Wer in Deutschland in einem Pflegeheim lebt, muss immer mehr Geld aus eigener Tasche bezahlen. Nach einer aktuellen Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) lag der monatliche Eigenanteil im ersten Jahr eines Heimaufenthalts zum Stichtag 1. Juli bundesweit bei durchschnittlich 3364 Euro. Das sind 119 Euro mehr als zu Jahresbeginn und 256 Euro mehr als noch vor einem Jahr.

Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil dieser Kosten. Bewohner müssen zusätzlich für Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten der Einrichtungen sowie Umlagen für die Ausbildung von Pflegekräften aufkommen.

Kosten für Pflegeheim: Zwischen den Bundesländern liegen fast 900 Euro

Wie teuer ein Pflegeheimplatz wird, hängt auch vom Wohnort ab. Besonders hoch sind die Eigenanteile in Bremen, wo Pflegebedürftige im ersten Heimjahr durchschnittlich 3761 Euro pro Monat zahlen. Dahinter folgt das Saarland mit 3695 Euro. Am günstigsten schneidet Sachsen-Anhalt ab. Dort liegt die monatliche Belastung im ersten Jahr mit durchschnittlich 2891 Euro als einziges Bundesland unter der Marke von 3000 Euro.

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Gute Bezahlung für Pflegekräfte treibt Kosten nach oben

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg sind die höheren Personalkosten. Seit 2022 dürfen Pflegeheime nur noch Verträge mit den Pflegekassen abschließen, wenn sie ihre Beschäftigten nach Tarif oder tarifähnlich bezahlen. Das sollte die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessern – erhöht aber zugleich die Kosten für die Einrichtungen. Der durchschnittliche pflegebedingte Eigenanteil stieg dadurch inzwischen auf 2088 Euro pro Monat. Auch Unterkunft und Verpflegung wurden erneut teurer.

Die Vorstandschefin des vdek, Ulrike Elsner, hält die bessere Bezahlung zwar für richtig, warnt aber vor den Folgen für Pflegebedürftige. „Es gab Nachholbedarf, und es ist richtig, dass Pflegekräfte gut bezahlt werden. Doch es kann nicht sein, dass das zu immer stärkeren Belastungen der Pflegebedürftigen führt.“ Sie fordert deshalb eine Reform mit einer gerechteren Verteilung der Kosten.

Geplante Pflegereform könnte Entlastungen kürzen

Während die Eigenanteile steigen, plant die Bundesregierung künftig bei den Entlastungszuschlägen zu sparen. Pflegebedürftige, die länger im Heim leben, sollen dann weniger entlastet werden. Derzeit übernimmt die Pflegeversicherung im ersten Jahr 15 Prozent des pflegebedingten Eigenanteils, im zweiten Jahr 30 Prozent, im dritten 50 Prozent und ab dem vierten Jahr 75 Prozent.

Künftig sollen diese höheren Zuschüsse jedoch erst nach 18 statt bislang 12 Monaten greifen. Dadurch würden Betroffene länger einen höheren Eigenanteil zahlen müssen. Nach Berechnungen des Bundesgesundheitsministeriums könnte diese Änderung die Pflegeversicherung bereits im kommenden Jahr um rund 2,6 Milliarden Euro entlasten. Das Geld würde allerdings nicht bei den Pflegebedürftigen ankommen.

Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, bezeichnete die Entwicklung als „absolutes Alarmzeichen“. „Die dramatische Entwicklung bei den Heimkosten setzt sich unaufhaltsam fort – ein absolutes Alarmzeichen, das die Bundesregierung nicht länger ignorieren darf“, sagte sie den Zeitungen der Redaktion. Wer ein Leben lang gearbeitet und sich versichert habe, dürfe am Ende seines Lebens nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein. „Das ist unwürdig und ein Skandal.“

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Pflegeversicherung steht finanziell unter Druck

Hintergrund der Reformpläne sind die angespannten Finanzen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Nach Informationen des „Spiegel“ rechnet die Bundesregierung für 2027 mit einem Defizit von 7,6 Milliarden Euro. Einschließlich eines finanziellen Puffers ergibt sich demnach ein zusätzlicher Finanzbedarf von insgesamt 11,2 Milliarden Euro.

Neben den Änderungen bei den Entlastungszuschlägen sieht der Gesetzentwurf weitere Maßnahmen vor. So soll die Pflicht zur tarifähnlichen Bezahlung in Pflegeheimen ab 2027 vorübergehend ausgesetzt werden. Außerdem sind unter anderem höhere Beiträge für Kinderlose sowie weitere Änderungen bei Leistungen der Pflegeversicherung geplant.

mkx mit dpa