Ein bisschen Eisenach hier, ein wenig Eisenach da: Der Oberliga-Saisonauftakt zwischen dem Blau-Weiß Goldbach/Hochheim und dem Gast vom VfB TM Mühlhausen lebte beim 30:27-Sieg der Gastgeber von reichlich ThSV‑Flair. Gleich drei aus der Wartburgstadt gekommene Spieler gaben ihren Einstand und wurden auf Anhieb zu Schlüsselfiguren auf dem Parkett der Nessetalhalle.
Sonderlob von Trainer Kohls
Eine der Hauptrollen übernahm dabei Julius Brenner, der das Geschehen anfangs noch von der Bank verfolgte. Als ihn Goldbachs Trainer Christopher Kohls beim Stand von 7:7 aufs Feld schickte, zündete der 25-Jährige sofort. Alle fünf Treffer bis zum 12:10-Pausenstand gingen auf das Konto von Brenner, der nach dem Wechsel seine Ausbeute auf zehn Tore aufstockte. „Julius war unser überragender Mann heute im Angriff“, lobte Kohls seinen Neuzugang.
Der Rückraumspieler war oft nur durch Fouls zu bremsen und hatte sichtlich Spaß am Torewerfen. „Es hat heute zweifelsohne Lust auf mehr gemacht“, sagte Brenner. Zwar habe man noch nicht viele gemeinsame Trainingseinheiten mit Goldbach absolviert, doch dafür brachte die ThSV-Connection ihre eigenen Elemente ein. Allen voran mit dem Kempa-Trick, der dreimal funktionierte.

Qendrim Alaj serviert für drei Kempa-Tore
Lanciert von Qendrim Alaj, schlossen zweimal Brenner und einmal Jonas Höfner im Flug erfolgreich ab. Spielmacher Alaj, der vor einigen Jahren bereits im Nessetal aktiv war, zog geschickt die Fäden und setzte seine Mitspieler mitunter per No-Look-Pass in Szene. Derweil packte der 42-jährige Duje Miljak, einst Bundesligaspieler des ThSV, hinten ordentlich zu und erzielte nach einem Abpraller den wichtigen Treffer zum 26:24 (55.).
Der vierte Neue im Goldbacher Trikot, Torhüter Max Schmidt-Röh, kam aus Werratal und konnte ebenfalls überzeugen. „Max im Tor war heute, würde ich sagen, der zweitbeste Mann“, befand Kohls. „Er hat sich gesteigert, der war richtig gut.“
Goldbach lässt den VfB noch einmal hoffen
Den Sieg musste sich Goldbach gegen nie aufgebende Mühlhäuser zäh erarbeiten. Dabei lagen die Blau-Weißen zwischenzeitlich schon mit fünf Toren in Führung (19:14/41.). „Es waren dann zu viele einfache Fehler. Vorn haben wir nicht gut abgeschlossen und die Abwehr war teilweise zu langsam“, analysierte Brenner die kritische Phase. Mühlhausen nahm die Einladung dankend an.
Dass Mühlhausen überhaupt so lange an der Überraschung schnuppern durfte, lag an einem anderen Ex‑Eisenacher. An Torhüter Adrian Winkler, der mit seinen Paraden besonders die Goldbacher Außenspieler schier zur Verzweiflung brachte.

Komplettiert wurde das Eisenacher „Klassentreffen“ durch Mühlhausens neuen Coach Marcus Grna, der einst beim ThSV das Handballspielen erlernt und später deren Frauenteam trainiert hat. Trotz der Niederlage war er keineswegs geknickt: „Ich bin positiv überrascht. Wir haben sehr gut mitgehalten und viel Mut für die nächsten Wochen geschöpft.“ Was für Zählbares gefehlt habe? Grna: „Drei, vier Mann mehr auf der Bank.“
Jugend stürmt an die Spitze
Der ThSV Eisenach II ist erster Tabellenführer der neuen Saison in der Handball-Oberliga. Die nach dem Abstieg stark verjüngten Wartburgstädter feierten gegen den SV Hermsdorf mit dem 37:28 (16:14) einen unerwartet klaren Sieg. „Wir haben uns von einer robust spielenden Hermsdorfer Mannschaft nicht beeindrucken lassen, unser Spiel durchgezogen und einen 9-Tore-Sieg gelandet. Auf die große Rotation habe ich noch verzichtet“, erklärte ThSV-Coach Mark Dragunski nach dem Abpfiff. Sieggaranten waren Marec Stupka und Joel Juhnke mit jeweils neun Toren. Auch die Wölfe Erfurt kamen mit dem 32:24-Heimsieg gegen Ronneburg optimal aus den Startlöchern, wobei Tim Strzala mit 13 Toren brillierte. Auswärts jubelte der HSV Weimar. In Ziegelheim machte Neil Thimm mit seinem neunten Treffer den 33:32‑Erfolg perfekt. Dagegen reichte es für den Vorjahresdritten HSG Werratal bei Aufsteiger Sonneberger HV nur zu einem 25:25.
Goldbacher Vorbereitung mit Ausdauer-Ass
Beim 27:28 durch Moritz Rahn war 80 Sekunden vor Ende noch alles möglich. Doch Goldbach hatte noch etwas mehr zuzusetzen. Vielleicht machte sich dabei auch die harte Vorbereitung bezahlt, in der Ausdauerläufer Marcel Krieghoff den Gastgebern ordentlich Kondition eingetrichtert hatte. Marc Wellendorf verwandelte einen Siebenmeter, ehe Brenner mit seinem zehnten Treffer den Deckel draufmachte. Sein Wechsel vom ThSV, wo die Zweite neuerdings eine U23 ist, sei kurzfristig zustande gekommen. Goldbach passe perfekt, auch weil sich bei ihm privat einiges verändert habe. Viel Zeit stecke er aktuell nämlich in die Renovierung des gekauften Hauses. Zweimal Training pro Woche statt viermal beim ThSV kommen ihm dabei entgegen.
Nur an eine Sache muss sich der Zehn-Tore-Mann noch gewöhnen: „Das Einzige, was ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist, dass hier ohne Harz gespielt wird.“



