Sinkende Verkäufe in wichtigen Automärkten, Kostendruck im Inland, zurückhaltende Verbraucher mit Blick auf die Elektromobilität und immer wieder Debatten um politische Vorgaben – Deutschlands Autoindustrie erhofft sich vom Auto-Gipfel an diesem Donnerstag im Bundeskanzleramt auch Klarheit und vielleicht sogar Rückenwind. Es müsse unter anderem darum gehen, wie dem deutschen Markt für E-Mobilität Schwung verliehen werden könne, ließ die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, vorab in einem Statement wissen. Doch der schleppende Hochlauf der Stromer im Inland ist nicht das einzige Thema, das der Branche hierzulande Sorgen macht.

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Deutschland Autoindustrie – das war mal eine Vorzeigebranche. Nachgefragte Modelle in der ganzen Welt, führende deutsche Ingenieurskunst bei Technik, Beschäftigungsaufbau mit positiven Folgen für die Finanzen in Bund, Ländern und Kommunen. Mittlerweile befänden sich Hersteller und auch Zulieferer aber in einer deutlichen Abwärtsspirale, sagte der Automobilexperte Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft (IfA) dieser Redaktion.

Auto-Gipfel: Drei Herausforderungen, die es der Branche in Deutschland schwer machen

„Deutsche Hersteller verlieren in nahezu allen Weltregionen Marktanteile, besonders deutlich in China, wo sie in den vergangenen Jahren von führenden Anbietern zu Nachzüglern geworden sind. Gleichzeitig sinken die Margen spürbar, weil steigende Energiepreise, hohe Lohnkosten und aufwendige Softwareentwicklungen die Kosten – und damit die Fahrzeugpreise – in die Höhe treiben“, so Reindl mit Blick auf die Lage. Es müsse jetzt darum gehen, die Abwärtsspirale zu durchbrechen. Jedoch belasten die Branche gleich mehrere ungelöste Herausforderung.

Erstens: Der Hochlauf der Elektromobilität läuft weiterhin nur schleppend. Fatal ist das deshalb, weil sowohl VW, Mercedes & Co. als auch Zulieferer wie Continental und Bosch Milliarden in Werke, neue Technologien und Produktionsprozesse investiert haben. Weil die Nachfrage aber deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt, steht bundesweit nun der Abbau Zehntausender Jobs bevor.

Auto-Gipfel: Regierung wird an ihre Grenzen stoßen

Zweitens: Im Inland und der Europäischen Union hat sich ein teuflischer Cocktail aus Regularien, bürokratischen Vorgaben und hohen Kosten gebildet, der nicht nur die Unternehmen der Automobilbranche lähmt. Man hadert mit der eigenen Wettbewerbsfähigkeit, weil Energie hierzulande deutlich teurer ist als an anderen Standorten, Steuern und Sozialabgaben weiter gestiegen sind und eigentlich geltende Rahmenbedingungen wie das Verbrenner-Aus immer wieder in Zweifel gezogen werden. Und Drittens belasten die von Trump verhängten Zölle auf Autoimporte in die USA weiter.

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Friedrich Merz (CDU) wird mit seiner Regierung nur einen Teil davon lösen können – wenn überhaupt. „Vom Auto-Gipfel im Kanzleramt sind keine Wunder zu erwarten“, so Reindl mit Blick auf das Treffen an dem neben Merz unter anderem auch die Minister Lars Klingbeil (Finanzen), Bärbel Bas (Arbeit, beide SPD) und Katherina Reiche (Wirtschaft, CDU) sowie IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Volkswagen-Chef Oliver Blume teilnehmen sollen.

Auto-Gipfel: Ein Punkt ist innerhalb der Koalition besonders umstritten

Innerhalb der Koalition ist man sich zumindest grundsätzlich einig, noch mehr tun zu wollen. Finanzminister Klingbeil brachte zuletzt ins Spiel, die Kfz-Steuerbefreiung für Elektroautos bis 2035 verlängern zu wollen. Das war bereits im Koalitionsvertrag vorgesehen. Längst beschlossen sind bessere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für E-Dienstwagen. Als Knackpunkt gilt hingegen der Umgang mit dem geplanten Verkaufsverbot für Neuwagen in der EU ab 2035. Merz will dieses Verbot kippen, weil es vor allem den deutschen Herstellern schade. Die SPD, allen voran Umweltminister Carsten Schneider, stellte sich in dieser Woche quer. Aus der Koalition heißt es nun, die Sache müsse „auf höchster Ebene“ besprochen werden. Ausgang offen.

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Ökonomen sind sich mit Blick auf das Verbrenner-Aus nicht gänzlich einig. „Es ist durchaus sinnvoll, Fehler wie das Verbrennerverbot zu korrigieren“, sagte der Chef des ifo-Instituts Clemens Fuest dieser Redaktion. Anders sieht es die Wirtschaftsweise und Vorsitzende des Sachverständigenrates für Wirtschaft (SVR), Monika Schnitzer. Die Top-Ökonomin verwies gegenüber unserer Redaktion darauf, dass es deutsche Autobauer mittlerweile fertiggebracht hätten, konkurrenzfähige E-Auto-Modelle auf den Markt zu bringen, jedoch die Nachfrage weiterhin zurückhaltend bleibe.

Auto-Gipfel: Top-Ökonomin fordert vor allem Maßnahmen für die E-Mobilität

„Auch, weil die Politik den konsequenten Wechsel immer wieder in Frage stellt. Das verunsichert alle, die sich ein neues Auto kaufen wollen. Und ist schlecht für all die Hersteller, die schon umfangreich in die neuen Technologien investiert haben“, erklärte Schnitzer. Vom Auto-Gipfel erhofft sich die Top-Ökonomin daher auch klare Bekenntnisse zu den Emissionszielen und der Transformation zur Elektromobilität. „Wichtig wäre es, den Betrieb der E-Autos, etwa beim Laden, verlässlich günstiger zu machen. Durch Wettbewerb an den Ladestationen, mit transparenten Gebühren, ohne App-Zwang und mit einheitlichen Standards“, sagte sie weiter. Laden müsse so simpel werden wie Tanken, damit auch die Kunden überzeugt würden, die nicht zu Hause oder im Betrieb laden könnten.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) pochte gegenüber dieser Redaktion auf „ein ganzheitliches Denken und eine sozialverträgliche Mobilitätswende – und nicht nur einen Autogipfel nach dem anderen“, erklärte dessen Vorsitzende Michaela Engelmeier. „Die Mehrheit kann sich – wenn überhaupt – höchstens alle zehn Jahre ein neues Auto leisten und die E-Mobilität birgt für die meisten Menschen eher Unsicherheiten als Chancen“, betonte sie. Zudem sei spätestens seit dem Politikwechsel der Ampel in Sachen Förderung für Menschen mit kleinem Geldbeutel ein E-Fahrzeug in weite Ferne gerückt.

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Deutschlands Autobauer hatten im Inland im vergangenen Jahr nur noch 4,11 Millionen Fahrzeuge hergestellt. Damit lagen die Werke knapp 30 Prozent unter dem Spitzenjahr 2016 als 5,75 Millionen Autos hierzulande vom Band liefen. Die Anzahl der Menschen, die für Hersteller und Zulieferer tätig sind, blieb hingegen relativ konstant. Laut VDA zählte die Branche 2024 noch rund 773.000 Beschäftigte, nur acht Prozent weniger als 2018. Zugespitzt heiße das auch, dass hierzulande zu viele Menschen zu wenige Autos bauten, befand Experte Stefan Reindl.