Der schwarz-roten Bundesregierung stehen komplizierte Wochen bevor: Der vielfach ausgerufene „Herbst der Reformen“ wird zeigen, ob das Bündnis von Union und SPD die Kraft hat, die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen. Es ist absehbar, dass die Debatten Nerven kosten werden, Streit scheint vorprogrammiert. Gut möglich, dass ein bisschen Humor am Kabinetttisch nicht schaden kann, um die größten Spannungen zumindest zu lindern.
Und so war der Freitagvormittag im Regierungsviertel sinnbildlich: Während Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in die Bundespressekonferenz geladen hatte, um ihre eingesetzte Kommission zur Reform der Krankenkassen vorzustellen, veranstaltete Forschungs- und Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) nur wenige hundert Meter entfernt ein Treffen, das weitaus weniger schwerwiegend war als das ihrer Kollegin: Im Wissenschaftsmuseum Futurium gab der Aachener Karnevalsverein bekannt, dass Bär im Januar den Orden wider den tierischen Ernst verliehen bekommt. Für die Närrinnen und Narren der fünften Jahreszeit ist der Orden eine wichtige Auszeichnung – und mit Bär wird eine Ministerin ausgewählt, die sich ohnehin gerne in Schale wirft.

Dorothee Bär sorgte bereits mit Verkleidungen für Aufsehen
Für Aufsehen sorgte sie etwa 2019 beim Deutschen Computerspielepreis, als sie neben Andreas Scheuer (CSU) mit Laserschwert im Latex-Kostüm zwischen Star Wars-Figuren posierte. Bei der Fastnacht in Franken im Jahr 2020 war sie als Kaiserin Sissi unterwegs. Ob die Raumfahrtministerin in Aachen als Astronautin verkleidet ihre Büttenrede im Narrenkäfig halten wird? Das passende Kostüm hätte sie jedenfalls parat: Schon beim „Bayrischen Mondgipfel“ in diesem Jahr präsentierte sie sich im Astronauten-Look.

Bär wird den 76. Orden entgegennehmen, aber erst die neunte Frau sein, die die Auszeichnung erhält. Die letzte Ritterin war Annalena Baerbock (Grüne) vor zwei Jahren gewesen, ehe zuvor unter anderem Iris Berben und Julia Klöckner (CDU) ausgezeichnet wurden. Am Kabinettstisch werden künftig gleich drei Ritter vertreten sein: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erhielt die Auszeichnung im Jahr 2006, Bärs direkter Vorgänger ist Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), der entsprechend die Laudatio auf Bär halten wird.
Bär sei eine „Politikerin, die mit Humor und Menschlichkeit eine klare Haltung verbindet“, begründete Wolfgang Hyrenbach, Präsident des Aachener Karnevalvereins, die Entscheidung für Bär. Sie nutze Humor, weil er helfe, Sachverhalte anders zu vermitteln. Bär selbst bedankte sich, dass sie als Fränkin „zu Ihnen kommen darf.“

Auch Markus Söder war schon Ordensritter
Die Liste der Vorgänger, die den als deutschen Kulturpreis anerkannten Orden erhielten, ist prominent, Konrad Adenauer und Helmut Schmidt sind darunter. Bär, „als alter Faschingsfan“, wie sie sich bezeichnete, würdigte aber einen anderen Vorgänger: „Es ist eine besonders große Ehre in meiner Partei Markus Söder nachzufolgen“, sagte sie. Söder, der sich immer wieder aufwendig verkleidet, hatte den Orden 2016 erhalten.



