergab sich eine durchschnittliche Lebenserwartung von 156 Jahren. Abhängig davon, wie stark die Alterungsprozesse der einzelnen Organe miteinander verknüpft sind, lag die Schätzung zwischen 146 und 194 Jahren. Die theoretisch maximale Lebensspanne bewegte sich je nach Modellannahme zwischen 210 und 557 Jahren.