Ein properes Bild geben sieben der neun Thüringer Profi-Orchester in der neuen Planstellen-Statistik der Musikergewerkschaft Unisono ab. Lediglich die Klangkörper in Erfurt und Jena fallen sichtlich aus dem Rahmen – allerdings aus verständlichen, teils gar erfreulichen Gründen.

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Unisono erhebt die Daten alle zwei Jahre und fand aktuell 456 Vakanzen (4,7 Prozent) unter den offiziell 9748 Planstellen in sämtlichen 129 öffentlich geförderten Profi-Orchestern Deutschlands. Die „rote Laterne“ in der Statistik trägt das Philharmonische Orchester Erfurt: mit einer augenscheinlich besorgniserregenden Vakanzquote von 20,5 Prozent. Nur 62 der nominell 78 Musikerpositionen sind demnach am Theater Erfurt besetzt.

Erfurter Orchester soll wieder auf alte Größe wachsen

Auf den zweiten Blick erhellt sich die Lage, weil man in der Landeshauptstadt 2021 den politischen Beschluss fasste, das Orchester wieder auf den ursprünglichen Stand der unmittelbaren Nachwendezeit zu vergrößern. Allerdings würde das Plus an 16 Stellen den Angaben zufolge 1,4 Millionen Euro Personalkosten-Aufwuchs bedeuten; folglich verhängte der damalige Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) eine Besetzungssperre. Das klärte eine Theatersprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung jetzt auf.

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Jahre-, jahrzehntelang hatte man versucht, den Erfurter Klangkörper mit einem Orchester aus der Nachbarschaft – Gotha oder Weimar – zu fusionieren und ihn deshalb zeitweilig sogar auf 59 Stellen geschrumpft, was zu kunstwidrigen Behelfslösungen führte. Aktuell geht man intern von 62 Musikerstellen aus, die auch allesamt besetzt sind.

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Jenaer halten beharrlich am alten Anspruch fest

Die Jenaer Philharmonie steht in der Unisono-Liste mit 73,5 besetzten von 85 Planstellen und folglich einer 13,5-prozentigen Vakanz-Quote. Auch in der Saalestadt zeigte ein langjähriger Spardruck Wirkung, sodass man sich in mehreren Finanzierungsrunden mit dem Freistaat nolens volens auf eine Spielstärke von 75 Musikern verständigte. Den alten Anspruch geben die Jenaer jedoch nicht auf.

Jenaer Philharmonie im Volkshaus Jena
GMD Simon Gaudenz dirigiert die Jenaer Philharmonie im voll besetzten Volkshaus (Archiv-Foto). Nicht zuletzt seiner Arbeit ist die exzellente Verfasstheit des Klangkörpers zu danken.© Funke Medien Thüringen | Tino Zippel (Archiv)

An den meisten Standorten hat sich die Lage stabilisiert

Vorbildlich hingegen die übrige Lage: In Altenburg-Gera sind 67,5 von 68 Planstellen besetzt, in Saalfeld-Rudolstadt 39 von 42 und bei der Staatskapelle Weimar 94 von 100. Die Meininger Hofkapelle (61 Stellen) und das Loh-Orchester Sondershausen (53 Stellen) haben keine Vakanzen und die Thüringen Philharmonie Gotha nach der Fusion mit der Landeskapelle Eisenach angesichts der Zielgröße von 59 Musikern noch einen Überhang von 5 Stellen. Angaben für die Vogtland-Philharmonie fehlen.

Seit 1990 sind mehr als die Hälfte der Musikerstellen in Thüringen abgebaut worden, zumeist auf dem mühseligen Wege der Orchesterfusion. Der überwiegende Teil der verbliebenen 612 Stellen ist nach Flächentarif dotiert, in Gotha und Rudolstadt bestehen noch Haustarifverträge.