Anders als börsennotierte Unternehmen unterliegt die Europäische Zentralbank weniger strengen Regeln, wenn es um die Offenlegung von Gehältern geht. Das ist vielleicht diskussionswürdig, aber an sich kein Aufreger. Ein neuer Medienbericht verblüfft dennoch. Denn: EZB-Chefin Christine Lagarde soll allein 2024 satte 56 Prozent mehr verdient haben als offiziell von Seiten der EZB angegeben.
Demnach berichtet „Financial Times“, dass Lagarde allein im Jahr 2024 den Berechnungen zufolge auf ein Gesamtgehalt von rund 726.000 Euro kam. Das sind immerhin rund 56 Prozent mehr als die von der EZB im Jahresbericht angegebenen 466.000 Euro, die Lagarde als Grundgehalt erhalten haben soll. Allein diese Summe macht die 70-Jährige schon zur Top-Verdienerin unter den EU-Beamten.
Lagarde soll bei der EZB allein 135.000 Euro an Nebenleistungen erhalten haben
Laut dem Bericht soll die Französin zudem rund 135.000 Euro an Nebenleistungen, unter anderem für ihre Wohnung, kassiert haben. Hinzu kamen 125.000 Euro für ihren Sitz im Verwaltungsrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).
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Wie die „Financial Times“ erklärt, stützen sich die Berechnungen zu Lagardes Gesamtgehalt „mangels detaillierter und konsolidierter Daten“ auf Jahresberichte der EZB und BIZ und ein technisches Dokument, das den Angaben zufolge die Vergütungsbedingungen der EZB-Spitzenbeamten darlegt. EZB-Beiträge zu Lagardes Pension sowie Versicherungen sind demnach nicht in die Berechnungen eingeflossen.
Fabio de Masi kritisiert mangelhafte Transparenz bei der EZB
Eine Stellungnahme zur Analyse bei der Berechnung von Lagardes Gehalt sowie dem Ergebnis lehnte die Zentralbank ab, erklärte jedoch: Die Offenlegung der Gehälter stehe „im Einklang mit der vieler anderer internationaler öffentlicher Institutionen“. Zudem habe „das Maß an Transparenz im Laufe der Zeit erhöht“ .
Fabio de Masi, Europaabgeordneter und BSW-Co-Vorsitzender, kritisierte gegenüber „Financial Times“ die mangelhafte Transparenz bei der EZB: „Der Präsident der EZB und der bestbezahlte EU-Beamte sollten den höchsten Standard an Rechenschaftspflicht verkörpern.“


