Politisch zerlegt sich das Weltgefüge der vergangenen Jahrzehnte gerade. Die Wirtschaft steckt das gut weg – insgesamt betrachtet. Sie legt sogar stärker zu als bisher gedacht, jedenfalls nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er rechnet jetzt mit mehr Wachstum in diesem Jahr als noch im Oktober. Getrieben wird das Plus demnach vor allem von den USA und China. Und auch für Deutschland sind die Experten zuversichtlicher.

Die Weltwirtschaft sei bemerkenswert widerstandsfähig trotz der bedeutenden Handelsstörungen, die die USA ausgelöst hätten, und der steigenden Unsicherheit, sagt IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas. Er erwartet, dass die Weltwirtschaft – der Wert aller Waren und Dienstleistungen –  in diesem Jahr insgesamt um 3,3 Prozent wächst. Noch im Oktober hat der IWF nur ein Plus von 3,1 Prozent vorhergesagt.

Auch interessant

Deutsche Wirtschaft: IWF erwartet 2026 stärkeres Wachstum

Die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft änderte der IWF ebenfalls. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2026 um 1,1 (bisher: 0,9) Prozent zulegen. In diesem und vor allem im nächsten Jahr dürften sich die steigenden Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung auswirken.

Auch der Handel insgesamt soll zulegen – trotz der vielen Zusatzzölle sowie Ausfuhrbeschränkungen etwa für Computerchips (USA) und Seltene Erden (China). Die Unternehmen insgesamt erwiesen sich als erstaunlich findig und stellten sich schnell auf veränderte Lagen ein, sagt Gourinchas.

Exklusive Politik-Hintergründe – für Sie recherchiert

Risiken durch KI-Investitionen und geopolitische Spannungen

Getrieben wird das Wirtschaftswachstum vor allen von China und seiner Exportindustrie sowie den USA, die sehr viel auch ausländisches Geld anziehen, das in IT und Künstliche Intelligenz fließt. Hier sieht der Experte größere Risiken – weil das Geld fast nur in KI in den USA investiert wird. Probleme dort schlagen dann schnell weltweit durch. Auch steige die Gefahr, dass Unternehmen Geld bekommen, die weder eine gute Idee haben noch überlebensfähig sind. Der IWF-Chefvolkswirt erinnert an die Dotcom-Blase, die Anfang der 2000er-Jahre platzte. Noch sei Ähnliches aber nicht zu erkennen.

Ein Container Frachter verlässt einen Hafen
Trotz globaler Spannungen erwartet der Internationale Währungsfonds ein Wirtschaftswachstum für 2026. © imago/Jochen Tack | IMAGO stock

Nicht berücksichtigt ist bisher in den Berechnungen des IWF der Versuch der USA, die Kontrolle über Venezuela und die Ölreserven dort zu bekommen. Am 3. Januar ergriff das US-Militär den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und setzte ihn ab. Ebenfalls nicht eingeflossen ist der drohende Zollkrieg zwischen den USA und der EU wegen Grönland. US-Präsident Donald Trump will die Insel den Vereinigten Staaten eingliedern – sie gehört als autonomes Gebiet zu Dänemark, bisher ein Verbündeter der USA.

Zollkrieg zwischen EU und USA: Großes Risiko für Weltwirtschaft

Gourinchas bezeichnet vor allem den neuen Zollkrieg als großes Risiko für die Weltwirtschaft. Verlieren würden dabei alle, zuerst die USA und die EU, dann aber auch andere Länder. Wen es mehr treffe? Aus Sicht des IWF-Chefvolkswirtes ist das derzeit kaum abzusehen. Nach einer Musterberechnung aus dem Oktober belastete ein Zollkrieg die Weltwirtschaft um 0,3 Prozentpunkte. „Eine bedeutende Größe“, sagt Gourinchas.

Auch interessant

Wie sie wirken, lässt sich an den Zöllen sehen, die die US-Regierung im vergangenen Jahr verhängte. US-Firmen hätten die höheren Importkosten bisher getragen, sagt der IWF-Chefvolkswirt. Weil die Zölle an den amerikanischen Staat gingen, wirkten sie wie eine Steuererhöhung. Das gleiche die Steuersenkungen Trumps etwas aus.