Es war ein bisschen wie früher bei den Produktvorstellungen von Apple-Genius Steve Jobs – eine Art „one more thing”. Elon Musk, reichster Mann der Welt und gerade von den Aktionären seines Tesla-Imperiums mit einem schwindelerregenden Vergütungspaket von einer Billion Dollar ausgestattet, griff im texanischen Austin nach den Sternen. 

Der Multi-Unternehmer zwischen kommerzieller Raumfahrt, sozialen Medien und E-Mobilität kündigte die Massenfertigung eines humanoiden Roboters an, dessen Einsatz-Spektrum durch Künstliche Intelligenz unendlich sei und den Menschen perspektivisch 20 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr schwierige, langweilige, schmutzige und gefährliche Aufgaben abnehmen kann – vom Geschirrspüler-Ausräumen bis zu Logistik – oder Montageaufgaben in der Fabrik. Kostenpunkt: zwischen 20.000 und 30.000 Dollar.

„Optimus wird alles tun können, was Menschen nicht tun wollen”

„Optimus wird alles tun können, was Menschen nicht tun wollen“, sagte Musk in Goldgräber-Tonlage und machte dann die Dimensionen klar: „Optimus wird irgendwann wertvoller sein als alles, was Tesla sonst macht – zusammen genommen.“ Konkret: Schon in wenigen Jahren soll der menschenähnliche Geselle zu 80 Prozent den Unternehmenswert von Tesla ausmachen und ihn auf 25 Billionen Dollar steigern. 

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Bis 2030 könnten jährlich mindestens eine Million Exemplare des „Optimus V 3“ in Tesla-Werken in Fremont/Kalifornien und später Austin/Texas vom Band laufen. Langfristig sieht Musk Milliarden dieser Roboter auf dem Planeten wandeln, die neuronale Netzwerk und Künstliche Intelligenz nutzen, um sich an verschiedene Situationen anzupassen, neue Aufgaben zu lernen und ihre Leistung im Laufe der Zeit ständig zu verbessern.

Einen Termin für die offizielle Markteinführung der „Men in Blech“ für den Privat-Verbraucher nannte er aber nicht.

Elon Musk will bereits 2030 in Tesla-Fabriken jährlich eine Million Roboter produzieren lassen. Angepeilter Stückpreis für den Verbraucher: 20.000 bis 30.000 Dollar.
Elon Musk will bereits 2030 in Tesla-Fabriken jährlich eine Million Roboter produzieren lassen. Angepeilter Stückpreis für den Verbraucher: 20.000 bis 30.000 Dollar.© AFP | BRENDAN SMIALOWSKI

Stattdessen Superlative und Zukunftsmusik mit Science-Fiction-Anklängen: „Optimus wird letztendlich besser sein als der beste menschliche Chirurg, mit einer Präzision, die unmöglich ist, die über das Menschliche hinausgeht.“ Und: „Optimus bedeutet eine Zukunft ohne Armut. Es ist wirklich eine grundlegende Transformation der Zivilisation, wie wir sie kennen.“ Als wichtigstes Motiv für seine Initiative gibt Musk mit Blick auf zurückgehende Geburtenzahlen „Arbeitskräftemangel“ an. 

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Wie sieht die Realität aus? Humanoide Roboter machen nach Angaben von Experten in Washingtoner Denkfabriken auch Dank Künstlicher Intelligenz „große Sprünge – aber noch keine Wunder“. Die führenden Modelle von Herstellern wie Agility Robotics, Sanctuary AI und Boston Dynamics könnten heute sicher gehen, Objekte greifen, Treppen steigen, einfache, sich wiederholende Logistikaufgaben wie Kistenstapeln und Sortieren ausführen und sich in verschiedenen Umgebungen orientieren. Dagegen mangele es nach wie vor an „echter Vielzweck-Autonomie ohne Fernhilfe“, „Akku-Laufzeiten für ganze Schichten“ und „robuste, präzise Sicherheit im Gemischbetrieb mit Menschen“. Letzteres sei der Grund, warum haushaltsnahe Anwendungen, der Roboter als Lebensbegleiter, noch am weitesten entfernt seien.

I, ROBOT
Vor über 20 Jahren zeigte Will Smith in „I, Robot“, im Film, was die Zukunft mit Robotern bedeuten kann. Elon Musk sieht in der nahen Zukunft Millionen dieser Tech-Knechte im Leben der Menschen.© picture-alliance / Mary Evans Picture Library | Rights Managed

Musk startete 2021 mit dem Optimus-Projekt, damals noch als Tesla Bot bezeichnet. Der Roboter werde 1,73 m groß sein, 125 Pfund wiegen, in der Lage sein, 150 Pfund zu heben und 45 Pfund zu tragen, sagte er. Damals gab es noch keinen Prototyp. Ein Mensch in einem Roboter-Bodysuit versinnbildlichte auf der Bühne das ehrgeizige Vorhaben. Schon im vergangenen Jahr servierte Optimus bei einer Show Getränke, spielte Stein-Papier-Schere mit den Gästen und beantwortete Fragen.

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Die Version, die zuletzt die ungelenken Tanz-Bewegungen Musks in Austin imitierte, war noch einen Schritt weiter; und angeblich nicht ferngesteuert. Das ausgereifteste Modell werde „so real wirken, dass man ihn wohl erst einmal anstupsen muss, um zu glauben, dass es sich tatsächlich um einen Roboter handelt“, verspricht Musk.

Musks euphorisches Selbstmarketing steht im Kontrast zu Expertenmeinungen wie der von Rodney Brooks. Der Mitbegründer des Staubsaugerroboters Roomba und ehemalige Direktor der Computer- und KI-Labore am „Massachusetts Institute of Technologie“ (MIT), schreibt in seiner jüngsten Hightech-Prognose, dass ein humanoider Roboter, der „so intelligent, aufmerksam und treu wie ein Hund ist“, nicht vor 2048 auf den Markt kommen wird.

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Der neue Roboter von Boston Dynamics ist voll elektronisch und KI-gesteuert. © Boston Dynamics | Boston Dynamics

Brooks redet davon, dass einige Probleme – etwa die Roboter-Hand – viel schwieriger zu lösen sind als weithin angenommen. „Menschliche Hände verfügen über Tausende von Nervenenden, die den Fingern das nötige Feedback geben, um Werkzeuge zu greifen und zu manipulieren. Maschinen haben das nicht.“ Insider räumen ein, dass es den Konstrukteuren bisher nicht gelungen ist, den für den Menschen wichtigen Tastsinn nachzubilden.

Eine weitere Herausforderung für menschenähnliche Roboter sei das Gehen. Roboter sind auf leistungsstarke Motoren angewiesen, um ihr Gleichgewicht zu halten. Wenn sie umkippen, bekommt alles, was ihnen im Weg steht, einen ordentlichen Schlag mit Metall ab. Heißt: Menschen könnten schwer verletzt werden. Es sei darum nicht überraschend, dass in Roboter-Demo-Videos selten Menschen auftauchen, die eng mit lebensgroßen Laufrobotern interagieren; auch Musk war in Austin viele Meter weit entfernt von Optimus. Brooks: Humanoide Roboter, „die für den Einsatz in Bereichen zertifiziert sind, in denen sich auch Menschen aufhalten“, sind vorerst nicht in Sicht.