Zur Auftaktveranstaltung „Frauen und Finanzen“ laden wir – die TLZ und die Stiftung Sendehalle – am Montag, 26. Oktober, um 19 Uhr in die Sendehalle Weimar ein. Mit auf dem Podium wird Juliane Manhardt sein. Sie ist Fachberaterin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Thüringen. Hier gibt sie Auskunft zu wichtigen Geldfragen.
Welchen besonderen Herausforderungen können Frauen beim Aufbau einer ausreichenden Altersvorsorge begegnen?
Frauen haben häufig andere Erwerbsbiografien als Männer: Teilzeit, Elternzeit oder Pflege von Angehörigen führen dazu, dass weniger in die gesetzliche Rente eingezahlt wird und gleichzeitig oft weniger Geld für private Vorsorge übrigbleibt. Das sieht man später deutlich: Die eigenen Alterseinkünfte von Frauen liegen aktuell im Durchschnitt rund 36 Prozent unter denen von Männern. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig vorzusorgen. Dabei sollte Sicherheit nicht automatisch bedeuten, jedes Risiko zu vermeiden. Wer noch viele Jahre bis zur Rente hat, kann Schwankungen am Kapitalmarkt eher aushalten und beispielsweise mit breit gestreuten ETFs langfristig Vermögen aufbauen. Entscheidend ist eine Strategie, die zur eigenen Situation und Risikobereitschaft passt.
Wie wichtig ist eine eigene, unabhängige Altersvorsorge?
Gemeinsame Finanzen sind völlig in Ordnung – finanzielle Abhängigkeit sollte daraus aber nicht entstehen. Jede Frau sollte eigene Rentenansprüche und möglichst auch eigenes Vermögen aufbauen. Denn Lebenssituationen können sich ändern: durch Trennung, Krankheit oder den Tod des Partners. Wichtig finde ich deshalb, dass beide Partner jederzeit wissen: Was haben wir? Wem gehört was? Welche Ansprüche habe ich selbst? Altersvorsorge sollte nie ausschließlich über den Partner funktionieren.

Welche finanziellen Fragen sollten Paare frühzeitig klären?
Über Geld sollte man genauso selbstverständlich sprechen, wie über Urlaub, Kinder oder die gemeinsame Wohnung. Wie organisieren wir unsere Konten? Wer trägt welche Kosten? Wem gehört eine Immobilie und wer haftet für den Kredit? Wie sind wir gegenseitig abgesichert? Und ganz wichtig: Was passiert, wenn einer wegen der Kinder oder Pflege beruflich zurücksteckt? Dann kann beispielsweise ein finanzieller Ausgleich für die Altersvorsorge sinnvoll sein. Fair bedeutet für mich nicht zwingend 50:50 – sondern, dass beide die finanziellen Folgen gemeinsamer Entscheidungen tragen.
Wie früh sollte Altersvorsorge beginnen?
So früh wie möglich – aber ohne daraus ein kompliziertes Finanzprojekt zu machen. Gerade bei jungen Menschen ist Zeit ein enormer Vorteil, weil der Zinseszinseffekt wirken kann. Mädchen sollten früh erleben, dass Geldanlage nichts ist, was „jemand anderes“ für sie erledigt. Ein eigenes Konto, Sparziele und später vielleicht ein erster kleiner ETF-Sparplan können Finanzwissen ganz praktisch vermitteln. Es geht nicht darum, mit 18 Finanzexpertin zu sein. Es geht darum, keine Angst vor dem Thema Geld zu haben. .
Welche Folgen haben Teilzeit, Kindererziehung und Pflegezeiten?
Das Problem ist der langfristige Effekt. Ein paar Jahre Teilzeit wirken zunächst vielleicht überschaubar, können aber Einkommen, Karriereentwicklung, gesetzliche Rente und die Möglichkeit zum privaten Vermögensaufbau gleichzeitig reduzieren. Frauen arbeiten im Durchschnitt weiterhin deutlich weniger bezahlte Stunden als Männer. Deshalb sollte man bei jeder längeren Reduzierung der Arbeitszeit auch über die Altersvorsorge sprechen: Was bedeutet das konkret für meine Rente? Können wir innerhalb der Partnerschaft einen Ausgleich schaffen? Und kann ich zumindest einen kleinen Sparbetrag weiterlaufen lassen? Altersvorsorge beginnt für mich nicht erst mit einem Finanzprodukt – sondern bei der Frage, wie wir Erwerbs- und Sorgearbeit finanziell fair organisieren.
Was ändert sich mit dem neuen Altersvorsorgedepot ab 2027?
Hier kommt tatsächlich Bewegung in die private Altersvorsorge. Ab 2027 können geförderte Altersvorsorgedepots angeboten werden, bei denen auch Anlagen in Fonds und ETFs möglich sind – und zwar ohne die bisher typische Beitragsgarantie. Das eröffnet höhere Renditechancen, bedeutet aber natürlich auch Kursschwankungen. Daneben bleiben Garantieprodukte möglich. Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz. Deshalb bitte nicht vorschnell kündigen! Gerade ab 50 sollte man genau rechnen: Welche Garantien habe ich? Wie hoch sind Kosten und Förderung? Wie lange ist mein Anlagehorizont noch? Und was kostet ein Wechsel? Ein neuer Vertrag ist nicht automatisch besser als ein guter bestehender Vertrag. Konkrete Aussagen wird man hierzu auch erst Anfang 2027 treffen können, wenn Anbieter konkrete Produkte auf den Markt bringen.
Tipps von Expertinnen
Das ist wichtig zu wissen für die Veranstaltung „Frauen & Finanzen“: Gastgeber sind die TLZ und die Stiftung Sendehalle. Beginn ist am Montag, 26. Oktober, um 19 Uhr in der Sendehalle Weimar, Humboldtstraße 33a.
Der Eintritt ist frei; um eine Spende für die Stiftung Sendehalle wird gebeten. Die Veranstaltung richtet sich vorrangig an Frauen und Mädchen, die mehr über Finanzen wissen wollen. Es ist ein Auftakt. Anmeldung ist nicht erforderlich. Bringen Sie gerne Freundinnen und Angehörige mit.
Den Input wird Dr. Rosa Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, geben.
Dann gehen wir auf dem Podium ins Gespräch, moderiert von TLZ-Chefredakteurin Gerlinde Sommer
Neben Frau Traud sind mit auf dem Podium:
Juliane Manhardt, Fachberaterin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Thüringen e.V.,
Thüringens Gleichstellungsbeauftragte Nadja Sthamer aus dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie,
Thüringens Staatssekretärin Milen Starke aus dem Ministerium für Digitales und Infrastruktur.
Diese Expertinnen werden aus ihren jeweiligen Fachbereichen und gesammelten Lebenserfahrungen wichtige Hinweise zu Geldthemen geben.
Wir werden den Bogen von privaten Finanzen bis hin zu Frauen in der Wirtschaft und Finanzwelt spannen. Und Fragen beantworten wie diese: Früher lagen die Familienfinanzen oft bei den Frauen. Ist das noch so? Sind Frauen tatsächlich risikoscheuer bei Geldfragen – und ist das von Vor- oder Nachteil? Warum ist es wichtig, in einer Partnerschaft bei Finanzfragen auf der Höhe der Zeit zu sein? Werden Frauen bei Finanzfragen wegen ihrer geringeren Verhandlungsbereitschaft schlechter gestellt? Und wenn das so ist, was kann Frau tun?
Zudem beantworten die Podiumsteilnehmerinnen Fragen aus dem Publikum. Wir planen für die Veranstaltung 90 Minuten ein – und freuen uns auf Ihre Teilnahme.


