Am Ende schien es, als freute sich das deutsche Duo ehrlichen Herzens für Janine Flock. Die Österreicherin hatte gerade ihren vierten Lauf souverän ins Ziel gebracht und damit die olympische Skeleton-Konkurrenz der Frauen gewonnen, da fielen ihr erst Susanne Kreher und anschließend Jacqueline Pfeifer in die Arme. 2018 in Pyeongchang hatte die Tirolerin schon einmal nach drei Durchgängen vorn gelegen. Versagten ihr damals die Nerven und ging sie leer aus, blieb sie diesmal cool. Die Freudentränen bei der Siegerehrung verrieten, wie viel ihr dieser Erfolg bedeutet.
Susanne Kreher rast beim Olympia-Debüt zu Silber
Auch die deutschen Kopfüber-Pilotinnen feierten ausgelassen. Kreher hatte sich erst im letzten Moment für die Spiele qualifiziert und belohnte sich nach vier stabilen Fahrten mit Silber. „Das hätte ich mir nie träumen lassen. Aber ich habe meine Lockerheit zurückgewonnen und konnte abrufen, was ich drauf habe. Ich bin so glücklich“, sagte die Sächsin. Schon 2023 war die Olympia-Debütantin ähnlich unerwartet zum WM-Titel gerast. Pfeifer sicherte sich auf ihrer Lieblingsbahn trotz einiger Fahrfehler Bronze: „Ich bin sehr froh, dass es zu einer Medaille gereicht hat – auch wenn vielleicht mehr drin gewesen wäre“, erklärte die Sauerländerin.

Offensichtlich sind die deutschen Skeletonis im „Cortina Sliding Centre“ auf der Medaillenspur ihrer Rennrodel-Teamkollegen unterwegs. Zwar ging auch der Olympiasieg bei den Männern an die Konkurrenz: Matt Weston (Großbritannien) war am Freitagabend nicht zu schlagen. Doch jeweils Silber und Bronze holten sich die Deutschen. Vier Medaillen in den beiden Einzelkonkurrenzen ließen die Fans an der hell beleuchteten Bahn jubeln. Hannah Neise, Olympiasiegerin von 2022, rundete das starke Mannschaftsergebnis als Vierte ab.
Prämien für Thüringer Medaillengewinner
Für die Hälfte der Ausbeute zeichnete am Freitagabend ein starkes Männer-Duo verantwortlich. Axel Jungk errang wie schon 2022 die olympische Silbermedaille. Seine Fans, Freunde und Verwandte stellte der Sachse, der seit zweieinhalb Jahren bei seiner Freundin in Dortmund lebt, allerdings auf die Geduldsprobe. Nach Siegerehrung, Interviews und der Dopingprobe erreichte er erst weit nach Mitternacht das Deutsche Haus. Dort wartete unter anderem Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, der den drittplatzierten Christopher Grotheer in Empfang nahm. Zuvor hatte der CDU-Politiker angekündigt, Medaillengewinner des Freistaats mit einer Olympia-Prämie zu belohnen: 30.000 Euro für Gold, 20.000 für Silber und 15.000 Euro für Bronze.
Happy End für Christopher Grotheer
Diese Prämie nimmt Grotheer gewiss gern entgegen. Noch mehr dürfte ihm aber der sportliche Erfolg bedeuten. Die Saison des Olympiasiegers von 2022 war von Verletzungen und Rückschlägen geprägt. Erst verletzte er sich im Adduktorenbereich, später riss eine Faszie in der Wade. An Sprints beim Start war nicht zu denken. Grotheer zweifelte lange, ob er es überhaupt zu Olympia schaffen würde. Erst über Weihnachten wurde er fit und holte sich schließlich die ersehnte Medaille.

„Nach meiner ganzen Vorgeschichte ist Bronze mindestens genauso viel wert wie Gold vor vier Jahren“, sagte der Mann vom BRC Rennsteig Oberhof. Bundestrainer Christian Baude nickte zustimmend: „Christopher war im Herbst am Boden zerstört und nah dran, schon aufzugeben. Ich habe ihm damals gesagt: Er muss weiter an seine Chance bei Olympia glauben und dafür kämpfen“, sagte er. „Das hat er gemacht und sich mit der Medaille belohnt.“
Axel Jungk kritisiert den Weltverband
Das gilt auch für Jungk, der das Rampenlicht nutzte, um den Bob- und Skeleton-Weltverband IBSF für die Vermarktung seiner Sportart zu kritisieren. „Wir stehen immer so ein bisschen im Schatten vom Bobsport, was traurig ist, weil Skeleton meiner Meinung nach mindestens genauso interessant ist“, sagte der 34-Jährige. Vor allem der starre Zeitplan ärgert ihn. „Im Weltcup haben wir jede Woche Freitag früh um neun Uhr unsere Rennen. Bob kann Samstagabend und Sonntag zur Primetime fahren. Dann müssen wir uns nicht wundern, dass die Sportart nicht populärer wird“, schimpfte Jungk.

Mixed-Team-Wettbewerb feiert olympische Premiere
Nach den erfolgreichen Einzelrennen steht am Sonntagabend (18 Uhr) schon der nächste Höhepunkt an: die olympische Mixed-Team-Premiere. Dabei gehen Zweier-Teams an den Start. Zuerst startet die Frau, danach der Mann. Deutschland schickt zwei Duos ins Rennen. Ähnlich wie in der Formel 1 muss erst ein Lichtsignal abgewartet werden, ehe man sich in den Eiskanal stürzen darf. Im Januar durften Kreher und Jungk bereits gemeinsam jubeln: Sie hatten bei der erstmals ausgetragenen Mixed-Europameisterschaft in St. Moritz (Schweiz) den Titel gesichert.



