Die letzte große deutsche Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Es ist der vierte Gang zum Insolvenzgericht seit 2020. Zuvor hatten sich die Anzeichen für eine neuerliche Pleite auch für Kundinnen und Kunden sichtbar verdichtet: In den Regalen klafften zuletzt immer größere Lücken.

„Der Antrag schafft den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft von Galeria zu schaffen“, teilte das im vergangenen Jahr von Essen nach Düsseldorf umgezogene Unternehmen am Freitagmorgen mit. Über die weiteren Entwicklungen werde man „zeitnah informieren“. Wie es mit den noch 83 Filialen, früher Kaufhöfe und Karstadt-Häuser, und den rund 12.000 Beschäftigten weitergeht, ist allerdings einmal mehr offen.

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Alle 83 Warenhäuser sollen „vorerst weiterlaufen“

Alle Warenhäuser sollen „vorerst weiterlaufen“, erklärte das Unternehmen noch. Weitere Informationen dazu, wie die „nachhaltige Zukunft“ aussehen und erreicht werden soll, gab es am Morgen noch nicht. Die letzten drei Insolvenzen haben jeweils zur Schließung weiterer Warenhäuser und zum Abbau von Arbeitsplätzen geführt. Immer mit dem Versprechen, danach sei Galeria wieder gut aufgestellt.

Der Besuch in einer Galeria-Filiale am Donnerstagabend im Ruhrgebiet ist ernüchternd: In der Haushaltswarenabteilung stechen leere Regale ins Auge. In der Damenoberbekleidung reiht sich ein „Sale“-Schild an das nächste. Aktuelle Herbstware ist kaum zu finden. Die Pullover, die im Werbeprospekt angepriesen werden, haben das Warenhaus nach Auskunft einer Verkäuferin nie erreicht. „Die kommen wohl auch nicht mehr“, sagt sie.

Betriebsversammlungen am Freitag

Um 11 Uhr am nächsten Tag sollten sie und ihre Kolleginnen und Kollegen bei Betriebsversammlungen erfahren, dass ihr Arbeitgeber schon wieder pleite ist. Galeria ist einmal mehr das Geld ausgegangen. Nach Insolvenzen in den Jahren 2020, 2022 und 2024 ist die letzte verbliebene deutsche Warenhauskette erneut ein Sanierungsfall.

Galeria-Chef Tilo Hellenbock
Galeria-Chef Tilo Hellenbock führt den Warenhauskonzern in die nächste Insolvenz.© FUNKE Foto Services | GALERIA

Die Schließung dutzender Filialen, der Abbau tausender Arbeitsplätze, Gehaltsverzicht und der Umzug der Zentrale von Essen nach Düsseldorf haben augenscheinlich keine Wirkung gehabt. Den beiden neuen Eigentümern Bernd Beetz und Richard Baker, die Galeria im Sommer 2024 von René Benko übernommen hatten, wurde immer wieder vorgeworfen, dem Unternehmen mit seinem Modernisierungsstau nicht ausreichend Kapital zur Verfügung zu stellen.

Das führte dazu, dass Galeria Anfang des Jahres an manchen Standorten nicht einmal mehr die Mieten bezahlen konnte. Auch für die Bestellung frischer Ware war kein Geld da. Die Filialen wurden angehalten, Lücken in den Regalen bestmöglich zu kaschieren. Alle Hoffnungen ruhten dann auf Verhandlungen mit Investoren, die frisches Geld in das Unternehmen pumpen sollten.

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160-Millionen-Euro-Kredit

Im Juli biss dann endlich einer an: Doch für die zur Verfügung gestellten 160 Millionen Euro verlangte die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers, dass die Warenhäuser alsbald wieder mehr Geld verdienen. „Jeder Galeria-Standort muss die Voraussetzung erfüllen, in der Einzelbetrachtung nachhaltig profitabel zu wirtschaften. Alle Filialen haben diesbezüglich Optimierungspotenzial“, teilte das Unternehmen seinerzeit mit.

Und so startete Galeria einmal mehr Verhandlungen über Mietkonditionen an allen Standorten. Geschäftsführer Tilo Hellenbock drohte zugleich mit der Schließung von 33 Warenhäusern, sieben davon in Nordrhein-Westfalen. Auch Mülheim, die nach Fläche größte Filiale im Konzern, stand zwischenzeitlich auf der Liste. „Wir werden jeden Standort einzeln und ergebnisoffen betrachten. Die Voraussetzung ist, dass die Rahmenbedingungen vor Ort stimmen; auf Seiten der Vermieter, der Kommunen und unsererseits“, sagte Hellenbock im Sommer und schloss auch die Eröffnung neuer Warenhäuser nicht aus.

Umsatzeinbruch im Sommer

Laut Medienberichten sollte in dieser Woche die Entscheidung über das Aus der ersten Warenhäuser verkündet werden. Doch selbst für einen Sozialplan und Interessenausgleich schien Galeria kein flüssiges Geld zu haben, nachdem der Umsatz in den heißen Sommermonaten regelrecht eingebrochen sein soll. Die Rede ist von bis zu 25 Prozent.

Dem Vernehmen nach soll der 160-Millionen-Euro-Kredit von Gordon Brothers bereits aufgebraucht sein. Die Gesellschafter sollen gebeten worden sein, Geld bereitzustellen, um zumindest die Gehälter bezahlen zu können.

Essen - Vorstellung neuer Investor Galeria Laufhof Karstadt
Bernd Beetz ist Mitgesellschafter von Galeria.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Wie es wirklich wirtschaftlich um Galeria bestellt ist, wird nun der Insolvenzverwalter prüfen müssen. Offenbar ist für den Warenhauskonzern keine Eigenverwaltung vorgesehen, sondern eine Regelinsolvenz. Die Entscheidung hat das Amtsgericht Düsseldorf zu treffen.

Damit hat sich zumindest für den Moment die Hoffnung zerschlagen, dass Galeria durch die Loslösung vom österreichischen Immobilienmagnaten René Benko im Zuge der Pleite seines Signa-Firmenimperiums zurück in die Erfolgsspur finden könnte. Benko hatte sich 2019 seinen langjährigen Traum erfüllt, nach Karstadt auch noch den großen Konkurrenten Kaufhof zu übernehmen. Wenige Monate nach der Fusion der beiden Marktführer musste Galeria Karstadt Kaufhof nach Beginn der Corona-Pandemie erstmals Insolvenz anmelden.

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Es folgten zwei weitere in den Jahren 2022 und 2024, in denen die Gläubiger des Kaufhausriesen jeweils auf den größten Teil ihrer Forderungen verzichteten und Galeria so den Weg aus der Pleite ebneten. Bei der zweiten Insolvenz half auch der deutsche Staat mit insgesamt 680 Millionen Euro, von denen er nur einen kleinen Teil zurückerhielt. Wie hoch die Bereitschaft der Gläubiger zum erneuten Verzicht in der vierten Auflage sein wird, ist deshalb eine spannende Frage.

Im August 2024 übernahmen der Unternehmer Bernd Beetz, Besitzer des Fußball-Drittligisten Waldhof Mannheim, und der kanadische Handelsinvestor Richard Baker. Sie holten Galeria aus der Insolvenz, strichen die Namen der Traditionsmarken Karstadt und Kaufhof. Sie tauschten zahlreiche Manager aus und beriefen neue. Die Probleme blieben aber die alten.