Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt ist auf dem Höchststand, Straftaten gegen Frauen nehmen immer weiter zu. 2024 wurden laut des BKA in Deutschland mehr als 170.000 Menschen Opfer von Gewalt in der Partnerschaft – rund 80 Prozent davon waren weiblich. Die klassische Antwort darauf lautet: Wir benötigen mehr Schutzräume, Beratungsstellen und Frauenhäuser.

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All das ist dringend notwendig. Doch es ist zu kurz gefasst und es entlässt die Menschen aus der Verantwortung, die das Leid verursachen: die Täter. Klar ist Opferhilfe essenziell und definitiv ausbaubar. Doch was fehlt, ist die Vorarbeit, die Gewaltsensibilisierung, bevor Grenzüberschreitungen stattfinden.

Psychologe über Gewalttäter

Häusliche Gewalt: Die Wut kommt nicht aus dem Nichts

Gewaltausbrüche passieren nicht aus dem Nichts. Man merkt, wenn die Wut hochkocht, der Puls steigt, das Adrenalin durch den Körper strömt und eine Eskalation kurz bevorsteht. Studien zeigen, dass die allerwenigsten „nur“ einmal zuschlagen und dann nie wieder. Die meisten Täter kennen sowohl ihr Gewaltpotenzial als auch ihre Trigger. Doch anstatt dass sie sich in Beratung begeben, müssen sich viele der Partnerinnen in Frauenhäuser flüchten, wenn es brenzlig wird.

Marta Ways
Marta Ways ist Redakteurin im Ressort Leben der FUNKE‑Zentralredaktion.© Reto Klar / Funke Foto Service | Reto Klar / Funke Foto Services

Solange der Aggressor sein Verhalten nicht als Problem erkennt, werden lediglich die Folgen behandelt. Hier braucht es ein Umdenken: mit der Finanzierung von niederschwelligen, präventiven Beratungsangeboten, Aufklärung in Schulen, in Fußballstadien und Kampagnen auf Social Media. Entscheidend ist die Platzierung der Verantwortung beim Täter und das Bewusstsein: „Ich habe ein Gewaltproblem. Weil ich mein Umfeld schützen will, suche ich mir frühzeitig Hilfe.“