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EZB-Entscheidung: Das bedeuten die Strafzinsen für Sparer

Berlin.  Die Europäische Zentralbank hat den Strafzins für Bankeinlagen erneut verschärft – für Verbraucher gibt es aber eine gute Nachricht.

Die Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

Die Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Für Sparer klang es zunächst nach einem weiteren schwarzen Tag: Als eine der letzten seiner Amtshandlungen hat der scheidende Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Donnerstag den Strafzins für Bankeinlagen erneut verschärft – so müssen Kreditinstitute für ihr Guthaben künftig einen Negativzins von 0,5 statt 0,4 Prozent an die EZB zahlen. Ein neue Regelung sorgt jedoch überraschend für eine leichte Entlastung. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was hat die EZB beschlossen?

Zum einen wird das umstrittene Programm zum Kauf von Anleihen im Wert von 20 Milliarden Euro im Monat wieder aufgenommen. Vor allem aber hat die EZB den sogenannten Einlagenzins von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Diesen „Strafzins“ zahlen Banken seit 2014 für Geld, dass sie bei der Zentralbank parken müssen.

Im Gegenzug soll nun jedoch eine Staffelung für Entlastung sorgen. Damit sinkt die Last durch den Strafzins für deutsche Institute nach Angaben des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) von jährlich 2,4 auf 1,9 Milliarden Euro. Für die Banken in der gesamten Eurozone sinkt die Belastung durch die EZB-Entscheidung von 7,2 auf fünf Milliarden Euro im Jahr.

Ohne die jetzt eingeführte Staffelung wären die Kosten durch die weitere Senkung des umstrittenen Strafzinses für die deutschen Banken auf drei Milliarden Euro und im Euroraum auf neun Milliarden Euro gestiegen. Im Juli hatten die deutschen Banken 600 Milliarden Euro bei der EZB geparkt, für das sie Strafzinsen zahlen müssen.

Warum gibt es trotz der Erleichterung Kritik an der Entscheidung der EZB?

Abgesehen von der Erleichterung durch die Staffelung des Strafzinses haben die Währungshüter das Zinstief auf Jahre zementiert. „Die Aussicht auf andauernde Minuszinsen ist ein verheerendes Signal an Bürger und Unternehmen“, sagt Bankenverbandspräsident Hans-Walter Peters unserer Redaktion.

So würden andauernde Negativzinsen das Vertrauen in die kapitalgedeckte Altersvorsorge untergraben und die Geschäftsgrundlage für Banken sowie Versicherungen pulverisieren. „Auch wenn der jetzt eingeführte Staffelzins eine gewisse Erleichterung bringt, werden die europäischen Banken weiterhin jedes Jahr Milliarden an die EZB als eine Art Strafsteuer zahlen müssen“, kritisiert Peters.

Was bedeutet das für Sparer?

Schon heute geben zahlreiche Institute den Strafzins an Kunden mit großen Ersparnissen weiter – in der Regel bei Summen von über 100.000 Euro. Solche Beträge sind schnell erreicht, wenn etwa eine private Altersvorsorge ausgezahlt wird.

Durch die Staffelung des Strafzinses für Banken könnte sich die Lage nun entschärfen. Dennoch gibt der Bankenverband keine Entwarnung. Auch künftig könnten mehr Institute Strafzinsen von Sparern verlangen. Der Druck, die Belastungen an die Kunden weiterzugeben steige weiter, so Peters.

Warum gibt es Strafzinsen?

Mit dem Negativzins will die EZB die Banken zur Vergabe von Krediten bewegen und damit letztlich die Wirtschaft ankurbeln. Diese Geldpolitik ist eine Folge der zurückliegenden Eurokrise.

Können Banken die Strafzinsen der EZB umgehen?

Theoretisch ist das möglich. Statt ihr überschüssiges Geld auf ihrem Konto bei der EZB zu parken, könnten sich die Banken auch einfach Bargeld in den Keller legen. Doch der Aufwand für Bewachung und Tresore wäre enorm.

Wie holen sich die Banken die Strafzins-Kosten bei ihren Kunden wieder rein?

Das klassische Geschäftsmodell der Banken, sich aus den Zinseinnahmen der Kreditvergabe zu finanzieren, funktioniert durch die seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase immer schlechter. So könnten die Banken die Kosten für den Strafzins auch darüber einspielen, dass sie die Gebühren für ihre Dienstleistungen erhöhen.

„Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei: Girokonten kosten Geld, wie jede andere Dienstleistung auch“, schreibt Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling in einem Gastbeitrag für den „Focus“. So verdienten die deutschen Kreditinstitute im Jahr 1990 mit 100 Euro verliehenem Sparguthaben noch 1,72 Euro – heute sei es weniger als ein Euro.

Haben die niedrigen Zinsen auch positive Folgen für Verbraucher?

Immobiliendarlehen dürften jetzt noch billiger werden, als sie es ohnehin schon sind. Schon in den vergangenen drei Wochen war der durchschnittliche Zinssatz bei einer Immobilienfinanzierung mit einer Laufzeit von 15 Jahren von 1,04 auf 0,98 Prozent gesunken.

Das geht aus Berechnungen der unabhängigen FMH-Finanzberatung hervor. FMH-Experte Max Herbst erwartet, dass die Banken ihre Zinssätze nun weiter senken dürften. Der Effekt der Niedrigzinsen beim Wohnungskauf verpufft für viele Verbraucher jedoch. „Im Moment sind die Preise in vielen Regionen explodiert. Das hebt natürlich den Zinsverlust auf“, sagt Annabel Oelmann von der zuständigen Verbraucherzentrale Bremen.

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