Es war ein außergewöhnlicher Abend für die RSB Thuringia Bulls. „Das ist eine mega Wertschätzung für uns, wir freuen uns riesig“, sagt Coach André Bienek. Am vergangenen Freitag wurden seine Rollstuhlbasketballer bei der Goldenen Nacht des Thüringer Sports als Thüringens Mannschaft des Jahres 2025 ausgezeichnet – als erste Mannschaft aus dem Behindertensport. Bienek, als Sportler und Trainer ehrgeizig immer auf die nächste Aufgabe blickend, ergänzt: „Das ist für uns zugleich die Verpflichtung, es dieses Jahr mindestens genauso gut zu machen.“

2025 holten die Elxlebener das Double aus Deutscher Meisterschaft und Pokal. Mindestens genauso gut hieße: diesmal im besten Fall das Triple. Den Pokalsieg haben sie schon, in der Meisterschaft gehen sie als ungeschlagener Favorit in die Playoffs. Den schwierigsten der drei Titel wollen sie an diesem Wochenende erringen: den Champions Cup. Zweimal, 2018 und 2019, konnten sich die Bulls die europäische Krone ihrer Sportart bereits aufsetzen. Seitdem waren sie stets im Final Four dabei, scheiterten aber immer wieder knapp – vor allem an Albacete, der spanischen Übermannschaft der letzten Jahre, zuletzt viermal in Folge Champions-Cup-Sieger.

Beim Halbfinalgegner Cantù spielte Trainer Bienek zwei Jahre

Albacete ist auch diesmal dabei, wenn das Final Four in Madrid ausgetragen wird. Am Donnerstag machen sich die Elxlebener auf den Weg, per Bus nach Berlin und von dort mit dem Flieger in die spanische Hauptstadt. „Im Hotel einchecken, Abendessen, am Freitag eine Trainingseinheit, Videoanalyse und dann das Halbfinale“, schildert Bienek den Ablauf.

Das ist raus aus den Köpfen, die Trainingswoche war super.

Trainer André Bienek, sieht das bitter verlaufene Finalturnier des Vorjahres nicht mehr als Problem

Jenes Halbfinale am Freitag (15.30 Uhr/alle Spiele live bei YouTube) ist für ihn ein ganz besonderes: Es geht gegen Briantea 84 Cantù. Bei den Italienern, die zum ersten Mal seit 2018 im Final Four dabei sind, spielte Bienek von 2012 bis 2014, holte mit ihnen zwei ihrer elf Meistertitel. „Eine schöne Zeit. Von damals ist aber nur noch der Manager dabei, die Mannschaft ist eine völlig andere“, erzählt er. Getragen von den Italienern Sabri Bedzeti (Bienek: „Ein kleinerer, wendigerer Vahid Azad“) und Filippo Carossino sowie dem Argentinier Adolfo Berdun sieht er Cantù als „starken, erfahrenen Gegner“.

ROLLSTUHL-BASKETBALL FUNKE CUP 2025  THURINGIA BULLS VS. HANNOVER UNITED
Auf die Taktik kommt es an: André Bienek ist trotz sehr guter Vorzeichen zurückhaltend. © Archiv | Sascha Fromm

Auch wenn „die Mannschaft nur auf Freitag und noch nicht auf Samstag schaut“, sind die Bulls mit ihren wettbewerbsübergreifend 30 Siegen in Folge der Favorit des Finalturniers, bei dem am Samstag (18.15 Uhr) der Sieger ermittelt wird. Ihre letzten Niederlagen sind aber Warnung genug: Im Final Four des Vorjahres verloren sie überraschend das Halbfinale und dann deutlich das Spiel um Platz drei. „Doch das ist raus aus den Köpfen, die Trainingswoche war super“, beobachtet Bienek eine positive Anspannung bei seinen Spielern.

Topscorer Halouski ist rechtzeitig fit

Besonders wichtig: Topscorer Alex Halouski, der seit seiner Handverletzung Mitte März nicht mehr gespielt hat, ist rechtzeitig fit geworden und konnte in den letzten Tagen ebenfalls beschwerdefrei trainieren. Die Vorzeichen sind also super, zum insgesamt dritten Mal und zum ersten Mal seit sieben Jahren die wichtigste europäische Vereinstrophäe wieder nach Elxleben zu holen.

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Doch so ehrgeizig André Bienek ist, so zurückhaltend ist er mit Blick auf das zweite Halbfinale der beiden spanischen Topteams, Gastgeber CD Ilunion und Titelverteidiger Albacete: „Beide Mannschaften sind mit uns auf Augenhöhe, Albacete hat trotz seines Umbruchs immer noch ein super Team.“