Der von einigen europäischen Banken gestartete Bezahldienst Wero soll künftig auch für Online-Einkäufe genutzt werden können. Das kündigt der Betreiber EPI (European Payments Initiative) an. Erste Anbieter seien an Bord, darunter der Discounter Lidl und der Drogeriemarktfilialist Rossmann. Bis Ende des Jahres soll Wero bei 150 Händlern nutzbar sein. „In Deutschland sind die notwendigen Funktionalitäten erfolgreich ausgerollt und technisch stabil“, betont ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV).

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Ab dem kommenden Jahr sollen die Kunden dann voraussichtlich auch an der Ladenkasse mit Wero bezahlen können. Der bereits im Sommer 2024 ins Leben gerufene Bezahldienst ist bisher in Frankreich, Deutschland und Belgien verfügbar. Dort ist er bereits deutlich populärer: Rund 40 Millionen Franzosen und Belgier nutzen das Bezahlangebot über das Smartphone. In Deutschland beteiligt sind neben den Sparkassen unter anderem die Volksbanken, Deutsche Bank und Postbank, die niederländische Großbank ING und seit Juni die Internetbank Revolut. Mit Wero konnte man bislang lediglich Geld zwischen Privatpersonen hin- und herschicken.

Wero: Vor allem eine Sache hielt die Deutschen bislang von Nutzung ab

Insgesamt hat Wero nach eigenen Angaben 43 Millionen Nutzer, davon 1,3 Millionen bei den deutschen Sparkassen. Anwender brauchen im Gegensatz zu einer üblichen Überweisung keine IBAN, sondern eine Handynummer oder Mailadresse. Als wichtiger Grund für die zögerliche Annahme in Deutschland gilt, dass das Angebot bisher nicht für das Bezahlen im Internet einetzbar war.

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Wer im Internet bezahlen will, nutzt bislang vor allem Paypal.© iStock | Petar Chernaev

Der lange erwartete Start im Online-Handel soll der ausbaufähigen Akzeptanz nun Auftrieb geben. Der Abstand zum Wettbewerb ist groß: Allein der US-Zahlungsdienstleister Paypal hat nach eigenen Angaben in Deutschland rund 38 Millionen aktive Kundenkonten. Damit dominiert der amerikanische Zahlungsanbieter bislang das Online-Zahlungsgeschäft. Eine bedeutende Rolle spielt außerdem noch der Kauf auf Rechnung.

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Wero wittert nun vor allem seit diesem August Chancen auf dem deutschen Markt. Der Monat war für Paypal einer zum Vergessen: Erst landeten zahlreiche Kundendaten im Darknet, jenem Teil des Internets, den besonders Gauner gerne nutzen. Dann fielen die Sicherheitssysteme beim US-Konzern aus. Deutsche Banken blockierten daraufhin Zahlungen in Milliardenhöhe, um Betrug zu verhindern.

Wero: Deutsche Banken sind bislang damit gescheitert, eigenen Zahldienst aufzubauen

Die bislang zögernde Annahme von Wero in Deutschland führen Beobachter auch auf technische Kleinteiligkeit zurück. Voraussetzung für die Nutzung ist bislang, dass Zahler und Empfänger ihr Konto bei einer der teilnehmenden Banken haben. Dass Wero in Frankreich und Belgien so viel schneller Fuß gefasst hat als in Deutschland, liegt nach Interpretation der Bankenvertreter aber auch daran, dass es in beiden Ländern stark genutzte Vorgängersysteme für Zahlungen von Nutzer zu Nutzer gegeben habe, die auf Wero übertragen worden seien. Nach Angaben von EPI soll die niederländische Zahlungsplattform iDEAL ab Anfang 2026 schrittweise auf Wero umgestellt werden. Nach eigenen Angaben sind dort 13 Millionen Nutzer registriert. In anderen europäischen Ländern gibt es dagegen eigene Lösungen, in Spanien etwa das nationale Bankenprojekt Bizum.

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Mit Versuchen, einen eigenen nationalen Bezahldienst einzuführen, waren die deutschen Banken nicht erfolgreich gewesen. Paydirekt und Giropay wurden Ende 2024 eingestellt. Beide hatten trotz jahrelanger Bemühungen offenbar nie die erhoffte Reichweite oder Akzeptanz bei Händlern erreicht. Eine neue Zahlmethode einzubinden ist für den Handel aufwändig. Deshalb bevorzugen viele Händler international etablierte Anbieter mit breiter Kundenbasis.

Wero: Jetzt appellieren deutsche Institute an Patriotismus der Kunden

Der Start im Onlinehandel ist für Wero ein wichtiger Fuß in der Tür. Allerdings haben die deutschen Kunden bereits mit Apple Pay, Klarna, Paypal oder Visa eine stattliche Auswahl funktionierender Alternativen zur Auswahl, wenn sie im Internet shoppen wollen. Zum Ärger deutscher Bankenvertreter stammen bestehende Angebote überwiegend aus den USA. Deshalb appellieren sie jetzt an die patriotische Gesinnung ihrer Kunden. Die europäische Kreditwirtschaft betont, sie wolle der Vormacht der großen US-Finanzkonzerne eine eigene europäische Lösung im Zahlungsverkehr anbieten. „Der Erfolg von Wero ist wichtig, um die Souveränität Europas im Zahlungsverkehr zu stärken“, sagt etwa der Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, Matthias Neth.

Die US-Dominanz im Zahlungsverkehr ist auch der Europäischen Zentralbank (EZB) ein Dorn im Auge. Sie treibt deshalb mit dem digitalen Euro eine europäische Digitalwährung voran, die den Kunden – ähnlich wie Bargeld – einen direkten Zugang zu Zentralbankgeld ermöglichen soll. Die Geschäftsbanken befürchten, dass die Notenbanken ihnen in ihrem Kerngeschäft Konkurrenz machen werde. Um konkurrenzfähig zu sein, kündigten die Sparkassen in der Vergangenheit für Wero niedrige Kosten für den Handel an.

Wero: Ehrgeizige Ziele, doch Zweifel bleiben

Ziel sei, die Zahl der deutschen Wero-Nutzer bis zum Jahresende auf 3,1 Millionen gut zu verdoppeln, hatte EPI-CEO Martina Weimert im Frühjahr angekündigt. Der Handel stand dem Wero-Projekt bislang eher skeptisch gegenüber: Die Einführung angekündigt hatten im Vorfeld unter anderen Mediamarkt und Saturn.