An diesem Wochenende hätte der SV Schott Jena den Meistertitel theoretisch schon perfekt machen können. Das hoben sich die Männer von Trainer Christian Kummer dann durch ein 3:3 beim FSV Schleiz erst einmal auf. Nun braucht es noch zwei Siege oder einen Arnstädter Patzer. Dann reichte ein Unentschieden aus den letzten vier Begegnungen. Was trotzdem klar ist: der Verein wird in jedem Fall den möglichen Aufstieg in die Oberliga nicht wahrnehmen. Beim Tabellenführer der Fußball-Thüringenliga überwogen wirtschaftliche und organisatorische Bedenken. „Die Entscheidung steht. Wir haben lange überlegt, diskutiert und auch den Rat des NOFV eingeholt“, erklärte Fußball-Abteilungsleiter Robert Gering. „Der Hauptgrund bleibt der finanzielle Aspekt. Sportlich hätten wir das den Spielern und dem Trainer gegönnt, wir müssten viel zu viel in anderen Bereichen kürzen. Auch wenn die Mannschaft gern aufsteigen würde: Der Verzicht ist eine Vernunftentscheidung.“

Nach Angaben des Vereins sei die Entscheidung keineswegs vorschnell gefallen. Intern habe man sämtliche Szenarien geprüft – gemeinsam mit der Mannschaft und zuletzt auch im Austausch mit dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV), der vor einer Woche vor Ort in Jena war. Vor allem die Sicherheitsauflagen und die steigenden Kosten des Oberliga-Spielbetriebs hätten letztlich den Ausschlag gegeben. Danach wurde offiziell beim NOFV der Aufstiegsverzicht erklärt.

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„Allein die Busfahrten würden sich auf etwa 16.000 Euro summieren. Dazu kommen hohe Schiedsrichterkosten – teilweise 600 bis 700 Euro pro Spiel. Das ist für kleinere Vereine kaum zu stemmen. Außerdem müssten wir mit drei oder mehr Sicherheitsspielen rechnen“, sagte der 47-jährige Jenaer.

Zehn Stunden unterwegs für ein Spiel

Hinzu kommen enorme zeitliche Belastungen. „Die Entfernungen sind zu groß. Man ist teilweise zehn Stunden unterwegs für ein Spiel. So ist das für viele Vereine einfach nicht machbar, besonders bei Spielen unter der Woche, wenn Spieler noch arbeiten oder studieren“, schilderte Gering die Realität im Oberliga-Alltag.

Ein Umzug in die „ad hoc arena“ wäre aus Sicht des Vereins organisatorisch wie finanziell kaum zu stemmen. Zudem verweist Gering auf mögliche Risiken rund um einzelne Begegnungen: „Man muss auch beachten, dass Vereine zu uns kommen, die möglicherweise Rivalitäten zu Zeiss-Fans heraufbeschwören könnten.“

Schotts Nils Miatke (rechts) bedrängt den Arnstädter Dustin Messing. Beide Top-Teams der Thüringenliga steigen nicht in die Oberliga auf.
Schotts Nils Miatke (rechts) bedrängt den Arnstädter Dustin Messing. Beide Top-Teams der Thüringenliga steigen nicht in die Oberliga auf.© René Röder

Wie schwierig die Anforderungen im höherklassigen Fußball seien, verdeutlichte Gering mit einem Beispiel aus der Vergangenheit: „Ich erinnere mich an ein Spiel von uns in der Oberliga gegen Lok Leipzig. Die Polizei hat die Absicherung abgelehnt, wir sollten das übernehmen. Es hätte den Verein 18.000 Euro Security-Kosten gekostet. Da haben wir lieber eine Strafe von 6000 Euro in Kauf genommen und sind in Jena nicht angetreten. Das zeigt, wie absurd manche Anforderungen sind.“

Oberliga würde Etat massiv belasten

Der zusätzliche Aufwand hätte den Mehrspartenverein ohnehin stark belastet. „Wir haben 14 Abteilungen, da können wir als Fußballer nicht aus der Reihe tanzen – da muss das Geld fair verteilt werden. Fußball ist zwar der größte Posten, aber eben nicht der einzige“, betonte Gering. Ohne einen weiteren größeren Sponsor ausschließlich für die Fußball-Abteilung sei das Projekt Oberliga derzeit nicht realisierbar. Gerade in Jena sei die Konkurrenz um finanzielle Unterstützung groß – insbesondere durch den FC Carl Zeiss Jena und Basketball-Bundesligist Science City.

Der finanzielle Mehraufwand schrecke ab. „Zusätzlich wären mindestens 30.000 Euro zum bestehenden Etat nötig – und das über mehrere Jahre abgesichert“, so Gering.

Fußball-Thüringenliga: FC Thüringen Weida - SV Schott Jena 1:2
Schott-Trainer Christian Kummer hat bei Schott viel bewegt. Die Jenaer sind auf Meisterkurs der Thüringer Eliteliga. © René Röder

Trotz des Aufstiegsverzichts will der Verein die bislang herausragende Saison gebührend würdigen. Der vierte Thüringer Meistertitel nach 1997, 2009 und 2013 soll gefeiert werden – verbunden mit einem optimistischen Blick nach vorn.

„Die Mannschaft bleibt weitestgehend zusammen. Nur Benno Walter wird nach Angeboten aus der Regionalliga wohl nicht zu halten sein“, sagte Gering. Der erst 18-jährige Angreifer, der vor der Saison vom FC Thüringen Jena zu Schott wechselte, hat sich mit starken Leistungen in den Fokus gespielt. Vier Spieltage vor Saisonende führt Walter die Torjägerliste der Thüringenliga mit 27 Treffern in 23 Spielen deutlich an – 13 Tore vor dem Zweitplatzierten. „Er ist ein junger Spieler. Wir werden ihm keine Steine in den Weg räumen, wenn er die Chance bekommt, höherklassig zu spielen“, so Gering weiter.

Ziel Oberliga bleibt – aber nicht jetzt

Gleichzeitig schließt der Funktionär nicht aus, dass der Verein mittelfristig doch noch den Schritt in die Oberliga wagt – wenn die Voraussetzungen stimmen. „Das Ziel bleibt auch irgendwann wieder die Oberliga, aber eben nicht jetzt.“

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Grundsätzlich sieht Gering jedoch strukturelle Probleme in der Spielklasse. „Die Oberliga ist wenig attraktiv und durch die Reise- und Schiedsrichterkosten auch zu teuer.“ Die zunehmenden Aufstiegsverzichte anderer Vereine sind ein deutliches Signal dafür.