Gerardo Seoane ist nicht mehr Profi-Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach. Der kriselnde Bundesligist gab die Trennung vom Schweizer am späten Montagnachmittag bekannt. Für Seoane übernimmt vorerst U23-Trainer Eugen Polanski.

„Nach einer intensiven Aufarbeitung unseres Saisonstarts sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass wir eine Änderung auf der Position des Cheftrainers vornehmen müssen. Nach nun saisonübergreifend zehn Bundesligaspielen ohne Sieg ist bei uns der Glaube geschwunden, dass der Umschwung mit Gerardo gelingen kann“, lässt sich Sport-Geschäftsführer Roland Virkus zitieren.

Präsident Rainer Bonhof sagt: „Gerardo hat die Mannschaft in einer schwierigen Situation übernommen, ist den Weg des Klubs mitgegangen, hat den Entwicklungsprozess der Mannschaft angeschoben und hat sie stabilisiert. Allerdings war das Ende der Saison nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben und der Start in diese Spielzeit ebenfalls nicht. Der Schritt, nun einen neuen Impuls zu setzen, ist der richtige. Wir danken Gerardo für seine geleistete Arbeit und wünschen ihm beruflich und privat alles Gute.“

Gladbach-Boss Virkus zunächst noch ausweichend

Gladbachs Sportchef Roland Virkus hatte nach dem 0:4-Debakel gegen Werder Bremen noch ausweichend auf die Frage nach der Zukunft von Trainer Gerardo Seoane reagiert. „Ich verstehe die Nachfragen. Aber seht es mir bitte nach, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt, nach so einem Spiel, erstmal schauen muss, was die Gründe waren. Deswegen werdet ihr die Frage jetzt von mir nicht so beantwortet kriegen, wie ihr das vielleicht möchtet“, sagte Virkus in der Mixed Zone.

Die Borussia war auch im dritten Spiel der Saison ohne Tor geblieben, saisonübergreifend ist Gladbach seit zehn Begegnungen ohne Sieg. „Die Enttäuschung sitzt tief“, sagte Virkus nach der höchsten Heimniederlage seit dem 5. Dezember 2021 (0:6 gegen den SC Freiburg): „Trotz alledem ist es meine Aufgabe, das Ganze sachlich zu besprechen, sicherlich nicht heute. Eine Nacht drüber schlafen – und dann muss man schauen.“ Auch Mittelfeldspieler Rocco Reitz meinte: „Wir müssen trotz der bitteren Niederlage einen kühlen Kopf bewahren, das Ganze einen Tag sacken lassen und dann vernünftig analysieren.“

Frust nach dem Heim-Debakel: Vizekapitän Rocco Reitz (2. von links) will aber „trotz der bitteren Niederlage einen kühlen Kopf bewahren“.
Frust nach dem Heim-Debakel: Vizekapitän Rocco Reitz (2. von links) will aber „trotz der bitteren Niederlage einen kühlen Kopf bewahren“.© Getty Images | Lars Baron

Flügelspieler Robin Hack wollte nach dem Fehlstart gemeinsam mit Seoane den Weg aus der Krise finden. „Ich bin jetzt seit knapp drei Jahren hier. Ich bin überzeugt von der Mannschaft. Ich bin überzeugt vom Trainer, vom Verein. Ich bin fest der Überzeugung, dass wir das schaffen“, sagte der 27-Jährige. Am Montagmorgen leitete Seoane das Spiel-Ersatztraining. Der 46 Jahre alte Schweizer betrat um 10.20 Uhr den Trainingsplatz mit den Spielern, die gegen Bremen nicht zum Einsatz gekommen waren.

Pfeifkonzert der Gladbach-Fans

Schlechter als mit einem Punkt und 0:5 Toren stand die Borussia allerdings in 58 Jahren Bundesliga nur in der Saison 2015/16 (0 Punkte, 2:8 Tore) nach drei Spieltagen da. „Das ist schwer zu erklären, das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich bin tief enttäuscht. Du musst jetzt gucken: Wo liegt das Hauptproblem? Und das musst du zusammen mit der Mannschaft und zusammen mit dem Trainer natürlich aufarbeiten und so schnell wie möglich abstellen“, so Virkus.

Für die Pfiffe der Fans zeigte der Sport-Geschäftsführer Verständnis. „Es ist doch klar, dass die Fans ihren Unmut äußern, das kann ich völlig nachvollziehen“, sagte er. Zwei Tage folgte der Rauswurf Seoanes.