Gegensätze ziehen sich an, heißt es. Doch was, wenn ausgerechnet die Politik zum Beziehungstest wird? Wenn der Mensch, in den wir uns verliebt haben, plötzlich eine Haltung zeigt, die uns irritiert, verletzt oder unser bisheriges Bild von ihm ins Wanken bringt? Kann Liebe solche Unterschiede aushalten – oder gibt es politische Grenzen, an denen auch die stärksten Gefühle an ihre Grenzen stoßen? In dieser Ausgabe unseres Beziehungs-Newsletters „Ein FUNKE Liebe“ geht unsere Autorin der Frage nach, wie politisch Liebe sein darf – und wie politisch sie vielleicht sogar sein muss.
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Es gibt Sätze, nach denen man einen Menschen plötzlich mit anderen Augen sieht. Meine Freundin hat so einen Satz vor ein paar Wochen von ihrem Love-Interest, also Schwarm, gehört. Eigentlich lief es bei den beiden gerade ziemlich gut. Meine Freundin hatte sich Hals über Kopf verliebt. Es war leicht, aufregend, vielversprechend. Er war einer dieser Männer, bei denen man irgendwann anfängt, Freunden zu erzählen, dass man „endlich mal jemanden getroffen hat, bei dem es wirklich passen könnte“.
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Und dann sagte er ihr, dass er bei der nächsten Wahl die AfD wählen möchte. Seitdem steckt meine Freundin in einer Krise. Sie ist keine überzeugte Linke. In ihrem Leben hat sie oft konservativ gewählt. Trotzdem kann sie sich unter keinen Umständen vorstellen, mit einem Mann zusammen zu sein, der sein Kreuz bei der AfD machen will. Das Problem: Er passt für sie überhaupt nicht in das Bild, das sie von einem AfD-Wähler hatte. „Er ist doch sonst gar nicht so“, sagt sie. Und genau darin steckt vielleicht das ganze Dilemma.

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Denn was bedeutet es eigentlich, wenn wir einen Menschen mögen, begehren, bewundern – und dann erfahren wir etwas über seine politischen Überzeugungen, das nicht in unser Bild von ihm passt? Bei meiner Freundin hat sich jedenfalls etwas verändert. Sie findet ihn seitdem weniger attraktiv, weniger anziehend.

Ich finde das bemerkenswert. Denn natürlich könnte man sagen: Eine politische Wahl ist eine politische Wahl. Menschen sind komplexer als ihr Kreuz auf einem Wahlzettel. Vielleicht kann jemand eine Partei wählen, ohne jeden einzelnen Punkt in ihrem politischen Programm zu unterschreiben. Vielleicht kann man über Politik streiten und sich trotzdem lieben. Aber Politik ist nun mal längst viel mehr als die Frage, welche Partei wir wählen. Politische Entscheidungen basieren auf Werten, sie zeigen, wie wir auf Migration schauen, auf Minderheiten, auf gesellschaftliche Veränderungen, auf Freiheit und Sicherheit.
Kann Liebe politische Differenzen überbrücken?
Das heißt nicht, dass der Partner die gleichen politischen Ansichten teilen muss. Ich könnte mir durchaus vorstellen, mit jemandem zusammen zu sein, der eine andere Meinung zu Steuern hat, andere wirtschaftspolitische Vorstellungen oder eine völlig andere Sicht auf die Frage, ob der Staat mehr oder weniger regulieren sollte. Man kann auch darüber streiten, welche Partei die besseren Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit hat, und sich anschließend trotzdem liebevoll ansehen.
Aber was passiert, wenn die Unterschiede nicht mehr bei politischen Positionen liegen, sondern bei grundlegenden Wertvorstellungen? Wenn einer sagt: Für mich ist dieses Thema eine Frage der Menschenwürde – und der andere antwortet: Für mich nicht. Kann Liebe diese Differenz überbrücken?
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„Wenn ich das Gefühl habe, mein Gegenüber teilt meine grundsätzlichen Werte nicht, dann ist es sehr schwer, mit dieser Person überhaupt intim zu sein, unter einem Dach zu wohnen, in einem Bett zu schlafen, eine leidenschaftliche Sexualität zu teilen – also alles, was Beziehungen letztlich ausmacht“, sagt René Zimmermann. Er ist Sozialwissenschaftler und arbeitet als systemischer Berater und Therapeut in Bremen. Paaren, die ganz unterschiedliche politische Ansichten haben, rät er, einander ganz bestimmte Fragen zu stellen.
Wir haben uns lange eingeredet, Gegensätze würden sich anziehen. Der spontane Mensch verliebt sich in den strukturierten. Die Introvertierte in den Partylöwen. Der Morgenmensch in die Nachteule. Warum also nicht auch der politisch Linke in die Rechtskonservative oder umgekehrt? Weil politische Gegensätze mehr als ein reizvoller Gegensatz sind, meint der Experte.
Wenn das Herz zwar liebt, aber der Verstand oder andere Umstände sagen: Stopp, so geht die Beziehung nicht weiter – was dann? Eine Trennung trotz Liebe mag erst einmal widersprüchlich oder gar unmöglich erscheinen. Doch wenn das Zusammensein nicht funktioniert, hilft auch das Gefühl der Liebe nicht weiter. Unsere Experten geben hier konkrete Tipps, wie Sie eine Trennung trotz Liebe verkraften.
Meine Freundin weiß übrigens noch nicht, ob sie den Mann weiter daten kann. Vielleicht findet sie einen Weg, seine politische Haltung von seiner Person zu trennen. Vielleicht stellt sie fest, dass sie es nicht kann. Beides wäre legitim. Denn Liebe muss nicht beweisen, dass sie stärker ist als alles andere. Manchmal besteht ihre ehrlichste Form auch darin, zu erkennen, dass Anziehung und Werte nicht zwei voneinander getrennte Welten sind.
Und jetzt würde mich interessieren, ob Sie auch schon in der Beziehung ganz unterschiedliche politische Ansichten hatten? Und wenn ja, wie hat es Ihre Beziehung beeinflusst? Erzählen Sie es mir gerne, ich freue mich darauf!
Alles Liebe,
Alina Juravel
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P.P.S.: Auch heute möchte ich Ihnen den FUNKE-Podcast „Länger Leben“ empfehlen. Darin spricht meine Kollegin Natalja Fischer mit dem Mediziner und Longevity-Experten Dr. Felix Bertram darüber, wie wir uns möglichst lange gesund halten. Gerade wird die zweite Staffel ausgestrahlt. Neue Folgen erscheinen jeden Mittwoch, überall, wo es Podcasts gibt. Hier können Sie reinhören.









