Wenn Oliver Peuker trifft, dauert es oft nicht lange, bis sich sein Handy meldet. Dann kommt eine Nachricht aus Michigan. Mehr als 7000 Kilometer entfernt verfolgt ein Mann die Spiele des Weidaer Torjägers ganz genau.

Zuletzt hatte Stefan Scholl gleich zweimal Grund zur Freude. Beim 3:1-Sieg des FC Thüringen Weida im Spitzenspiel gegen Schott Jena traf Peucker doppelt. Nun folgt am Sonnabend, 14 Uhr, das Derby in Neustadt/Orla.

Der 26-Jährige lebt in Leipzig, rund 100 Kilometer von Weida entfernt, arbeitet im Schichtdienst am Flughafen bei DHL. Trotzdem geht er inzwischen in seine fünfte Saison beim Thüringenligisten.

In Petoskey begann eine besondere Freundschaft

Mit 15 oder 16 Jahren verbrachte Peuker ein Austauschjahr in Petoskey im US-Bundesstaat Michigan. Er lebte bei Stefan und Kim Scholl. „Ich hatte Riesenglück mit meiner Gastfamilie. Die haben mich in allen Belangen unfassbar unterstützt.“

Peucker spielte dort Fußball und Eishockey, dazu betrieb er Leichtathletik. „Ich würde schon sagen, dass ich durch dieses Jahr klarer im Kopf geworden bin.“

Der Kontakt ist bis heute eng. Peuker war seitdem viermal wieder bei seiner Gastfamilie, die Scholls mehrfach in Deutschland. Mit Stefan telefoniert er regelmäßig. Vor jedem Spiel wünscht dieser ihm Glück, dank Ergebnisticker bekommt er auch die Tore mit. „Wenn ich ein Tor schieße, schreibt er mir und schickt mir einen Screenshot.“

Oliver Peuker (rechts) ist kaum zu halten. Sein Markenzeichen: Das Stirnband und der außergewöhnliche Torinstinkt.
Oliver Peuker (rechts) ist kaum zu halten. Sein Markenzeichen: Das Stirnband und der außergewöhnliche Torinstinkt.© René Röder

Eine Stunde hin, eine Stunde zurück

Etwa eine Stunde fährt Peuker aus Leipzig zum Training, eine weitere zurück. Deshalb trainiert er nur einmal pro Woche mit der Mannschaft und hält sich ansonsten selbst fit. Warum dieser Aufwand? „Weil der Verein und die Truppe mir viel geben. Es passt einfach alles.“

Oliver Peukers Weg führte über die A-Junioren des FSV Zwickau nach Ehrenhain. In Zwickau stieg er mit der A-Jugend in die Regionalliga auf und absolvierte zwei Testspiele mit der ersten Mannschaft. Nach drei Jahren in Ehrenhain kam er nach Weida. „Man sieht hier richtig, wie sich jedes Jahr mehr entwickelt und noch einmal eine Schippe draufgelegt wird.“

Vom Außenbahnspieler zum Torjäger

Dabei war Peuker ursprünglich kein Mittelstürmer. „Ich habe früher immer auf der Außenbahn gespielt.“ Nach einer längeren Verletzung herrschte im Angriff Not am Mann. Peucker rückte ins Zentrum – „und seitdem treffe ich“.

Oliver Peuker (links, hier beim 11:0-Test in Apolda gegen Nadi Daouda Cissé) wechselte von der Außenbahn in die Mitte. Damit erlangte er seine Torgefahr nach einer langen Verletzung zurück.
Oliver Peuker (links, hier beim 11:0-Test in Apolda gegen Nadi Daouda Cissé) wechselte von der Außenbahn in die Mitte. Damit erlangte er seine Torgefahr nach einer langen Verletzung zurück.© René Röder

Zweimal wurde er Torschützenkönig der Thüringenliga, erzielte 24 und 23 Treffer, zuletzt waren es 15. Trotzdem sieht er sich nicht als klassischen Neuner. „Ich bin eher so ein Achter-Zehner-Typ. Ich fühle mich wohl, wenn ich den Ball in den Fuß bekomme und mit dem ersten Kontakt etwas lösen kann.“

In dieser Saison stehen nach sieben Spielen sechs Tore und fünf Vorlagen. Insgesamt hat Peuker in seinem siebten Thüringenliga-Jahr 92 Treffer erzielt. Die 100 rückt näher. Sein persönliches Ziel: „Über 15 Tore und zehn Vorlagen.“ Trotzdem gilt: „Wenn es mal ein Assist ist und kein Tor, ist das auch nicht schlimm. Team an erster Stelle.“

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„Auf Platz vier habe ich keinen Bock mehr“

Wichtiger als persönliche Marken ist ihm Weidas Abschneiden. „Es wäre schon gut, wenn wir in die Medaillen kommen. Die letzten vier Jahre war es immer Platz vier – und da habe ich jetzt, um ehrlich zu sein, keinen Bock mehr drauf.“

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Ob sogar mehr möglich ist, will Peuker noch nicht beurteilen. Die Duelle mit den Top-Teams werden zeigen, „wie gut wir tatsächlich sind und vor allem auch, wie frei wir im Kopf sind“.

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Ein Aufstieg ist deshalb kein konkretes Thema. Peuker sagt sogar: „Die Oberliga bringt uns nichts.“ Gemeint ist vor allem das Umfeld: In der Thüringenliga gibt es viele Derbys, kurze Wege und zahlreiche Zuschauer aus der Region. Sportlich sieht er die höhere Klasse dennoch als Herausforderung. Alles Weitere müssten andere entscheiden – auch finanziell.

Jetzt zählt Neustadt/Orla. Trifft Peuker auch dort, ist die nächste Nachricht aus Michigan wohl nur eine Frage der Zeit.