Vielleicht haben die beiden ja recht. Zwei mir sehr bekannte und sehr nahestehende Damen, mit der einen bin ich verheiratet, mit der anderen verwandt, weigern sich standhaft, die Kommentare zur Kenntnis zu nehmen, die von vielen sogenannten Mitbürgern auf Facebook abgesondert werden. Das sei, sagen sie, nicht gut für die Stimmung. Ich kann sie ja verstehen, aber ich kann dennoch nicht anders. Kann sein, es handelt sich um eine Form von intellektuell-mentalem Masochismus.
Silvesterfeuer zerstört historisches Gebäude am Domplatz
Das Jahr begann in Erfurt mit einem, sozusagen, Knalleffekt: In der Silvesternacht brannte am Domplatz ein historisches Haus. Was blieb, ist ein rauchendes Skelett. Der Domplatz, für die auswärtigen Leser, das ist der Ort, an dem ich gelegentlich, in Abwandlung eines berühmten gefakten Spruches, seufze: „Begrabt mein Herz unter den Steinen der Treppe.“ Grinsend, aber aus vollem Herzen.
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So, und die lange umgehende Theorie war, das schöne alte Haus sei in Brand geschossen worden durch einen Silvesterböller und deren Verbot hat die Stadt Erfurt in dieser Nacht nicht durchgesetzt, trägt also in gewisser Weise eine Mitschuld. Sie ist, ließe sich sagen, ihrer Fürsorgepflicht in diesem Falle nicht nachgekommen.
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Und nun haben Experten festgestellt, es war keine Silvesterrakete, es war ein Schwelbrand. Was wiederum in gewisser Weise für die Stadt – nicht für die Stadtgesellschaft, aber für die Verantwortlichen – eine gute Nachricht ist: Sie sind doch nicht verantwortlich.
„Ha!“, schreit nun das Netz aus voller Brust, von wegen Böllerverbot! Kein Silvesterknaller war es nicht, zum Teufel mit denen, die uns das Böllern verbieten wollen.
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Helmut Schmidt, dem als elder Statesman in jedem Nichtraucherraum der Aschenbecher hingestellt wurde, war ein berüchtigter Kettenraucher und wurde 96 Jahre alt. Sir Winston Churchill, der kaum je ohne eine Zigarre gesehen wurde, trank exzessiv Whisky und Champagner und wurde 90 Jahre alt. Die beiden Fälle beweisen zwingend die gesundheitsfördernde Wirkung von Zigaretten und Alkohol, so wie der Umstand, dass dieser Brand nicht von einer Silvesterrakete verursacht wurde, eindeutig beweist, wie unnotwendig, wie wenig sinnvoll ein Böllerverbot wäre. Wenigstens aus der Perspektive der sozial-medialen Schwarmintelligenz.
Verschwörungstheorien um Brandursache nehmen Fahrt auf
Aber vermutlich ist das ohnehin ganz anders. Denn die Wächter der Wahrheit, die Verhinderer der Verschwörungen haben aufgepasst, wieder einmal. Sie raunen und pöbeln, sie kommen breitbeinig dahergetrampelt und tröten aus voller Brust vom Selbstbewusstsein ihrer allumfassenden Blödigkeit.
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Ein Lutz bringt luzide Licht in das Dunkel dieser Nacht: „Der Besitzer hat Probleme mit der Versicherung und hat wahrscheinlich nachgeholfen.“ Und der Martn stellt sich vor, wie das geht, nämlich: „Ich stell mir das so vor, dass der Gutachter ne Menge Geld bekommen hat.“ Allerdings wohl von der Stadt, weil die sonst beim nächsten Mal viel Geld für Hunderte Polizisten bezahlen müsste, um das Böllerverbot durchzusetzen, weiß der Martn. An anderer Stelle schreibt der Lutze, für den die AfD „die einzige Hoffnung ist“: „Nicht mal die Wahrheit darf man sagen.“
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Doch Lutze, darfst du. Und Dödel wie du und der Martn und Tausende andere Ich-lass-mich-doch-nicht-verarschen-Schreihälse dürfen sogar die Unwahrheit brüllen, das muss eine Demokratie aushalten. Dagegen, gegen die Dummheit, gibt es kein Mittel – seufz.
Vielleicht haben die beiden Damen ja recht.









