Sebastian Hinze ist sonst ein Mann der sparsamen Gefühle. Doch nach dem 34:29 (16:13) seines ThSV Eisenach bei GWD Minden sahen alle einen Trainer voller Emotionen. Nach der 15. Parade von Matija Spikic atmete der gebürtige Wuppertaler tief durch und ballte die Fäuste. Der erste Auswärtssieg der Saison in der Handball-Bundesliga war endlich vollbracht. Der letzte kleine Makel einer bisher starken Saison vom blauen Kultklub aus Thüringen war weggespielt worden.

Fans des ThSV Eisenach feiern mit Spielern in Minden auf der Tribüne

Mit den Fans sang der Coach dann das Rennsteiglied, die Thüringer Hymne für Sieger. „Ich kann allerdings nur den Refrain“, meinte Hinze ehrlich. Danach skandierten die fast einhundert ThSV-Anhänger den Namen des Erfolgstrainers, der ein Team geschmiedet hat, das mehr als nur bundesligatauglich ist. Während die Spieler die Tribüne in der zuvor von 3800 Handballfreunden gefüllten Kampa-Halle stürmten, blieb Hinze mit Blick auf den Klassenerhalt wie seine Männer selbstbewusst bescheiden.

Ich kann aber nur den Refrain

ThSV-Trainer Sebastian Hinze, über seine Textsicherheit beim Rennsteiglied

Solange es rechnerisch noch nicht geschafft sei, lehne er Glückwünsche ab. „Aber viele haben uns das zu Saisonbeginn nicht zugetraut“, so Hinze. Denn der offizielle Sprung über die mathematische letzte Hürde ist fünf Spieltage vor Ultimo nur eine Frage der Zeit. Auf den aktuellen Drittletzten Minden hat der ThSV neun Punkte und 94 Tore Vorsprung.

Für die Spieler gab es vom „sehr, sehr glücklichen“ Trainer, der am Sonntag seinen 47. Geburtstag feierte, sogar ein Geschenk. „Zum ersten Mal lasse ich etwas aus dem Trainingsplan ausfallen. Die Jungs kriegen diesmal auch Samstag und am Sonntag frei. Wir spielen ja erst in zwei Wochen wieder in Melsungen“, befand Hinze großzügig. Er selbst schneide auf der Heimfahrt im Bus schon mal ein paar Videos zum Spiel.

Handball
Peter Walz (ThSV Eisenach) bedankt sich herzlich bei einem Fan des blauen Kultklubs für die lautstarke Unterstützung nach dem Sieg in Minden. © Frank Arnold / sportfoto eisenach | Frank Arnold / Sportfoto Eisenach

Das wichtige Match hatten die Thüringer nach einer „taktisch hochprofessionellen und kämpferischen Leistung mit Disziplin zu Ende gespielt“, sagte Maik Nowak, der Sportliche Leiter. „Endlich haben wir den Bock umgestoßen. Wir haben uns das mehr als verdient“, so gebürtige Mühlhäuser. „Wir besaßen immer die Kontrolle, lagen mal sieben Tore vorn“, fand auch Coach Hinze, der nur die letzten vogelwilden fünf Minuten ausklammern wollte.

Trainer Hinze lobt Youngster Antonijevic ausdrücklich

Als Minden noch einmal auf drei Tore herankam (25:22/48.), war sein Team gefordert. Doch Eisenachs Wille an diesem Tag war größer. Youngster wie der von Hinze ausdrücklich für „viele gute Entscheidungen“ gelobte Vukasin Antonijevic wuchsen über sich hinaus. Torhüter Spikic ließ die Mindener um ihren Kapitän und Ex-Eisenacher Malte Donker völlig verzweifeln. „Wir waren nicht bereit für so ein Spiel. Eisenach aber hat es uns vorgemacht“, sagte GWD-Trainer Aaron Ziercke tief enttäuscht.

Die Analyse des Abends lieferte aber ThSV-Abwehrchef Philipp Meyer ab: „Guter Torwart, gute Abwehr, guter Angriff, guter Handball.“