Herpesviren sind vor allem als Ursache von Windpocken, Lippenbläschen und Gürtelrose bekannt. Nach einer Infektion verbleiben die Viren lebenslang im Körper, werden jedoch bei den meisten Menschen durch das Immunsystem wirksam kontrolliert. Aktuelle wissenschaftliche Studien deuten allerdings darauf hin, dass eine Herpesinfektion weitreichendere gesundheitliche Folgen haben könnte als bislang angenommen. Das Magazin „GEO“ fasst mehrere Studien zusammen, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Herpesviren und verschiedenen Erkrankungen des Gehirns untersuchen.
Gefahr durch Herpesviren: Demenz, Epstein-Barr-Virus und Multipler Sklerose (MS)
Bislang hat die Wissenschaft mehr als 200 verschiedene Herpesviren identifiziert, von denen jedoch nur neun den Menschen infizieren können. Zu den bekanntesten Vertretern zählt das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), das vor allem Lippenbläschen verursacht. Das Varizella-Zoster-Virus, auch als Humanes Herpesvirus-3 bezeichnet, löst zunächst Windpocken aus und kann nach einer späteren Reaktivierung als schmerzhafte Gürtelrose in Erscheinung treten. Weitere Herpesviren stehen unter anderem mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber, Organschäden bei immungeschwächten Menschen, dem Dreitagefieber im Kindesalter sowie bestimmten Krebserkrankungen in Verbindung.
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Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Herpesviren mit einer größeren Zahl von Folgeerkrankungen assoziiert sein könnten als bislang angenommen. Besonders gut untersucht ist der Zusammenhang zwischen dem Epstein-Barr-Virus und Multipler Sklerose. Darüber hinaus weisen laut GEO mehrere Studien darauf hin, dass Infektionen mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) sowie dem Varizella Zoster Virus das Risiko für Demenz und insbesondere für Alzheimer-Demenz erhöhen könnten. Allerdings entwickelt nur ein kleiner Teil der infizierten Menschen im Laufe des Lebens eine neurodegenerative Erkrankung. Neben einer früheren Virusinfektion beeinflussen auch genetische Voraussetzungen, das Alter, Begleiterkrankungen und der individuelle Lebensstil das persönliche Erkrankungsrisiko.
Epstein-Barr-Virus (EBV): Größter Risikofaktor für Multiple Sklerose
Das Epstein-Barr-Virus verläuft bei vielen Menschen ohne erkennbare Beschwerden, kann jedoch auch das Pfeiffersche Drüsenfieber auslösen. In seltenen Fällen wird eine Infektion zudem mit bestimmten Krebserkrankungen, insbesondere des Nasen-Rachen-Raumes, in Verbindung gebracht. Besonders gut wissenschaftlich belegt ist jedoch der Zusammenhang zwischen dem Epstein-Barr-Virus und Multipler Sklerose. Eine im Fachjournal „Science“ veröffentlichte Langzeitstudie eines amerikanisch-schweizerischen Forschungsteams zeigte, dass eine Infektion mit dem Virus das Risiko für eine spätere Erkrankung an Multipler Sklerose um das 32 fache erhöht.
Die Forscher konnten zudem nachweisen, dass bereits nach einer Infektion, noch vor dem Auftreten der ersten klinischen Symptome, Biomarker für die bei Multipler Sklerose typischen Nervenschäden im Blut nachweisbar waren. Nach derzeitigem Kenntnisstand befällt das Epstein-Barr-Virus bestimmte Zellen des Immunsystems und könnte dadurch Autoimmunreaktionen fördern, die sich gegen das Nervensystem richten.
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Obwohl das Epstein-Barr-Virus als wichtigster bekannte Risikofaktor für Multiple Sklerose angesehen wird, entwickelt nur ein sehr kleiner Teil der infizierten Menschen tatsächlich die Erkrankung. Weitere genetische, immunologische und umweltbedingte Faktoren tragen ebenfalls zur Entstehung von Multipler Sklerose bei.
Lippenherpes (HSV-1) fördert Demenz
Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), das vor allem Lippenherpes verursacht, wird zunehmend als möglicher Risikofaktor für neurodegenerative Erkrankungen untersucht. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass das Virus Entzündungsreaktionen in Nervenzellen auslösen und Prozesse fördern kann, die für die Alzheimer-Erkrankung charakteristisch sind. Darüber hinaus wurde das Virus in Hirnregionen nachgewiesen, die von Alzheimer betroffen sind.
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Auch das Varizella-Zoster-Virus, der Erreger von Windpocken und Gürtelrose, kann das Nervensystem befallen und Entzündungsprozesse im Gehirn hervorrufen. Nach derzeitigem Forschungsstand könnten diese Veränderungen das Risiko für eine spätere Demenzerkrankung erhöhen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Herpesviren stehen gegen das Varizella-Zoster-Virus wirksame Impfstoffe zur Verfügung.

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Schutzimpfungen gegen Gürtelrose im höheren Lebensalter könnten daher nicht nur vor den jeweiligen Infektionskrankheiten schützen, sondern möglicherweise auch das Demenzrisiko senken. Auf diesen Zusammenhang weist unter anderem eine britische Studie hin, über die das Magazin „GEO“ berichtet. Demnach war das Risiko für eine Demenzerkrankung bei geimpften Personen um etwa 20 Prozent geringer.
Darüber hinaus arbeiten Forscher an Impfstoffen gegen weitere Herpesviren, darunter das Epstein-Barr-Virus. Sollten sich diese Impfstoffe in klinischen Studien als wirksam und sicher erweisen, könnten sie künftig nicht nur vor den jeweiligen Infektionen schützen, sondern möglicherweise auch das Risiko bestimmter Folgeerkrankungen verringern.









