Dass die Natur Vorbild bei der Lösung von Alltagsproblemen sein kann, war schon dem Erfinder der Dauerwelle Karl Ludwig Nestler vor 120 Jahren geläufig. Von ihm wird berichtet, dass er beim Beobachten von Schafen und ihren gekräuselten Haaren auf die Idee kam, ein Verfahren für haltbar gelocktes Haar für Damenfrisuren zu entwickeln.


Dass es sich bei der Kräuselung des Schaffells durch Feuchtigkeit um einen natürlichen Prozess handelt, war Nestler bewusst. Die Fellhaare sind nämlich hygroskopisch. Das bedeutet, dass sie Wasser aufnehmen und dadurch aufquellen. Außerdem bestehen die Haare aus verschiedenen Schichten, die ungleichmäßig quellen und so zu deren Krümmung und Drehung führen.
Kommt Schafen noch die Körperwärme dazu, spreizt sich die schuppenförmige Haaroberfläche auf und verhakt sich mit den Haaren zu einem „Schutzmantel“. Damit sind die Tiere sowohl vor Nässe, als auch vor Kälte vortrefflich geschützt.

Nestler testete sein Dauerwellenverfahren zunächst an seiner Frau. Er drehte ihr die feuchten Haare spiralförmig um ein dünnes Metallrohr und umschloss sie anschließend mit einer erhitzten Zange, die aus zwei länglichen Halbschalen bestand. Dabei soll er durch die heiße Zange auch an manchen Stellen die Kopfhaut seiner Herzensdame verletzt haben.

Nach der Devise, wer schön sein will muss leiden, ertrug sie tapfer die Prozedur und war letztlich sehr erfreut, dass ihre Dauerwelle ziemlich lange ihre Pracht behielt. Als Nestler dann noch Lockenwickler in Form von dicken Filzröhrchen entwickelte, war die Gefahr von Verbrennungen der Kopfhaut größtenteils gebannt. Im Laufe der Zeit konnte dieses Verfahren immer weiter verbessert werden. Der moderne Lockenstab zeugt davon.


