Am Ende gab es Rosen für die Weimarer Kulturbürger und Lob von höchster Stelle. Der „Weimarer Geist“ sei Vorbild für ganz Deutschland, hob am 1. März 2002 Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1920 - 2015) das bürgerschaftliche Engagement in Weimar hervor, das der Landesregierung einen Strich durch ihre Pläne gemacht hatte, die Theaterlandschaft in Thüringen grundlegend zu verändern und die Theater in Weimar und Erfurt zu fusionieren

Bürger setzen Zeichen für Kulturerhalt und Solidarität in Weimar

Es war ein Sturm der Entrüstung, der sich in Weimar entladen hatte. Weimar könne in Sachen Bürger-Engagement Vorbild für ganz Deutschland sein, sagte die damalige Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (1943 - 2023) in dem voll besetzten großen Saal des Nationaltheaters. Und am Ende des fünfjährigen, von der TLZ entscheidend mitgetragenen Kampfes um das Weimarer Haus stand das Fazit von TLZ-Kulturredakteur Wolfgang Hirsch in der Ausgabe am darauffolgenden Tag: „Es geht auch ohne Funktionäre. Entscheidend sind die Solidarität und der entschlossene Mut der Bürger, von dem sich auch DNT-Intendant Stephan Märki (Foto) getragen fühlen darf.“

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Richard von Weizsäcker hatte in der Veranstaltung Weimarer Bürgern, Beschäftigten des Theaters, aber auch der TLZ gedankt, die das bürgerschaftliche Engagement in Weimar in den vergangenen Jahren immer wieder mit zahlreichen Initiativen, Unterschriftenaktionen, Demonstrationsaufrufen befeuert hatte. „Gelebte Demokratie“ nannte das von Weizsäcker und mahnte: „Dieser Weg muss weitergehen, auch in der Politik.“

DNT Weimar
Eine Frage der Identität: Das Deutsche Nationaltheater gehört zu Weimar wie Goethe und Schiller.© Peter Michaelis / TLZ-Archiv | Peter Michaelis / TLZ-Archiv

Eine der treibenden Kräfte hinter all den Aktivitäten war der damalige TLZ-Chefredakteur Hans Hoffmeister. Er motivierte die gesamte Redaktion, den Kampf um das DNT zu ihrer Sache zu machen – manchmal zum Leidwesen der Erfurter TLZ-Lokalredaktion, die sich der Kritik der dortigen Stadtspitze und Theater-Leitung gegenübersah.

Bedenken werden landesseitig zunächst vom Tisch gewischt

Auch die Landesregierung stand zunächst auf Erfurter Seite. „Die ideale Lösung ist die Fusion“, hatte Wissenschaftsminister Gerd Schuchardt (SPD) bereits am 11. September 1997 in einem ganzseitigen Interview für das aus seiner Sicht wirtschaftlich vernünftige Vorgehen geworben und die Weimarer Bedenken zwar ernst genommen, aber gleichzeitig vom Tisch gewischt.

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DNT-Intendant Stephan Märki hielt in einem ebenfalls ganzseitigen Interview dagegen: „Wenn es nicht einmal am Symbolort Weimar gelingt, den Zusammenhang von Kultur, Wirtschaft und Sozialpolitik zu verteidigen, wo denn dann noch?“ Die geplante Verlagerung des Musiktheaters in die Landeshauptstadt treffe den Lebensnerv von Weimar und bedrohe die kulturelle Identität Thüringens. Das sahen auch viele Bürgerinnen und Bürger Weimars so und setzten ihre Unterschrift unter die von der TLZ ins Leben gerufene Initiative „Weimar verpflichtet“.

Sonntag

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Tausende von Coupons landeten in der Redaktion. Es war ein breiter Bevölkerungsquerschnitt, der sich von der Landesregierung nicht das Wohl und Wehe des DNT diktieren lassen wollte. Parallel dazu gab es zahlreiche Demonstrationen vor dem Nationaltheater, mit denen auch Weimarer Stadträte immer wieder an ihr Versprechen erinnert wurden, das DNT zu unterstützen.

DNT Weimar
Aus Weimar und Erfurt ein Drei-Sparten-Theater machen? Gegen diese Idee aus dem Jahr 1997 gab es von Anfang an massive Vorbehalte. Und letztlich setzten sich die kämpferischen Kulturbürger von Weimar durch -- dank der Unterstützung von vielen Menschen aus ganz Thüringen und darüber hinaus.© TLZ | Peter Michaelis / TLZ-Archiv

Die ursprünglichen Pläne der Landesregierung sahen vor, die beiden Theater in Erfurt und Weimar zu einem Dreisparten-Theater zu machen – schon ab der Spielzeit 2000/01. Dass es dazu nicht kam – diesen Erfolg können sich Kulturbürger und TLZ zuschreiben