„Es bleibt dabei: Wir müssen zwei Spiele gewinnen.“ Blombergs Trainer Steffen Birkner bemühte einen Satz von Herbert Müller aus der vergangenen Woche. Der THC-Coach schwärmte von der grandiosen Stimmung und einem Riesenspiel beider Teams in der Handball-Bundesliga. Und Johanna Reichert atmete nach dem Halbfinal-Spektakel am Sonntag zwischen ihrem Thüringer HC und der HSG Blomberg-Lippe kurz durch. „Gottseidank haben wir es geschafft“, sagte sie nach dem Last-Minute-Sieg (29:28; 14:15). „Es gibt noch eine Chance, dass ich hier noch einmal spielen darf.“
Es hätte in der Salza-Halle das letzte Spiel der Torgarantin im Trikot des Thüringer HC sein können. Und es kann noch immer das letzte Heimspiel für sie in fünf THC-Jahren gewesen sein. Auf jeden Fall wird das zweite Halbfinalspiel, in dem ihr Team ein drittes Entscheidungsspiel gegen die HSG Blomberg-Lippe erzwungen hat, der Österreicherin als Meilenstein in Erinnerung bleiben.
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Showdown am Samstag: Matchball für beide
Ein Versuch genügte, der erste Siebenmeter saß. Schon strahlte Hans-Joachim Steinbach von der Tribüne. Er schreibt Berichte für den Verein, führt seit Jahren die Statistik aller Spielerinnen und hatte einen kleinen Pokal für das tausendste Tor dabei. Dreimal schon spendierte er eine solche Trophäe. Iveta Koresova (geb. Luzumova), Katrin Engel sowie Lydia Jakubisova bekamen sie, nachdem sie sich mit Toren jenseits der Tausendermarke in der THC-Geschichte verewigt hatten. Mit ihrem verwandelten Siebenmeter zum 4:3 (5.) warf sich nun Johanna Reichert in den erlesenen Kreis. So schnell wie der 24-Jährigen war das keiner anderen Spielerin beim Club aus Bad Langensalza gelungen. In 161 Einsätzen warf sie 1010 Tore.

Die Quote ist phänomenal. In 26 Pflichtspielen in dieser Saison hatte sie im Durchschnitt zehn Treffer erzielt. Es gilt fast schon als Redewendung, dass der THC gewinnt, wenn „Jojo“ zweistellig abliefert. Zumindest durfte das Ergebnis in dem packenden Halbfinale als Beleg dafür herangezogen werden. Nach dem Siebenmeter folgten zehn weitere Treffer der Blondine und am Ende Riesenjubel. Der THC bleibt im Geschäft um die Deutsche Meisterschaft. Am Samstag (17 Uhr) heißt es im Duell zwischen Blomberg und den Thüringerinnen: Matchball für beide. Das erste Spiel hatte Blomberg 31:25 (13:10) gewonnen.
Zwischen Nervenflattern und Riesenjubel
Dass der Sonntag ein besonderer Tag werden könnte, hatte die im Sommer zu Bistrita in Rumänien wechselnde Österreicherin geahnt. Weil es der letzte Auftritt in der Salza-Halle hätte sein können, war die Nervosität größer. Ihre Mutter war da, um zuzuschauen. „Ich dachte, dass ich cooler bin“, erzählte Reichert. In den letzten Minuten der wilden zweiten Halbzeit habe sie angesichts der Dramatik mitgezittert.
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Ausgerechnet die sonst cool treffende Rückraumspielerin zeigte Nerven. Den siebten Strafwurf hielt Lara Lepschi. „Hätte ich den letzten Siebenmeter getroffen, dann hätten wir weniger zittern müssen. Aber besser ich verkacke es als die anderen.“ „Jojo“ spielte auf den Fehlwurf beim Stand von 28:27 knapp drei Minuten vor Schluss an. „Aber das ist Handball, der geilste Sport der Welt“, freute sie sich ebenso riesig, dass Lotta Heider mit ihrem Heber zum 29:28 und eine nach der Pause herausragende Laura Kuske mit ihrer Glanztat den Sieg gesichert hatten.

Ein Abschied, der keiner sein soll
Die Abwehrreihen hatten sich einen erbitterten Kampf geliefert. „Unglaublich, auf welchem Level beide Mannschaften bis zum Schluss gefightet haben. Ich bin glücklich, dass wir dieses dritte Spiel erzwungen haben“, lobte Herbert Müller. Der THC-Trainer hob die fantastische Stimmung hervor. Mit durchgehendem Sieben-gegen-Sechs volles Risiko zu gehen hatte sich ausgezahlt. „Wir wussten, wir brauchen etwas Außergewöhnliches, und es ist ein außergewöhnliches Spiel entstanden“, schwärmte er.
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Den Abschied nach fünf Jahren machen Gänsehautmomente wie diese für Johanna Reichert keinesfalls leichter. „Es war die beste Entscheidung, nach Deutschland zum THC zu gehen. Und es war eine sehr harte Entscheidung, nach fünf Jahren zu gehen. Ich habe mich von Beginn an hier wohlgefühlt und jedes Spiel genossen. Egal, ob es schwere Zeiten waren oder gute. Eigentlich will ich nicht gehen. Aber ich habe Träume, die ich erfüllen möchte. Ich möchte halt sehen, was geht“, erklärte sie.
Doch über Abschied mochte Johanna Reichert nicht reden. Die Chance besteht, in die Finalserie gegen Dortmund mit womöglich zwei Heimspielen einzuziehen. Dijon lockt mit dem Final Four der European League. „Es kommen noch geile Spiele.“





