Die Lufthansa legt als Reaktion auf Streiks und hohe Kerosinkosten erste Flugzeuge still. Das Flugangebot der Tochter-Airline Cityline wird mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die „aktuelle Krise“ zwinge das Unternehmen, die schon länger geplante „Maßnahme nun früher umzusetzen“, erklärte der Finanzvorstand des Lufthansa-Konzerns, Till Streichert. Bei der Cityline seien allen Beschäftigungsgruppen bereits Anschlussbeschäftigungen angeboten worden. 

Die 27 älteren Jets der Cityline vom Typ Canadair CRJ blieben nun am Boden. Die Tochter soll komplett geschlossen werden. Die Jets stünden kurz vor dem Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit und hätten vergleichsweise hohe Betriebskosten, teilt Lufthansa mit. Damit könnten weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft reduziert werden. 

Abschied von Langstreckenjets Ende Oktober

Ende Oktober sollen dann sechs Langstreckenjets der Lufthansa-Kernmarke folgen. Neben vier Airbus A340-600 werden auch zwei Jumbos vom Typ Boeing 747-400 über den kommenden Winter stillgelegt. Der endgültige Abschied von diesem Flugzeugtyp sei für das kommende Jahr vorgesehen. Zusätzlich sollen bei Lufthansa etwa fünf Mittelstreckenflugzeuge aus der Flotte genommen werden. 

Als Grund für die Einschnitte nennt das Unternehmen die deutlich gestiegenen Kerosinpreise sowie die Kosten durch die laufenden Arbeitskämpfe. Es würden besonders ineffiziente Flugzeuge vorzeitig aus dem Flugbetrieb genommen, um weniger Kerosin am freien Markt zukaufen zu müssen. Der Kerosinverbrauch der Passagier-Airlines der Lufthansa Group sei auf Basis des Rohölpreises mit rund 80 Prozent überdurchschnittlich hoch abgesichert.

Das Risiko eines Engpasses an Flugzeugbenzin steigt mit jedem weiteren Tag, an dem die Straße von Hormus blockiert bleibt. Wie lange es dauert, bis die Kerosinvorräte wirklich zur Neige gehen, ist fraglich. Das Risiko eines Mangels ist in Asien am höchsten, in Europa etwas niedriger – aber die Länder beider Weltteile sind von dem Öl und den Raffinerien in Nahost abhängig.

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Ökonom warnt: Flugkürzungen schon im Mai möglich

Die Situation könne binnen der „nächsten drei, vier Wochen systemisch“ werden, warnte der Ökonom Claudio Galimberti von der Analysefirma Rystad Energy am Dienstag. „Es könnte also schon im Mai und Juni zu erheblichen Flugkürzungen kommen.“ 

Auch der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, warnte, dass Europa „vielleicht Anfang Mai“ Flugzeugbenzin-Knappheit erleben könnte. In ihrem monatlichen Bericht zum Ölmarkt allerdings benannte die IEA ein späteres Datum: „Sollte sich die Lage auf dem globalen Flugkraftstoffmarkt weiter verschärfen, und sollten die europäischen Märkte nicht in der Lage sein, mehr als 50 Prozent ihrer aus dem Nahen Osten verlorenen Mengen zu sichern, werden die Lagerbestände im Juni die kritische 23-Tage-Marke erreichen.“

Eine allgemeine Einschätzung der Lage zu treffen, ist schwierig: Japan beispielsweise ist äußerst abhängig von Importen, hat aber zugleich erhebliche Reserven aufgebaut. In Europa sind einige Länder schneller betroffen: Österreich, Bulgarien und Polen verfügen über größere Vorräte. Anders sieht es etwa in Großbritannien, Island und den Niederlanden aus.

fmg/dpa/AFP