Sie nennen sich „Spooners“ und haben das Privileg, in einem der komfortabelsten Büros Italiens zu sein. Das Personal des Mailänder Technologieunternehmens Bending Spoons arbeitet in hellen Büroräumen im schlichten skandinavischen Design mit zahlreichen Rückzugs- und Aufenthaltsbereichen: Räume für Ruhe, Musik oder Videospiele, Meeting-Zonen, eine Ruhefläche mit Schlafkojen sowie ein Raum mit Wickeltisch sind vorhanden. Im gesamten Gebäude in einem glamourösen Mailänder Hochhaus finden sich Snack- und Getränkestationen; frisches Obst wird mehrmals wöchentlich geliefert.

Bending Spoons, das derzeit rund 800 Mitarbeitende beschäftigt, davon knapp 400 festangestellt, gehört laut dem Beratungsunternehmen „Great Place to Work“ zu den 100 besten mittelgroßen Arbeitgebern Europas. Das Unternehmen setzt nach eigenen Angaben auf ein Arbeitsumfeld, das stark auf das Wohlbefinden der Belegschaft ausgerichtet ist. Die Mitarbeitenden – intern „Spooners“ genannt – können frei entscheiden, ob sie im Büro oder im Homeoffice arbeiten. Die Unternehmenszentrale ist rund um die Uhr geöffnet.

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Bending Spoons CEO: „Wir streben nach Exzellenz wie Real Madrid“

Neben flexiblen Arbeitsmodellen bietet Bending Spoons weitere Vorteile: ein jährliches Budget von 1000 Euro pro Teammitglied für gemeinsame Freizeitaktivitäten sowie interne Angebote wie Yoga-Kurse und Filmabende. Trotz der umfangreichen Benefits gehören Leistungsdruck und hohe Erwartungen fest zur Firmenkultur. „Wir streben nach Exzellenz wie Real Madrid oder Manchester City“, sagt der fußballbegeisterte Mitbegründer und CEO Luca Ferrari. Er selbst arbeite rund 70 Stunden pro Woche – „aus Leidenschaft und aufgrund des Anspruchs, die Ziele zu erreichen“. Mitarbeitende, die die Zielvorgaben dauerhaft nicht erfüllen, würden das Unternehmen wieder verlassen.

Die Unternehmensphilosophie zeigt Wirkung: Bending Spoons zählt inzwischen zu den weltweit am stärksten wachsenden Technologiekonzernen. Das Unternehmen gehört zu den wenigen italienischen Unicorns und wird laut Schätzungen bereits auf mehrere Milliarden Euro bewertet. In diesem Jahr soll der Umsatz bei mehr als einer Milliarde Euro liegen.

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Das Geschäftsmodell ist einfach: Digitale Unternehmen mit unausgeschöpftem Potenzial werden identifiziert, gekauft und verbessert. Mit dieser Strategie hat das 2013 gegründete Unternehmen ein Portfolio von über 100 digitalen Produkten aufgebaut, die nach eigenen Angaben monatlich rund 300 Millionen Nutzer erreichen und elf Millionen zahlende Kunden haben.

Bending Spoons wächst rasant durch milliardenschwere Käufe

Die Liste der Akquisitionen, die Bending Spoons innerhalb weniger Monate abgeschlossen hat, ist beeindruckend. Nach dem Kauf der Notiz-App Evernote und des Dateiübertragungsdienstes WeTransfer im vergangenen Jahr übernahm das Unternehmen im März die deutsche Karten-App Komoot, mit der sich Wanderwege und Fahrradrouten anzeigen und eigene Routen beitragen lassen. 300 Millionen Euro zahlten die Mailänder für das vor 15 Jahren von einem deutsch-österreichischen Team gegründeten Unternehmen. Mit 45 Millionen Nutzern ist Komoot nach eigenen Angaben die größte Outdoor-Plattform Europas. Der Firmensitz befindet sich weiterhin in Potsdam, das Team ist inzwischen auf über 150 Mitarbeitende angewachsen.

Dabei blieb es jedoch nicht. Bending Spoons hat inzwischen auch die US-Videoplattform Vimeo für 1,38 Milliarden US-Dollar und den Internet- und Mailanbieter America Online (AOL) übernommen. Für AOL, einen der weltweit zehn meistgenutzten E-Mail-Dienste, zahlten die Italiener nach eigenen Angaben 2,8 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme sei fremdfinanziert worden, heißt es. Insgesamt hat Bending Spoons allein im laufenden Jahr vier Milliarden Euro an Fremdkapital aufgenommen, das in Forschung, Entwicklung und weitere Akquisitionen fließen soll.

Bending Spoons will Eventbride für 500 Millionen US-Dollar kaufen

Der nächste Deal steht bereits an: Bending Spoons will jetzt die US-Ticketplattform Eventbrite für rund 500 Millionen US-Dollar übernehmen. Die Transaktion soll – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen und der Zustimmung der Aktionäre – in der ersten Hälfte des Jahres 2026 abgeschlossen werden. Eventbrite soll anschließend von der Börse genommen werden. Über die Plattform wurden 2024 rund 83 Millionen Tickets für etwa 4,7 Millionen Veranstaltungen in nahezu 180 Ländern verkauft. In der Branche wird geschätzt, dass Bending Spoons schon bald zwölf Milliarden Euro wert sein könnte. Damit wäre das Mailänder Tech-Unternehmen eines der wenigen europäischen Start-ups mit einer zweistelligen Milliardenbewertung – und das erste italienische Jungunternehmen, das eine solche Höhe erreicht.

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Gegründet wurde Bending Spoons 2013 in Kopenhagen von Ingenieur Luca Ferrari (40) und vier weiteren Partnern. Ferrari, der nach seinem Studium in Padua einen weiteren Abschluss in Kopenhagen erwarb, war dort zuvor mit „Evertale“, einer KI-gestützten Tagebuch-App, gescheitert. Ferrari und seine Freunde ließen sich aber nicht entmutigen. Bei Bending Spoons entwickelten sie App-basierte Dienstleistungen und kauften etablierte Anbieter hinzu. Ferrari setzt dabei auf radikale Kostensenkungen und deutlich höhere Preise für die Nutzer. Der Name Bending Spoons stammt aus dem Film Matrix, in dem ein Kind einen Löffel allein mit Gedankenkraft verbiegt. Für Ferrari bedeutet das: Nichts ist unmöglich. Seine Vorbilder sind schließlich Unternehmer vom Niveau von Elon Musk, Jeff Bezos und Warren Buffett.