Auswärtssieg – Rot-Weiß Erfurt beendet in Sandersdorf 17-monatige Leidenszeit

Sandersdorf.  Der FC Rot-Weiß Erfurt schafft mit dem 3:0 in Sandersdorf den ersten Auswärtssieg seit 17 Monaten.

Die Erfurter Mannschaft feiert mit den ca. 500 mitgereisten Erfurter Fans den Sieg in Sandersdorf.

Die Erfurter Mannschaft feiert mit den ca. 500 mitgereisten Erfurter Fans den Sieg in Sandersdorf.

Foto: Frank Steinhorst-Pressefoto

Vier große Fahnen wirbelten durch die Luft, unzählige Banner hingen über dem Geländer der Gegentribüne, nach dem Schlusspfiff jubelten sie den Spielern zu. Wieder hatten knapp 400 Anhänger den FC Rot-Weiß Erfurt zu einem Auswärtsspiel begleitet. Aber wie es sich anfühlt, mit einem Sieg die Heimreise anzutreten, kam manch Fan gar nicht mehr in den Sinn. Das 3:0 (1:0) bei Union Sandersdorf jedoch beendete eine lange Leidenszeit.

„Vom Ergebnis her bin ich zufrieden. Wie wir gespielt haben, eher nicht. Da müssen wir uns noch gehörig steigern“, sagte Trainer Manuel Rost sachlich-nüchtern fern jeglicher Euphorie, als die schwarze Auswärtsserie gebrochen war. Am 28. April 2019 gelang dem FC Rot-Weiß Erfurt mit dem 1:0 im Regionalliga-Kick in Bischofswerda, also vor 17 Monaten, der letzte Punktspielerfolg in einem fremden Stadion.

Die große Fanschar des FC Rot-Weiß sorgte auch bei Sandersdorfs Zeugwart Erhard Schreiber für Erinnerungen an alte Zeiten. Der 70-Jährige stammt aus Großrudestedt und besaß bis 1990 sogar eine Dauerkarte bei Rot-Weiß, obwohl er schon zwölf Jahre zuvor wegen der Arbeit und der Liebe in die Chemieregion gezogen war.

Erfurt nutzt Fehler des gegnerischen Torwarts

Auf dem Platz war es ein weiterer Ex-Erfurter, der den ersten Akzent setzte. Ausgerechnet der gebürtige Meininger Stefan Raßmann, einst im Nachwuchs des FC Rot-Weiß ausgebildet und mit seinen 1,68 Meter einer der kleinsten Akteure auf dem Feld, tauchte urplötzlich brandgefährlich vor dem RWE-Tor auf (8.). Das ärgerte Trainer Rost gewaltig: „Das darf nicht unser Anspruch sein.“

Erfurt aber erwies sich dennoch als die technisch versiertere Mannschaft und nutzte einen kapitalen Fehler des gegnerischen Torwarts. Dessen ungenaues Zuspiel landete in den Erfurter Reihen. Hedy Chaabi nahm die Einladung dankend an, flankte in den Strafraum, wo Ballo Abou per Kopf traf (14.).

Normalerweise hätte schon vor dem Wechsel eine Vorentscheidung fallen können. Aber der völlig freigespielte Artur Mergel schob den Ball nicht nur am Torhüter sondern auch am linken Pfosten vorbei ins Toraus (25.). „Der erste Gedanke ist meistens richtig. Ich wollte den Ball über den Torwart chippen. Dann habe ich mich für die linke Ecke entschieden, das war ein Fehler.“

Verletzungssorgen bei Rot-Weiß

Später jedoch war er im genau richtigen Augenblick zur Stelle und quittierte seinen ersten Saisontreffer im RWE-Trikot mit einem Jubelschrei und geballten Fäusten. Den 17-Meter-Freistoß von Bedirhan Sivaci verlängerte der 23-Jährige mit dem Kopf ins lange Eck (49.). Hedy Chaabi machte mit dem 3:0 (54.) endgültig den zweiten Saisonsieg und den Sprung auf Tabellenplatz acht klar.

Grenzenlose Euphorie herrschte dennoch nicht im RWE-Lager. Der Sieg könnte teuer erkauft sein. Donny Bogicevic musste schon nach 27 Minuten mit einer Zerrung vom Feld. Kurz vor Schluss wurde der eingewechselte Patrick Aguilar Alvarez von Maximilian Schnabel, der sofort Rot sah, von den Beinen geholt. Mit einer schweren Prellung des rechten Fußgelenks, so die erste Diagnose, humpelte auch er vom Feld. Und schon am Mittwoch geht es zum sieglosen FC Carl Zeiss Jena II.