Für Deutsche in den östlichen Bundesländern war es in den vergangenen Monaten eine willkommene Entlastung: So mancher Autofahrer im Grenzgebiet zu Polen düste mal schnell ins Nachbarland, um den Tank vollzumachen. Benzin und Diesel waren in Polen lange Zeit deutlich günstiger als in Deutschland. Je nach Tankstelle ließen sich bis zu 50 Cent pro Liter sparen.
Laut Statistischem Bundesamt, das die Kraftstoffpreise in Deutschland und den anderen EU-Ländern regelmäßig auflistet, kostete Benzin am 29. Juni in Deutschland im Schnitt 1,90 Euro. In Polen waren es 1,39 Euro. Für einen Liter Diesel zahlte man in Deutschland an diesem Tag 1,76 Euro, in Polen 1,41 Euro. Nur in Malta war der Sprit noch günstiger zu bekommen. Spitzenreiter bei den Kraftstoffpreisen sind hingegen Dänemark, Finnland und die Niederlande. Aktuellere Zahlen waren Stand 2. Juli vom Statistischem Bundesamt nicht zu bekommen.
Die Zeiten des billigen Benzins sind nun aber auch in Polen erst einmal vorbei. So wie in Deutschland zum 1. Juli der Tankrabatt auslief, endeten in Polen an diesem Tag die letzten staatlichen Maßnahmen, die den Spritpreis künstlich nach unten drückten. Als Reaktion auf gestiegene Preise durch den Iran-Krieg hatte die polnische Regierung im März die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel deutlich reduziert. Sie betrug nur acht statt der regulären 23 Prozent. Auch die Verbrauchsteuer wurde auf das nach EU-Recht zulässige Minimum von rund sieben Cent pro Liter gesenkt. Darüber hinaus galt in Polen ein staatlich festgelegter Höchstpreis für Kraftstoffe, den der Energieminister auf Grundlage der aktuellen Großhandelspreise sowie der Kosten der größten Kraftstoffanbieter täglich neu bestimmte.
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Spritpreise in Polen ziehen über Nacht um bis zu 15 Prozent an
Bereits Mitte Juni endete die Entlastung durch die gesenkte Verbrauchsteuer, Anfang Juli liefen nun auch die anderen staatlichen Maßnahmen aus. Ausgerechnet zu Beginn der Ferien- und Urlaubssaison, wie viele Polinnen und Polen beklagen. Quasi über Nacht sind Benzin und Diesel um bis zu 15 Prozent pro Liter teurer geworden. „Es ist furchtbar teuer, machen wir uns nichts vor. Ich glaube, nicht jeder kann es sich derzeit leisten, mit dem Auto unterwegs zu sein“, sagte eine Autofahrerin tagesschau.de. Zudem wird erwartet, dass die Preise weiter steigen. Tankstellenbetreiber könnten versucht sein, die durch den Preisdeckel entgangenen Gewinne mit weiteren Preiserhöhungen wieder hereinzuholen.
Ob sich für Deutsche der Tank-Trip nach Polen nunmehr noch lohnt, lässt sich bisher nicht seriös sagen. Zumindest eine längere Anfahrt dürfte nach Auslaufen der staatlichen Maßnahmen unsinnig geworden sein. Wer in der Nähe der polnischen Grenze lebt, könnte hingegen weiter profitieren. Denn der Spritpreis in Polen wird wohl auch künftig ein paar Cent pro Liter unter dem deutschen liegen.
tok



