Wieder einmal ist eine Debatte über die in den USA gelagerten deutschen Goldreserven entbrannt. Doch von einem Umzug der Barren in hiesige Tresore will die Bundesbank nichts wissen. Aber warum lagert Deutschland überhaupt Gold in den Vereinigten Staaten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Über wie viele Goldreserven verfügt Deutschland derzeit?

Nach den USA besitzt Deutschland den zweitgrößten Goldschatz der Welt. 3351 Tonnen sind es, die in schweren Barren in den Tresoren liegen. Das Edelmetall ist auf drei verschiedene Finanzzentren verteilt. 405 Tonnen sind in London eingelagert, 1236 Tonnen in New York. Der größte Anteil liegt mit 1710 Tonnen in den Stahlkammern der Frankfurter Bundesbank. 

Viele Staaten verfügen über große Goldvorräte. Die USA führen die Liste mit über 8000 Tonnen an. Wie sich die Reserven weltweit verteilen, ist nicht genau bekannt. Russland und China verfügen über große Reserven, aber auch Italien besitzt mit fast 2500 Tonnen einen gewaltigen Staatsschatz. Auch andere Staaten sortieren ihre Reserven neu und kaufen tonnenweise Gold. Grund dafür sind wohl die internationalen Krisen und Unsicherheiten. Da verhalten sich Zentralbanken nicht anders als Privatanleger: Sie suchen einen sicheren Hafen für ihre Geldanlagen. Denn das Edelmetall trotzt der Inflation. Die hohe Nachfrage, zuletzt vor allem aus Asien, treibt den Preis in diesem Jahr von Rekord zu Rekord.

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Wie viel ist der Goldschatz heute wert?

Am Donnerstag lag der Goldpreis bei rund 4120 Euro pro Unze, also pro 31,1 Gramm. Eine Tonne ist über 150 Millionen Euro wert. Der Gesamtwert der in New York gelagerten deutschen Reserven beläuft sich auf mehr als 160 Milliarden Euro. Allerdings bewegt sich der Goldpreis derzeit auf einem Rekordniveau. In der Vergangenheit lag der Preis viel niedriger und es ist nicht ausgeschlossen, dass es wieder zu einem deutlichen Rückgang kommt.

Die Herkunft der Reserven ist zum Teil etwas kurios. In den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts exportierte Deutschland mehr Güter in die USA als umgekehrt. Die dafür bezahlten US-Dollar tauschte die Bundesbank gegen das von der US-Regierung garantierte Gold ein. 

Warum gibt es die Debatte um eine Verlagerung der Reserven?

Die Forderung selbst ist keineswegs neu. Dahinter standen bisher unterschiedliche Absichten. So weckte der Goldschatz immer wieder einmal Begehrlichkeiten. Denn ein Verkauf würde viel Geld für andere staatliche Ausgaben einbringen. Derlei Anliegen wurden regelmäßig abgeschmettert. Denn die großen Reserven tragen auch zur Kreditwürdigkeit Deutschlands bei. Auch die Sicherheit der ausländischen Lagerstätten wurde schon in Zweifel gezogen. Das sorgte 2017 schon für den Umzug eines Teils des Goldes nach Frankfurt. Diesmal löst die Befürchtung, die USA könnten den Schatz als politisches Druckmittel gegen Deutschland einsetzen, Diskussionen aus.

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Was sagt die Bundesbank?

Bundesbankpräsident Joachim Nagel lehnt eine Verlagerung allerdings ab. Er sieht den Vorrat in New York gut aufgehoben, auch unter dem Aspekt der Risikostreuung.

Was spricht für eine Rückholung?

Für eine Rückholung des Goldes plädiert Emanuel Mönch, ehemaliger Leiter der Forschungsabteilung der Bundesbank. Es scheine „aktuell riskant, so viel Gold in den USA zu lagern“, sagte Mönch dem „Handelsblatt“. Im Sinne einer „größeren strategischen Unabhängigkeit von den USA“ wäre die Bundesbank gut beraten, über eine Rückholaktion nachzudenken.

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Angesichts des allgemeinen Trends zunehmenden nationalen Egoismus, ergebe es Sinn, über zumindest eine teilweise Rückführung der Goldbestände nachzudenken, sagt auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt für Deutschland und Österreich bei der ING Bank, dieser Redaktion: „Einfach nur, um Risiken, die vor einigen Jahren noch niemand auf dem Schirm hatte, zu reduzieren.“ Zwar würde das „wahrscheinlich auch Öl ins Feuer der aktuell gespannten transatlantischen Beziehungen gießen, aber über die Thematik überhaupt nicht nachzudenken, wäre naiv“, so der Experte.

Was sagen Gegner darüber?

„Die Drohung wirkt oft stärker als die Ausführung“, sagt hingegen Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, dieser Redaktion. „Wir sollten nicht vorschnell handeln, sondern das Thema zum richtigen Zeitpunkt setzen.“ Europa sei ein großer Wirtschaftsraum, aus dieser Stärke heraus lasse sich die Frage selbstbewusst adressieren. „Aus einer solchen Position wirkt die Botschaft, dass die USA langfristig möglicherweise nicht mehr der optimale Lagerort sind, stärker als eine überstürzte Rückholung“, sagt Tüngler. „Denn ein Abzug wäre eine einmalige Maßnahme; danach ist dieses Druckmittel verbraucht.“ 

Auch der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sieht eine Rückholung kritisch. „Aus geldpolitischen Gründen kann es sinnvoll sein, das Gold für bestimmte Transaktionen in den USA zu belassen“, sagte Hüther der „Rheinischen Post“. Mit einer Rückholung würde man Donald Trump außerdem nicht beeindrucken.

Wofür wird Gold gebraucht?

Früher hatte das Edelmetall einen großen praktischen Nutzen. Es diente zum Beispiel als Sicherheit für Währungen. So garantierten die USA noch bis 1971 den Tausch von 35 US-Dollar gegen eine Unze Gold. Dieser Goldstandard wurde dann abgeschafft. Heute ist der direkte Nutzen auf wenige Industrieanwendungen begrenzt. Für die Herstellung von Schmuck wird ein großer Teil des Edelmetalls verwendet. Vor allem dient es aber als Geldanlage in Krisenzeiten. Und hier sind die Vereinigten Staaten die größten Akteure am Markt.