Die Trommeln der begeisterten Fans wollten gar nicht verstummen. Nach einem dramatischen zweiten Finalspiel um die deutsche Rollstuhlbasketball-Meisterschaft jubelte der Anhang der RSB Thuringia Bulls ausgelassen: „Deutscher Meister“ und „Doublesieger“ hallte es durch den Bullenstall. Trainer André Bienek musste nach dem 72:67-Sieg über den RSV Lahn-Dill indes erst einmal durchatmen: „Das war echt hart. Der Gegner hat es wirklich gut gemacht und kann stolz auf seine Leistung sein. Aber wir sind es natürlich auch. Am Ende konnten wir zeigen, was wir können.“
Acht Meistertitel und sechs Pokalsiege seit 2016
Mit dem Triumph sicherten sich die Elxlebener ihren achten deutschen Meistertitel seit 2016 sowie das sechste Double aus Meisterschaft und Pokalsieg. Eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, der ein nahezu makelloses Kapitel in dieser Saison hinzugefügt wurde. Auf nationaler Ebene gewann das Bienek-Team sämtliche Partien. Zuletzt hatte es am Pfingstsonntag mit dem 68:55 in Wetzlar im ersten Finalduell den Grundstein für die Titelverteidigung gelegt. Und auch international waren die Bulls kaum zu stoppen. Lediglich einmal, im Endspiel um Europas Krone gegen Ilunion Madrid, mussten sie sich geschlagen geben (72:85).

Die Spanier hatten im Champions Cup auf eine aggressive Defensive gesetzt, um den Bulls den Spaß am Spiel zu nehmen. Eine Taktik, die auch die Hessen am Freitagabend verfolgten. Im ausverkauften Bullenstall lieferten sie den Gastgebern von Beginn an einen beherzten Kampf. Wie von Bienek erwartet, dominierten die Defensivreihen. Sein Top-Schütze Alex Halouski fand dennoch Lücken: Nach seinem 3-Punkt-Spiel zum 11:7 brandete erstmals lautstarker Jubel im Elxlebener Hexenkessel auf. Bis dahin hatte der 39-Jährige bereits sieben seiner insgesamt 22 Zähler beigesteuert.
Auch interessant
Lahn-Dill hielt vor allem mit Nationalspieler Thomas Böhme und Spielertrainer Michael Paye dagegen. Sie nutzten ihre Chancen aus der Distanz. Das Auftaktviertel ging mit 17:14 an die Bulls. Sie haderten im zweiten Abschnitt mit der einen oder anderen Schiedsrichter-Entscheidung. Der Gegner blieb indes hartnäckig und hatte mit Matthias Güntner noch einen Joker in der Hinterhand. Nach seiner Einwechslung Mitte des zweiten Viertels traf der groß gewachsene Center bei seinen drei Versuchen und brachte seine Farben in Front. Zur Halbzeit hatte sich das Blatt gewendet – 36:37 hieß es aus Sicht der Einheimischen.

Fördermittel vom Landessportbund für den Verein
Positive Nachrichten gab es in der Pause. Aus den Händen von Thomas Zirkel, Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Thüringen, erhielt der RSB einen Fördermittel-Scheck in Höhe von mehr als 262.000 Euro. Das Geld will der Verein für die Installation einer Fotovoltaik-Anlage auf der Spielstätte verwenden.
Auch interessant
Offensivfeuerwerk der Bulls im Schlussviertel
Auch im dritten Viertel wogte das Geschehen hin und her. Erwischten die Bulls zunächst den besseren Start, schlug Lahn-Dill prompt zurück. Colin Higgings übernahm nun Verantwortung. Beim 45:51 betrug der Rückstand des Titelverteidigers erstmals sechs Punkte. Hauptgrund: Dessen Abschlussquote sank auf unter 47 Prozent. Doch der Kampfgeist war intakt. Mit zwei Treffern verkürzten die Bulls bis zum Viertelende auf 49:51 und nahmen diesen Schwung mit in den Schlussdurchgang.
Dort erwischten sie einen 10:0-Lauf und zogen vom 53:55 auf 63:55 davon. Joke Linden besaß jetzt das entscheidende Händchen. Aber auch diesmal schlug der ewige Rivale zurück und blieb bis in die Schlusssekunden dran. Vahid Azad beseitigte mit einem Fastbreak die letzten Zweifel und verwandelte den Bullenstall in ein Tollhaus.





