Noch vor wenigen Jahren konnten Elektroautos beim Thema Versicherung mit einem klaren Vorteil punkten: Ihre Fahrerinnen und Fahrer zahlten oft deutlich weniger als Besitzer eines klassischen Verbrenners. Doch scheinen diese Zeiten vorbei: Bei rund der Hälfte der Vollkaskotarife müssen Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos tiefer in die Tasche greifen als Besitzer von Verbrennern. Das geht aus einer Analyse des Vergleichsportals Verivox hervor, die dieser Redaktion vorab vorliegt.
Je nach Modell fallen die Unterschiede deutlich aus. Für einen BMW X3 mit Elektroantrieb liegen die Versicherungsbeiträge laut Berechnung in einzelnen Tarifen bis zu 44 Prozent höher als für das gleiche Auto mit Verbrennungsmotor. Und das, obwohl beide in denselben Typklassen eingestuft sind. Insgesamt sind knapp die Hälfte (49 Prozent) der verfügbaren Tarife für das E-Modell teurer. Günstiger ist die Versicherung für den Stromer nur bei rund einem Drittel (32 Prozent) der Angebote, bei jedem fünften Tarif (19 Prozent) gibt es keinen Preisunterschied.
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Günstigere Versicherung für E-Autos: „Die Zeit ist vorbei“
Ähnlich sieht es beim Skoda Enyaq aus. Das elektrische SUV ist in der Vollkasko teils bis zu 18 Prozent teurer versichert als der typklassengleiche Benziner Kodiaq. Insgesamt sind laut Berechnung rund 40 Prozent der Angebote teurer für das Elektroauto und nur 35 Prozent günstiger. Gleichstand erreichen die beiden bei rund einem Viertel (26 Prozent) der Tarife.

„Versicherer haben E-Autos lange Zeit per se günstiger bepreist als Benziner“, sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. „Zum einen lagen nicht ausreichend Schadensdaten vor und zum anderen wollten Versicherer sich auf einem jungen Wachstumsmarkt positionieren. Doch die Zeit der pauschalen Vorschusslorbeeren für E-Autos ist vorbei.“
Elektroautos: Schäden seltener, aber Reparaturen oft teurer
Inzwischen liegen Langzeitdaten vor. Sie zeigen laut Verivox, dass Elektroautos zwar seltener Schäden verursachen, diese dann jedoch oft teurer sind. Das schlage insbesondere in der Vollkasko zu Buche. Versicherer kalkulierten daher anders – ein Grund, warum viele Tarife mittlerweile teurer sind als für Verbrenner. Ganz verschwunden sind günstige Tarife für E-Autos allerdings nicht. Einige Versicherer setzen Verivox zufolge weiterhin bewusst auf niedrige Prämien, um E-Auto-Fahrer als neue Kundengruppe zu gewinnen. Im günstigsten Fall können E-Auto-Fahrer laut den Modellrechnungen bis zu 23 Prozent der Kosten sparen, je nach Anbieter und Tarif.

Für E-Auto-Besitzerinnen und -Besitzer heißt das: Genau hinschauen. „E-Auto-Fahrer sollten Versicherungen gründlich vergleichen, bevor sie sich für eine Police entscheiden“, rät Ziller. „Neben dem Preis sollten sie auch darauf achten, dass wichtige Leistungen enthalten sind – insbesondere zum Schutz des teuren Akkus. Hier unterscheiden sich die Tarife noch stark.“
Die Analyse von Verivox basiert auf Modellrechnungen für einen 45-jährigen Fahrer aus Berlin mit einer jährlichen Fahrleistung von 12.000 Kilometern und Schadenfreiheitsklasse 15. Verglichen wurden über 400 Vollkasko-Tarife von rund 60 Versicherern.



