Brexit

Die aktuellen Gewinner des Brexits sind Aldi und Lidl

Berlin/London.  Der drohende Brexit verunsichert die britische und deutsche Wirtschaft. Aber es gibt Gewinner: Die deutschen Discounter Aldi und Lidl

Manchester: Passanten gehen in den Innenstadt an einer Filiale von Aldi vorbei. Und viele gehen auch hinein: Aldi profitiert vom Brexit.

Manchester: Passanten gehen in den Innenstadt an einer Filiale von Aldi vorbei. Und viele gehen auch hinein: Aldi profitiert vom Brexit.

Foto: Marius Becker / dpa

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Hohe Einkaufspreise, weniger Kunden, Angst vor leeren Regalen: Der Brexit macht den Einzelhändlern in Großbritannien zu schaffen. 4 von 5 Briten sorgen sich, dass die Preise für Lebensmittel und Getränke nach dem Brexit weiter steigen. „Es gibt kaum Zweifel unter Einzelhändlern, Herstellern und Landwirten, dass der Brexit zu einer erheblichen Störung der britischen Lebensmittelversorgung führen wird“, stellte das Forschungsinstitut Kantar fest.

Doch zwei Unternehmen profitieren – allerdings keine von der Insel: Die deutschen Discounter Aldi und Lidl. „Wir halten es für vorstellbar, dass wegen des Brexits die Verbraucher auch in Großbritannien noch mehr auf die Preise schauen“, sagt Kai Falk, Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE). „Die Resonanz der britischen Kunden ist sehr positiv. Es sind gute Zeiten für Discounter.“

Lidl und Aldi kommen bei der britischen Mittelschicht gut an

Das bestätigt Ulrich Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Handelskammer in London: Die Discounter würden mittlerweile auch von der breiten Mittelschicht äußerst positiv wahrgenommen. Bald 30 Jahre nach ihrem Markteintritt haben Aldi und Lidl die Supermarktlandschaft in Großbritannien umgekrempelt. Das Billigkonzept wird von Verbrauchern und Presse als „The Aldi Effect“ gefeiert.

Aldi UK lockte zwischen Juli und Oktober 689.000 neue Kunden an und damit mehr als alle andere Ketten, in der Liste der beliebtesten Supermärkte liegt das Unternehmen auf Rang 2. Lidl UK kündigte jüngst eine Investitionsoffensive über 15 Milliarden Pfund in den kommenden fünf Jahren an. Beide Ketten wollen Dutzende neue Filialen im Land eröffnen und Tausende Jobs schaffen.

Opinary- Wer ist Ihr Lieblings-Discounter?

In Deutschland haben die beiden Discounter stetig expandiert. Aldi will mit neuem Filialdesign mehr Frische versprühen und reagierte damit zuletzt auf renovierte Lidl-Geschäfte. Dazu ist Aldi Nord in den Onlinehandel eingestiegen.

Nicht nur beim Filialdesign und bei billigen Preisen bekämpfen sich die Discounter – auch bei der Erschließung neuer Kundengruppen. So blicken beide auf Vegetarier und Veganer. Wir haben deshalb getestet: Aldi vs. Lidl: Welcher vegane Burger ist der bessere?

Aldi will in Großbritannien vor allem weiter wachsen

Dass die niedrigen Preise und hohe Infrastrukturkosten auf den Gewinn drücken, ficht Aldi-UK-Chef Giles Hurley nicht an. Das Unternehmen blicke nicht auf kurzfristige Profite, sagte er jüngst. „Unser Fokus liegt auf Wachstum; auf Verkäufen, Filialen und Kundenzahlen.

Die genauen Umstände sind aber weiter unklar, viele Kunden haushalten deswegen. Das drückt bei den britischen Einzelhändlern auf die Stimmung. Beispiel Asda: Der drittgrößte britische Einzelhändler hat Tarif-Ärger mit den Beschäftigten, Umsatz und Marktanteil gingen zuletzt zurück, die Wettbewerbsbehörde verbot die Fusion mit Konkurrent Sainsbury’s.

Boris Johnson telefoniert mit US-Präsident Donald Trump wegen Whiskey

Nachdem der von Premierminister Boris Johnson wiederholt versprochene Austrittstermin am 31. Oktober nicht eingehalten wurde, soll Großbritannien die EU nun spätestens am 31. Januar 2020 verlassen. Johnson baut vor: Er telefonierte mit US-Präsident Donald Trump und sprach über die Handelsbeziehungen beider Länder. Das Ziel: Ein „robustes“ bilaterales Handelsabkommen. Solange das Vereinigte Königreich noch Mitglied der Europäischen Union ist, kann es ein solches Abkommen nicht schließen.

Johnsons Büro teilte mit, der Premier habe von Trump gefordert, dass die USA ihre jüngst verhängten Strafzölle auf schottischen Whisky wieder zurücknehmen. Außerdem habe er verlangt, die Drohung mit Strafzöllen auf Autoimporte aus der EU, wovon auch Großbritannien betroffen wäre, nicht in die Tat umzusetzen. Die USA hatten Mitte Oktober Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf zahlreiche Produkte aus Europa erlassen - darunter verschiedene Alkoholika wie Scotch. Mitte November will die US-Regierung zudem über die Einführung von Strafzöllen auf Autoimporte aus der EU entscheiden. (dpa)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.